CLARITY Act vor dem Durchbruch: Krypto-Aufsicht wird neu geordnet
Zwei US-Aufsichtsbehörden, die sich seit einem Jahrzehnt um dieselbe Vermögensklasse streiten, haben sich Mitte März 2026 erstmals auf ein gemeinsames Klassifizierungsschema für Kryptowährungen geeinigt. Zwischen 2015 und 2025 verhängte die CFTC bei 83 Durchsetzungsmaßnahmen rund 6 Milliarden US-Dollar an Strafen, die SEC kam im selben Zeitraum mit über 80 eigenen Klagen auf mehr als 2 Milliarden US-Dollar. Genau diese jahrelange Zuständigkeitslücke soll nun der CLARITY Act schließen – und der ist Ende März 2026 näher an der Verabschiedung als jedes andere Krypto-Regulierungsvorhaben zuvor.
Gemeinsame Auslegung als Zwischenschritt
Am 17. März 2026 veröffentlichten CFTC und SEC laut einer Mitteilung der CFTC ein gemeinsames Interpretationspapier, das erklärt, wie die Behörden die föderalen Wertpapiergesetze künftig auf Krypto-Assets anwenden wollen. CFTC-Chef Michael Selig bezeichnete es als Ende einer jahrelangen Wartezeit für amerikanische Entwickler und Unternehmer auf klare Vorgaben. SEC-Chef Paul Atkins verwies darauf, dass die Auslegung nach über einem Jahrzehnt Unsicherheit erstmals eine klare Trennlinie ziehe und ausdrücklich anerkenne, dass die meisten Krypto-Assets keine Wertpapiere seien.
In diesem Papier wurden bereits 16 digitale Commodities benannt: BTC, ETH, SOL, XRP, ADA, LINK, AVAX, DOT, HBAR, LTC, DOGE, SHIB, XTZ, BCH, APT und XLM. Nach Angaben der Börse Express unterscheidet die Auslegung dabei fünf Kategorien – digitale Rohstoffe, digitale Sammlerstücke, digitale Werkzeuge, Stablecoins und digitale Wertpapiere – wobei diese Einordnung nur eine erste Orientierung ist, solange kein Gesetz dahintersteht.
Was der CLARITY Act dauerhaft festschreiben würde
Das CLARITY-Gesetz (H.R. 3633) passierte im Juli 2025 das Repräsentantenhaus mit 294 zu 134 Stimmen und im Januar 2026 den Landwirtschaftsausschuss des Senats. In der zweiten Aprilhälfte 2026 steht es vor der Beratung im Bankenausschuss – dem entscheidenden Zeitfenster, bevor die Zwischenwahlen jede weitere Krypto-Gesetzgebung auf unbestimmte Zeit verzögern könnten. Wird es Gesetz, erhält die CFTC die volle Aufsicht über den Spot- und Kassamarkt digitaler Commodities, während die SEC für digitale Wertpapiere zuständig bleibt, die im Rahmen eines Investmentvertrags mit Gewinnerwartung an ein zentrales Team verkauft werden.
Entscheidend ist der Grad der Dezentralisierung: Ein Token, der über Fundraising als Wertpapier startet, kann bei ausreichender Netzwerk-Dezentralisierung später als digitale Commodity eingestuft werden und damit die Zuständigkeit wechseln. Stablecoins bleiben eine eigene Kategorie – die Frage, ob auf sie Zinsen gezahlt werden dürfen, gilt als Hauptstreitpunkt im Senat, weil Banken Abflüsse aus klassischen Einlagen befürchten. Wer sich für die politischen Hürden im Detail interessiert, findet in der Analyse zur Senatsabstimmung zum CLARITY Act weitere Hintergründe.
Warum die Branche die CFTC bevorzugt
Der Unterschied zwischen den Behörden ist mehr als Bürokratie. Die SEC verfolgt einen offenlegungsbasierten Ansatz mit Registrierungspflichten und dem Risiko der Dekotierung – eine „Regulierung durch Durchsetzung“, bei der Regeln oft erst nach einer Klage eindeutig wurden. Die CFTC genehmigte dagegen bereits 2017 Bitcoin-Futures, während die SEC noch über einen ETF beriet, und verfolgt seither einen prinzipienbasierten Ansatz mit Fokus auf Marktintegrität statt flächendeckender Anlegerschutzpflichten.
Das zeigt sich auch in der Praxis: Der BitMEX-Fall führte 2020 zu einem Vergleich über 100 Millionen US-Dollar wegen mangelhafter Geldwäscheprävention, doch die Behörde beansprucht anders als die SEC keine ganze Asset-Klasse pauschal für sich. Für Handelnde bedeutet das historisch ein breiteres Produktangebot und weniger Listungsbeschränkungen – wenn auch mit geringerem Schutz für unerfahrene Käufer.
Was als Nächstes entscheidet
Laut Aussagen von Senatoren muss das Gesetz bis Mai 2026 verabschiedet werden, sonst droht ein Stillstand bis nach den Zwischenwahlen. Auf der Prognoseplattform Polymarket lag die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung Ende März 2026 bei 72 Prozent. Ob dieser Zeitplan hält, hängt maßgeblich vom Kompromiss beim Stablecoin-Zinsstreit ab – Details zu möglichen Verzögerungen liefert die Einordnung zur Verschiebung im Senat.
Bis dahin bleibt die gemeinsame Auslegung von SEC und CFTC eine Orientierungshilfe ohne Gesetzeskraft. Wie die SEC parallel dazu bereits einzelne Grauzonen schließt, zeigt die Analyse zu neuen Krypto-Regeln von SEC und EU. Für Anleger und Börsen in den USA entscheidet sich in den kommenden Wochen, ob aus dieser Vorstufe tatsächlich dauerhaftes Recht wird oder die Zuständigkeitsfrage erneut zur Auslegungssache verkommt.