Short Squeeze treibt Bitcoin nach schwachen US-Daten über 62.000 Dollar
Der Bitcoin-Kurs hat nach der Veröffentlichung überraschend schwacher US-Arbeitsmarktdaten eine deutliche Erholung vollzogen und die Marke von 62.000 US-Dollar kurzzeitig überschritten. Die führende Kryptowährung stand nach einem turbulenten ersten Halbjahr weiter unter Druck, doch die schwachen Konjunkturdaten sorgten für eine Erleichterungsrallye.
Der Stimmungsumschwung zeigt, wie eng der Kryptomarkt derzeit mit den Erwartungen an die US-Geldpolitik verknüpft ist. Schwächere Arbeitsmarktdaten verringern den Druck auf die Federal Reserve, die Zinsen weiter anzuheben, und können risikoreiche Anlageklassen stützen.
- Enttäuschender Stellenaufbau: Die US-Wirtschaft verzeichnete im Juni lediglich 57.000 neue Arbeitsplätze und blieb damit deutlich hinter den Erwartungen von 115.000 Stellen zurück.
- Weniger Zinserhöhungsdruck: Die schwachen Arbeitsmarktzahlen verschaffen der US-Notenbank mehr Spielraum, die Zinsen über den Sommer unverändert zu lassen.
- Short Squeeze am Derivatemarkt: Laut CoinGlass wurden zwischen dem 2. und 3. Juli Short-Positionen im Wert von rund 450 Millionen US-Dollar zwangsliquidiert.
- ETF-Zuflüsse: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 2. Juli Nettozuflüsse von 221,7 Millionen US-Dollar und beendeten damit eine zehntägige Abflussphase.
Makro-Impuls: US-Arbeitsmarkt verfehlt Erwartungen deutlich
Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht für Juni überraschte die Finanzmärkte. US-Arbeitgeber schufen lediglich 57.000 Stellen, nachdem der Wert für Mai auf 129.000 korrigiert worden war. Von Dow Jones befragte Ökonomen hatten im Vorfeld mit rund 115.000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,2 Prozent, lag damit aber weiterhin über dem Niveau von 4,1 Prozent ein Jahr zuvor.
Die Zahlen erschweren die Einschätzung eines widerstandsfähigen Arbeitsmarktes und nehmen der Federal Reserve vorerst Druck für weitere Zinserhöhungen. Nach der Veröffentlichung rechneten Händler im September nicht mehr mit einer Zinserhöhung; das CME FedWatch Tool wies weiterhin Chancen auf eine Bewegung im Oktober aus. Niedrigere Kreditkosten gelten an den Märkten grundsätzlich als Unterstützung für spekulative Vermögenswerte wie Kryptowährungen.
Derivate-Dynamik: Short Squeeze und ETF-Zuflüsse
Die makroökonomischen Nachrichten trafen auf einen Markt, der nach den Kursverlusten im ersten Halbjahr belastet war. Bitcoin hatte in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als 30 Prozent verloren. Nach Angaben von CoinGlass führte die Aufwärtsbewegung zu Zwangsliquidierungen von Short-Positionen im Umfang von rund 450 Millionen US-Dollar. Diese Eindeckungen erzeugten zusätzlichen Kaufdruck.
Zeitgleich meldeten die US-Spot-Bitcoin-ETFs eine Nachfragebelebung. Mit Nettozuflüssen von 221,7 Millionen US-Dollar am 2. Juli endete eine Phase von zehn Handelstagen mit Nettoabflüssen. Das technische Bild blieb jedoch gemischt: Bitcoin konnte kurzfristig seine 20-Tage-EMA bei etwa 62.114 US-Dollar zurückerobern, notierte aber weiterhin unter dem 50-Tage-SMA von 67.362 US-Dollar und dem 200-Tage-SMA von 74.952 US-Dollar.
Auch Altcoins legten nach den Arbeitsmarktdaten zu. Ethereum stieg um 5,1 Prozent auf 1.699,19 US-Dollar. XRP gewann 2,3 Prozent, während Solana und Cardano um 4,7 beziehungsweise 5 Prozent zulegten.
Erholung mit Vorbehalten
Die jüngste Kursbewegung lässt sich vor allem mit den schwachen Konjunkturdaten, den veränderten Zinserwartungen und dem Short Squeeze erklären. Die Rückkehr der ETF-Zuflüsse ist ein positives Signal, doch die vorangegangenen Abflüsse und die weiterhin gemischte technische Lage zeigen, dass die strukturellen Belastungen nicht vollständig verschwunden sind.
Eine einzelne schwache Arbeitsmarktzahl muss den geldpolitischen Kurs der Federal Reserve nicht nachhaltig verändern. Fed-Vertreter Kevin Warsh bezeichnete die Lage am Arbeitsmarkt als stabil und bekräftigte den Fokus der Notenbank auf die Rückführung der Inflation zum Ziel von 2 Prozent. Die Preissteigerung lag seit fünf Jahren über diesem Ziel; zuletzt spielten unter anderem der Konflikt mit dem Iran und anhaltende Zolleffekte eine Rolle.
Technische Marken und Risiken
Auf der Oberseite gilt der Bereich um 62.537 US-Dollar als nächster Widerstand. Die 20-Tage-EMA bei rund 62.114 US-Dollar dient kurzfristig als wichtige Orientierung. Darüber hinaus bleiben der 50-Tage-SMA bei 67.362 US-Dollar und der 200-Tage-SMA bei 74.952 US-Dollar relevante Hürden für den mittelfristigen Trend.
Trotz der Erholung bestehen Risiken. Die ETF-Abflüsse im Juni verdeutlichen den vorangegangenen Verkaufsdruck. Daten von CryptoQuant wiesen zudem auf erhöhte Bitcoin-Zuflüsse zu Börsen Ende Juni hin, ein Signal, das historisch häufig vor Kursrückgängen beobachtet wurde. Hinzu kommen regulatorische Unsicherheit in den USA sowie geopolitische Belastungen für die Risikostimmung.
Für Marktteilnehmer bleiben daher die weiteren US-Arbeitsmarktdaten, die geldpolitischen Signale der Federal Reserve sowie die Entwicklung der ETF-Zuflüsse und -Abflüsse wichtige Faktoren. Die jüngste Erholung verbessert die kurzfristige Stimmung, während die mittelfristige Trendlage weiterhin uneinheitlich bleibt.