EIP-8363 könnte Ethereum-Staking bis auf null verzinsen
Ein am 4. August auf GitHub veröffentlichter Entwurf sieht vor, bei Ethereum einen wachsenden Anteil der Konsens-Rewards von Validatoren zu verbrennen. Bei rund 49,4 Prozent des ETH-Angebots im Staking soll die Netto-Emissionsrendite aus der Konsensschicht auf null fallen. Zwei Tage später endete das Zeitfenster, um nicht vorrangige EIPs für das Hegotá-Upgrade bei den Core Developers vorzulegen. EIP-8363 wurde nicht in diese Liste aufgenommen.
Der Mechanismus: Brutto-Ausgabe bleibt, Nettoertrag sinkt
Die bestehende Formel für die Brutto-Ausgabe von ETH bleibt unter EIP-8363 unverändert und folgt weiter 64 × √D Gwei. Der Entwurf würde jedoch zusätzlich nach Rewards und Strafen in jeder Epoche einen Abzug einführen: Für jede zugewiesene Aufgabe eines Validators, etwa Attestierungen, Blockvorschläge oder Sync-Committee-Dienste, würde ein wachsender Anteil der idealisierten Belohnung verbrannt statt umverteilt.
Die Schwelle liegt bei 60,25 Mio. ETH. Bei einem Angebot von rund 121,93 Mio. ETH entspricht das etwa 49,4 Prozent. Erreicht der Burn-Faktor dort 1, gleicht der Abzug die Emission eines korrekt arbeitenden Validators aus; die Netto-Konsensrendite beträgt dann null. Priority Fees und MEV würden nicht erfasst. Der Entwurf beziffert diese Einnahmen auf Basis der damals zugrunde gelegten Werte auf rund 0,2 Prozent zusätzliche Rendite.
Am 7. August lagen laut ultrasound.money etwa 41,78 Mio. von 121,93 Mio. ETH im Staking, entsprechend 34,3 Prozent des Angebots. Nach den Formeln des EIP ergäbe sich auf dieser Basis nach der Übergangsphase eine Brutto-Konsensrendite von 2,57 Prozent und eine Netto-Konsensrendite von rund 1,09 Prozent. Um einen abrupten Einschnitt zu begrenzen, sieht der Entwurf vor, den Reward-Faktor bei Aktivierung vorübergehend zu verdoppeln und ihn über rund 18 Monate zurückzuführen. Die Burn-Schwelle bei 60,25 Mio. ETH bliebe dabei vom ersten Tag an bestehen.
Widerstand aus der DeFi-Industrie
Stani Kulechov, Gründer von Aave, kritisierte, dass eine gegen null laufende Staking-Rendite die Kalkulierbarkeit von ETH-Erträgen beeinträchtigen könne. Nach seiner Einschätzung würden kreditfinanzierte Staking- und Looping-Strategien schwieriger, wenn die Rendite den Kreditzins nicht mehr übersteigt. In einem Beitrag auf Ethereum Magicians argumentierte Kulechov zudem, ein Nullrendite-Regime könne wirtschaftlich motivierte Staker verdrängen und damit die Zentralisierung fördern, die der Vorschlag begrenzen soll.
Mike Silagadze, Gründer von ether.fi, richtete seine Kritik vor allem gegen das Verfahren. Er beanstandete das kurze öffentliche Kommentierungsfenster vor der Frist für Hegotá und die möglichen Folgen einer Änderung der Netzwerkökonomie für DeFi. Der Entwurf trägt zwar ein Erstellungsdatum vom 14. Juli 2026, öffentlich erschien er jedoch erst kurz vor der PFI-Frist. Eine Aufnahme in ein Upgrade war zu diesem Zeitpunkt nicht beschlossen.
Auch die Kurse von Staking-bezogenen Token bewegten sich in diesem Zeitraum: LDO fiel laut den zugrunde gelegten Daten vom 4. bis 5. August von 0,3285 auf 0,2793 US-Dollar, ein Rückgang von rund 15 Prozent. ETHFI sank von 0,4028 auf 0,3541 US-Dollar, etwa 12 Prozent. ETH selbst notierte am 7. August laut CoinGecko nahe 1.912 US-Dollar.
Bedeutung für Staking und DeFi
Der Vorschlag zielt auf die Rendite aus der Konsensschicht, die nach den damaligen Daten den überwiegenden Teil der Validator-Erträge ausmachte. Damit berührt EIP-8363 auch Strategien, bei denen Staking-Renditen als Referenzgröße dienen, etwa für besicherte Kreditpositionen, Liquid-Staking-Token sowie Märkte für feste oder abgespaltene Renditen. Ob und in welcher Form sich solche Modelle bei einer sinkenden Konsensrendite anpassen würden, ist offen.
Wo der Vorschlag jetzt steht
Ein stake-gewichtetes Signalvoting der Ethereum Validators Association ergab bis zu 99,92 Prozent Ablehnung. Zugleich umfasste die abgegebene Stimmmenge mit rund 83.000 ETH nur etwa 0,2 Prozent des gestakten Bestands. Das Ergebnis zeigt damit eine klare Richtung unter den teilnehmenden Akteuren, bildet aber nur einen kleinen Teil der gesamten Staking-Basis ab.
Auf dem All-Core-Devs-Consensus-Call am 6. August wurde EIP-8363 rund 30 Minuten behandelt. Der dokumentierte nächste Schritt für den präsentierenden Autor Jérôme de Tychey war, einen Rückzug aus der Hegotá-Prüfung angesichts des Community-Feedbacks zu erwägen. EIP-8363 blieb damit ein Draft und wurde in kein Upgrade aufgenommen. Wie es mit dem Vorschlag weitergeht, war am Morgen des 7. August offen.
📌 Auch interessant: Die vollständige Analyse von DeFiPrime zu EIP-8363