Öl und Renditen drücken Bitcoin: 500 Millionen Dollar liquidiert

Christian Becker
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Christian Becker
Lead Krypto-Analyst

Christian Becker ist Finanz- und Krypto-Journalist sowie Hauptautor für Kaufanleitungen und Kursprognosen bei Coin-Update. Er analysiert Kryptowährungen anhand fundierter Markt- und Datenanalysen und bietet Lesern verlässliche Orientierung im Krypto-Markt.

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Öl und Renditen drücken Bitcoin: 500 Millionen Dollar liquidiert

Bitcoin ist am Montag, 28. September, unter die Marke von 83.000 US-Dollar gefallen und markierte im Tief 82.780 US-Dollar, bevor sich der Kurs auf rund 83.250 US-Dollar erholte. Parallel dazu wurden binnen 24 Stunden rund 500 Millionen US-Dollar an gehebelten Krypto-Positionen liquidiert, betroffen waren 129.197 Trader. Bemerkenswert daran: Der Rückgang kam nicht aus dem Kryptomarkt selbst, sondern von außen – über Öl, Anleiherenditen und einen historisch seltenen Gold-Abverkauf, während Spot-Bitcoin-ETFs erst wenige Tage zuvor mit 2,39 Milliarden US-Dollar ihre stärkste Woche seit Oktober des Vorjahres verzeichnet hatten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kurs: Bitcoin fiel unter 83.000 US-Dollar, im Tief bis 82.780 US-Dollar, mit Erholung nahe 83.250 US-Dollar.
  • Liquidationen: Rund 500 Millionen US-Dollar und 129.197 Trader innerhalb von 24 Stunden.
  • Makro: Brent-Öl kletterte nach dem gescheiterten Hormus-Vorschlag wieder über 100 US-Dollar; die Wahrscheinlichkeit einer Oktober-Zinserhöhung stieg laut CME FedWatch auf 70,3 Prozent.
  • Derivate: Bitcoin-Futures-Open-Interest sank auf 650.000 BTC, den niedrigsten Stand seit März; Funding-Raten drehten an großen Börsen negativ.
  • Marken: 82.000 und 79.500 US-Dollar gelten als die nächsten relevanten Niveaus.

Öl, Renditen und Gold als Auslöser des Rückgangs

Die Kettenreaktion begann, als US-Präsident Donald Trump am Montag Irans jüngsten Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus ablehnte. Brent-Öl reagierte mit einem Plus von 3,2 Prozent und kletterte zurück über 100 US-Dollar pro Barrel – höhere Ölpreise gelten als Treiber für hartnäckigere Inflation.

Donald Trump hält ein unterzeichnetes Dokument vor einem Podium und einer Menschenmenge mit Schildern.
Donald Trump bei einer Veranstaltung mit Unterstützern.

Der Markt preiste das umgehend ein: Laut einem USAGOLD-Marktbericht stieg die vom CME-FedWatch-Tool gemessene Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Oktober auf 70,3 Prozent, nach 64,2 Prozent am Vortag. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte über 5,2 Prozent, die 30-jährige über 5,3 Prozent.

Die steigenden Renditen erfassten auch Edelmetalle. Gold fiel am selben Tag um 3,4 Prozent, eine Bewegung, die The Kobeissi Letter als eine der seltensten Tagesabgaben der vergangenen zwei Dekaden einordnete – statistisch ein 2,9-Sigma-Ereignis. Spot-Gold sank auf 4.148,69 US-Dollar je Unze, seinen tiefsten Stand seit dem 5. August, während Silber um 4,31 Prozent auf 61,53 US-Dollar nachgab.

Derivate-Daten zeigen den Hebelabbau

Der Kryptomarkt startete in diese Woche mit reichlich Fremdkapital im System: Bitcoin hatte gerade seinen besten Wochenschluss seit Januar hinter sich, und Spot-Bitcoin-ETFs zogen zuletzt 2,39 Milliarden US-Dollar an, die stärkste Woche seit Oktober des Vorjahres. Optimismus und Leverage waren also gleichzeitig hoch, als der Boden nachgab.

Die Folge war eine klassische Leverage-Flush über den Derivatemarkt: Bitcoin-Futures-Open-Interest, der Gesamtwert offener Kontrakte, fiel auf 650.000 BTC, den niedrigsten Stand seit März. Funding-Raten drehten an großen Börsen ins Negative, 53,1 Prozent des Taker-Volumens lagen auf der Short-Seite. Altcoins wie QNT, ONDO und NEAR verloren zwischen 13 und 20 Prozent, während Binance an einem einzigen Tag den Abfluss von 13.800 BTC verzeichnete – möglicherweise, aber nicht gesichert, in Richtung langfristiger Cold-Storage-Lösungen.

Ein Candlestick-Chart mit fallenden Kursen auf einem dunklen Bildschirm
Ein Handelschart mit sinkenden Marktwerten

Analytisches Urteil: Makroschock trifft überdehnten Hebel

Die bullische Seite der Gleichung ist real: 2,39 Milliarden US-Dollar ETF-Zufluss in einer Woche sind kein Nebengeräusch, sondern der stärkste institutionelle Impuls seit fast einem Jahr. Die bearische Seite ist ebenso real: höhere Ölpreise, steigende Treasury-Renditen über 5,2 Prozent und eine auf 70,3 Prozent gestiegene Zinserhöhungswahrscheinlichkeit verschlechtern kurzfristig die Liquiditätslage für jede zinslose, spekulative Anlageklasse.

Wir bewerten die Liquidationswelle von 500 Millionen US-Dollar und 129.197 Tradern eher als Symptom eines durch Hebel verstärkten Abverkaufs im Zusammenspiel mit makroökonomischen Daten denn als Beweis, dass die strukturelle ETF-Nachfrage verschwunden wäre. Wenn ETF-Zuflüsse und Terminmarkt-Positionierung zeitlich entkoppelt sind, kann ein externer Schock den Spotmarkt kurzfristig überrollen, ohne dass sich das mittelfristige Nachfragebild ändert.

Szenarien zwischen 82.000 und 79.500 US-Dollar

Für die kommenden Handelstage lassen sich aus den im Bericht genannten Marken drei Verlaufsmuster ableiten, ohne dass eines davon als sicher gelten kann.

  • Stabilisierung: Hält Bitcoin die Zone um 82.000 US-Dollar, könnte sich der Abverkauf zunächst beruhigen, ohne dass daraus bereits eine neue Aufwärtsbewegung folgt.
  • Belastung: Ein anhaltender Bruch unter 82.000 US-Dollar würde die nächste beobachtete Marke bei 79.500 US-Dollar in den Fokus rücken und weitere Zwangsliquidationen begünstigen.
  • Erholung: Eine Rückkehr über den Bereich von 83.250 US-Dollar würde signalisieren, dass der erste Abverkauf teilweise absorbiert wurde – so wie es der unmittelbare Rebound nach dem Tief bei 82.780 US-Dollar bereits andeutete.

Risiko und Gegenargument: ETF-Nachfrage ist kein kurzfristiger Kursboden

Starke ETF-Zuflüsse haben den kurzfristigen Rückgang nicht verhindert – ein Punkt, der die Grenzen der reinen Zuflussnarrative aufzeigt. Kaufbereitschaft über regulierte Produkte und gehebelte Terminmarktpositionen können sich zeitlich entkoppeln, sodass ein Makroschock den Spotmarkt trifft, obwohl das Fondsgeschäft strukturell intakt bleibt.

Auch die Interpretation der Binance-Abflüsse von 13.800 BTC als Verlagerung in Cold Storage bleibt eine Möglichkeit unter mehreren, keine gesicherte Tatsache. Ebenso liefert der Ölkonflikt zwar den unmittelbaren Auslöser, erklärt aber nicht jede einzelne Kursbewegung mit letzter Sicherheit.

Das gelbe Logo und das Kürzel BNB von Binance vor einem dunklen Hintergrund mit Schaltkreisdesign.
Logo der Kryptowährungsbörse Binance

Ausblick: Öl, Renditen und die nächsten Marken

Entscheidend bleiben in den kommenden Tagen die Bitcoin-Marken bei 82.000 und 79.500 US-Dollar sowie die Frage, ob Brent-Öl über oder unter 100 US-Dollar verharrt. Zusätzlich verdienen die Renditen zehn- und 30-jähriger US-Staatsanleihen sowie die weitere Entwicklung der Oktober-Zinserwartungen Beachtung, da sie den Hebelabbau im Kryptomarkt direkt beeinflussen können.

Ob die ETF-Zuflüsse in den nächsten Wochen erneut anziehen oder abflachen, wird zeigen, ob der jüngste Rücksetzer eine vorübergehende, hebelgetriebene Korrektur war oder der Beginn einer breiteren Neubewertung.

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Christian Becker ist Finanz- und Krypto-Journalist sowie Hauptautor für Kaufanleitungen und Kursprognosen bei Coin-Update. Er analysiert Kryptowährungen anhand fundierter Markt- und Datenanalysen und bietet Lesern verlässliche Orientierung im Krypto-Markt.