Kraken stoppt Monero-Einzahlungen nach 51%-Attacke durch Qubic
Die Kryptobörse Kraken hat am 15. August bekanntgegeben, dass sie vorübergehend Einzahlungen von Monero (XMR) aussetzt. Grund ist eine akute Gefährdung der Netzwerkstabilität durch eine laufende 51%-Attacke. Bei einem solchen Angriff übernimmt ein einzelner Akteur oder ein Mining-Pool die Kontrolle über mehr als die Hälfte der gesamten Hashrate einer Blockchain – und damit de facto die Möglichkeit, Transaktionen zu zensieren, doppelt auszugeben oder Blöcke nachträglich umzuschreiben.
Die Attacke geht nach eigenen Angaben auf das Konto von Qubic, einem Projekt unter Leitung von Sergey Ivancheglo, Mitgründer von IOTA. Qubic erklärte am 12. August, dass es sich mithilfe seines Mining-Pools die Mehrheit der Monero-Hashrate gesichert habe. Zum Einsatz kam dabei ein Mechanismus namens Useful Proof-of-Work (uPoW oder UPoW).
Qubic’s Strategie: Mining-Gewinne für QUBIC-Token
Besonders brisant ist, dass Qubic die durch den Angriff generierten XMR-Erträge nicht hält, sondern zur Hälfte in USDT tauscht, um damit eigene QUBIC-Token zurückzukaufen und anschließend zu verbrennen. Mit diesem Vorgehen beansprucht das Projekt, den Nutzen von Monero-Mining in seine eigene Tokenökonomie umzuleiten – faktisch jedoch untergräbt es damit die Integrität des Monero-Netzwerks.
Laut Berichten auf X kam es bereits zu einer Reorganisation von sechs Blöcken auf der Monero-Blockchain, was den Kontrollanspruch von Qubic untermauert. Damit ist bestätigt, dass ein einzelner Pool in der Lage ist, die Netzwerkhistorie zumindest kurzfristig zu beeinflussen.
Kraken reagiert mit Sicherheitsstopp
Kraken erklärte in seiner Stellungnahme, dass man die Situation aufmerksam verfolge und Einzahlungen wieder zulassen werde, sobald die Sicherheit des Netzwerks gewährleistet sei. Handel und Auszahlungen von XMR bleiben indes vollständig funktionsfähig.
Die Börse warnte ausdrücklich vor den Risiken: Eine so starke Zentralisierung der Hashrate gefährde die fundamentale Dezentralität und Integrität der Blockchain. Theoretisch könnte Qubic nun Transaktionen zensieren, Doppel-Ausgaben durchführen oder die Blockhistorie manipulieren – Szenarien, die Monero als „privacy coin“ besonders angreifbar machen.
Bedeutung für die Krypto-Branche
Der Angriff auf Monero reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, die die Verwundbarkeit auch größerer Blockchains unterstreichen. 51%-Attacken sind zwar theoretisch seit Langem bekannt, praktisch jedoch selten, da sie enorme Hashrate erfordern. Dass ein Projekt wie Qubic diese Kontrolle beanspruchen kann, ist ein Warnsignal: Selbst Netzwerke mit hohem Ansehen im Privacy-Sektor sind nicht immun gegen Zentralisierungseffekte im Mining.
Für Börsen wie Kraken bedeutet das, kurzfristig Risikomanagement über Netzwerksicherheit zu stellen. Für Nutzer verdeutlicht es, dass selbst etablierte Privacy-Coins keine absolute Sicherheit gegen technische Angriffe bieten.