WLFI-Großinvestor im Fokus britischer Geldwäsche-Ermittlungen
Ein Geschäftsmann, gegen den in Großbritannien wegen Geldwäscheverdachts ermittelt wird, hat mindestens 100 Millionen US-Dollar in WLFI-Token der Trump-nahen Plattform World Liberty Financial investiert. Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Herkunftsprüfung von Geldern auf, die in das Krypto-Vehikel der Präsidentenfamilie fließen.
Im Zentrum steht Guren „Bobby“ Zhou, der die Käufe über die neu gegründete Firma Aqua 1 abwickelte. Nach der Verteilungsstruktur von World Liberty flossen laut Primärquelle bis zu 75 Millionen US-Dollar an ein Unternehmen, das von Präsident Trump und seinen drei Kindern kontrolliert wird - ein Teil des Geldes erreichte auch Angehörige von Steve Witkoff, dem Sondergesandten der Trump-Regierung und Vater des World-Liberty-Mitgründers Zach Witkoff.
Vom Bodenbelag-Händler zum Großinvestor
Zhous geschäftlicher Werdegang liefert wenig Erklärung für den plötzlichen Kapitalzugang. Zhou wuchs in Shanghai auf und betrieb in Großbritannien ein Bodenbelagsgeschäft mit rund 20 Filialen, das 2018 in die Insolvenz ging - mit einer nie zurückgezahlten Schuld von 5 Millionen Dollar gegenüber der Firma seines eigenen Vaters. Danach verbrannte er laut Recherche 7,6 Millionen Dollar in einem gescheiterten Krypto-Projekt, bevor er Mitte 2024 von London in die Vereinigten Arabischen Emirate übersiedelte.
Diese abrupte Wende vom verschuldeten Kleinunternehmer zum Käufer einer der größten bekannten WLFI-Positionen gilt Branchenkennern als klassisches Warnsignal. Ein britisches Gerichtsdokument, das im November eingereicht wurde, führt Zhou als Teil eines mutmaßlichen Geldwäscheschemas auf, das 2019 begonnen haben soll - gemeinsam mit fünf weiteren Personen. Angeklagt wurde er bislang nicht, die Ermittlung der britischen Behörden läuft nach eigenen Angaben weiter.
Compliance-Fragen ohne klare Antwort
Patrick Prinz, Chief Operating Officer der Schweizer Ermittlungsfirma Recoveris, sieht in der Kombination aus gescheiterten Unternehmungen, plötzlichem Vermögenszuwachs, Transaktionsvolumen und laufender Ermittlung ein Muster, das eine dokumentierte Herkunftsprüfung der Gelder hätte auslösen müssen. Genau diese Prüfung ist der strittige Punkt: World-Liberty-Sprecher David Wachsman erklärte, das Unternehmen halte sich an alle geltenden Gesetze und Vorschriften und unterhalte ein Compliance-Programm, das Branchenstandards erfülle oder übertreffe.
Wachsman widersprach zwar der Darstellung Zhous in der Presse, blieb aber Details schuldig. Unternehmensvertreter äußerten sich nicht dazu, ob die Herkunft der Mittel vor Abschluss des Geschäfts überprüft wurde. Die Aqua-1-Käufe fügen sich in eine größere Debatte um die Rolle großer Einzelinvestoren bei WLFI ein, die schon vor diesem Fall Fragen zur Transparenz der Token-Verteilung aufgeworfen hatte.
Politische Dimension und offene Fragen
Die Trump-Familie erklärte in ihrer jüngsten Finanzoffenlegung, ihre Krypto-Geschäfte hätten im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden US-Dollar eingenommen - größtenteils aus anonymen Quellen. Anna Kelly, Sprecherin des Weißen Hauses, bestritt jeden Interessenkonflikt und betonte, der Präsident handle ausschließlich im besten Interesse der amerikanischen Bevölkerung.
Zhou selbst reagierte auf Anfragen weder persönlich noch über Aqua 1. Wie ein Geschäftsmann mit dokumentierter Schuldenlast und einer laufenden Geldwäscheermittlung eine Summe in dieser Höhe mobilisieren konnte, bleibt öffentlich unbeantwortet - ebenso wie die Frage, welche Prüfschritte World Liberty vor Annahme der Zahlung tatsächlich durchlief. Ähnliche Reputationsrisiken durch umstrittene Großinvestoren hat bereits ein anderer prominenter Fall im Kryptomarkt gezeigt, während der regulatorische Rahmen für solche Prüfpflichten in aktuellen SEC- und EU-Regelwerken zunehmend Kontur gewinnt.
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