SEC prüft Tokenisierung auf öffentlichen Blockchains – Industrie fordert regulatorische Sandboxes
Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC hat ihre Untersuchungen zur Rolle öffentlicher Blockchains bei der Emission und dem Handel tokenisierter Wertpapiere intensiviert. In der vergangenen Woche führte die Crypto Task Force der SEC drei separate Sitzungen mit Nasdaq, dem Arbitrum-basierten Plume Network und der Infrastrukturinitiative Etherealize durch. Im Zentrum aller Gespräche stand eine gemeinsame Idee: die Einrichtung regulatorischer Sandboxes, in denen neue Tokenisierungskonzepte unter kontrollierten Bedingungen getestet werden können.
Die Gespräche zeigen, dass Marktteilnehmer bereit sind, sich an bestehende Regeln zu halten – sofern die Regulierungsbehörden klare Rahmenbedingungen und technische Modernisierung zulassen. Während sich die Positionen im Detail unterscheiden, einte alle Teilnehmer die Forderung nach Rechtssicherheit, technologischer Offenheit und Pilotprogrammen für neuartige Kapitalmarktinfrastrukturen.
Nasdaq: Digitale Wertpapiere sollen im etablierten System bleiben
In ihrem Gespräch vom 21. Mai betonten Führungskräfte von Nasdaq, dass tokenisierte Aktien, Anleihen und ETFs weiterhin den bestehenden Zulassungs- und Transparenzpflichten unterliegen sollten. Sie schlugen vor, ein neues Börsensegment namens „ATS-Digital“ zu schaffen. Dort könnten sowohl digitale Anlageverträge als auch Commodity-ähnliche Tokens notiert werden.
Ein zentrales Anliegen war zudem die Einführung eines gemeinsamen Safe-Harbor-Ansatzes mit der CFTC (Commodity Futures Trading Commission) für digitale Vermögenswerte, deren regulatorischer Status bislang unklar ist. Ein solcher „regulatorischer Sandbox-Raum“ würde Emittenten ermöglichen, Selbstzertifizierungen durchzuführen, kombiniert mit vereinfachten Offenlegungspflichten. Bereits im April hatte SEC-Kommissar Mark Uyeda Zustimmung für ein solches Modell signalisiert.
Nasdaq betonte, dass die Tokenisierung nicht die Integrität des bestehenden Börsenökosystems gefährden dürfe. Insbesondere müsse jede Bewegung in Richtung atomarer Abwicklung (also sofortiger Settlement ohne Intermediäre) sorgfältig mit Blick auf Liquidität und operationelle Risiken abgewogen werden.
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Einheitliche Themen: Klarheit, Modularität, technologische Offenheit
Trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen war in allen Gesprächen ein gemeinsamer Grundton zu erkennen. Die Unternehmen wünschten sich:
- klare regulatorische Taxonomien,
- modulare, anwendungsbezogene Regelwerke,
- mehrstufige Pilotprogramme mit rechtlichem Schutz.
Bemerkenswert: Keine der Firmen stellte das grundsätzliche Mandat der SEC in Frage, den Anlegerschutz sicherzustellen. Vielmehr sei es an der Zeit, dieses Mandat technologisch neu zu denken – und dabei gleichzeitig Innovation, Marktintegrität und Effizienz zu vereinen.
Die SEC nahm alle Vorschläge zur Prüfung auf. Interne Quellen deuten an, dass in kommenden Regulierungsentwürfen verstärkt Sandbox-Modelle, dedizierte Handelsplattformen für digitale Assets und modernisierte Regeln für Transferagenten diskutiert werden könnten.