Goliath-Chef soll Anleger mit Krypto-Ponzi um Millionen geschädigt haben
Die US-Börsenaufsicht SEC und die Terminmarktaufsicht CFTC haben am 11. August parallel Zivilklagen gegen Goliath Ventures Inc. und dessen CEO Christopher Delgado eingereicht. Der Vorwurf: ein Krypto-Ponzi-System, das laut CFTC rund 1.600 Kunden mindestens 397 Millionen Dollar gekostet hat, während die SEC von mehr als 1.300 Investoren und mindestens 425 Millionen Dollar spricht.
Zwei Behörden, zwei Zahlen, ein Muster
Die CFTC wirft Goliath und Delgado vor, Gelder für den Handel mit Bitcoin und Ether beworben, tatsächlich aber ein Ponzi-System betrieben zu haben. In der Pressemitteilung der CFTC wird den Beklagten vorgeworfen, sämtliche Kundengelder zweckentfremdet zu haben, um fiktive Gewinne an Bestandskunden auszuzahlen und Delgados Lebensstil zu finanzieren.
Die SEC schildert in ihrer Veröffentlichung zum Verfahren ein ähnliches Bild: Zwischen Januar 2023 und Januar 2026 sollen Anlegern monatliche Ausschüttungen von 3 bis 10 Prozent sowie eine Garantie des Anlagekapitals versprochen worden sein. Die Angebote seien an angebliche Krypto-Liquiditätspools gebunden gewesen. Laut SEC floss jedoch kein Anlegergeld und kein Krypto-Asset tatsächlich in diese Pools.
Delgado bekannte sich in Strafverfahren schuldig
Bereits am 30. Juni bekannte sich Delgado in einem separaten Strafverfahren wegen versuchten Wire Fraud, Wire Fraud und Geldwäsche schuldig und räumte einen Anlegerschaden von mindestens 250 Millionen Dollar ein. Die Urteilsverkündung ist laut Angaben des Justizministeriums für den 21. Oktober angesetzt.
Bundesstaatsanwälte erklärten, dass Anlegergelder für mindestens sechs Wohnimmobilien im Wert von jeweils 1,15 bis 8,5 Millionen Dollar, acht weitere Grundstücke, elf Fahrzeuge, 30 Uhren, mehr als 50 Luxushandtaschen und -geldbörsen sowie mindestens 29 Schmuckstücke verwendet worden seien. Die SEC beziffert den von Delgado persönlich abgezweigten Betrag auf mindestens 51 Millionen Dollar. Genannt werden Häuser, Luxusfahrzeuge, eine Yacht und Reisen.
Parallele Verfahren und Zusammenarbeit der Behörden
Die parallelen Verfahren folgen auf eine ausgeweitete Zusammenarbeit von SEC und CFTC an der Schnittstelle von Krypto, Wertpapieren und Derivaten. Am 11. März unterzeichneten beide Behörden ein Memorandum, das gemeinsame Regelsetzung, Aufsicht, Risikoüberwachung und Durchsetzung umfasst. Die Vereinbarung richtete zudem eine gemeinsame Compliance-Initiative ein, zu deren Themen auch Kryptowerte gehören.
Die CFTC fordert vor Gericht Schadensersatz, die Herausgabe unrechtmäßiger Gewinne, Geldstrafen, Handels- und Registrierungsverbote sowie eine dauerhafte Unterlassungsverfügung. Delgado hat sich im SEC-Verfahren auf eine gerichtlich zu genehmigende Einigung eingelassen. Die endgültige Höhe von Rückzahlungen, Vorurteilszinsen und Bußgeldern soll noch gerichtlich festgelegt werden.
Garantierte Renditen als Warnsignal
Garantiertes Kapital, ungewöhnlich hohe monatliche Renditen und schwer überprüfbare Handelsaktivitäten sind Merkmale, die in Fällen von Krypto-Betrug wiederholt auftreten. In einem weiteren Fall soll ein Betreiber aus Ohio mit angeblicher Bitcoin-Derivate-Expertise und einer Kapitalgarantie mehr als 10 Millionen Dollar eingesammelt haben. Nach den Vorwürfen wurden Gelder neuer Anleger genutzt, um frühere Teilnehmer auszuzahlen.
Ein weiterer SEC-Fall betrifft rund 150 Investoren, die 12,3 Millionen Dollar in angebliche KI-Handelsbots investiert haben sollen. Laut den Vorwürfen wurden davon nur etwa 380.000 Dollar für den Kauf von Kryptowerten eingesetzt; die beworbenen Bots sollen die behaupteten Handelsgeschäfte nicht ausgeführt haben.
Für Anleger können garantierte oder ungewöhnlich hohe Renditeversprechen daher ein wichtiges Warnsignal sein, bevor Geld überwiesen wird. Ponzi-Systeme sind typischerweise darauf angewiesen, Zahlungen an frühere Anleger mit Geld neuer Teilnehmer aufrechtzuerhalten.