Gefälschte SEC-Nachweise: Anleger verlieren 15,3 Millionen Dollar
Mehr als 15,3 Millionen US-Dollar sollen Anleger durch zwei über Online-Kontakte beworbene Krypto- und KI-Handelsprogramme verloren haben. Die US-Börsenaufsicht SEC verklagte am 29. September 2026 vier Unternehmen und wirft ihnen vor, Hunderte Anleger mit falschen Renditeversprechen, angeblichen KI-Handelssignalen und nicht existierenden Bots getäuscht zu haben.
SEC-Vorwurf: Zwei Programme, zwei unterschiedliche Maschen
In den Klagen nennt die Behörde Cryptoaiml Ltd., die Cryptoaiml Capital Foundation, TSAI Pro Ltd. und die TSAI Capital Foundation. Auf Cryptoaiml entfielen laut SEC mehr als 12,5 Millionen US-Dollar, auf TSAI 2,8 Millionen US-Dollar. Die Unternehmen seien wahrscheinlich von Personen im Ausland betrieben worden.
Cryptoaiml soll von mindestens August 2024 bis März 2025 in WhatsApp-Gruppen Vertrauen aufgebaut haben. Dabei hätten sich Beteiligte als Anlageexperten ausgegeben und angeblich KI-generierte Handelssignale geteilt. Anleger, die den Anweisungen folgten, überwiesen laut SEC Kryptowährungen an eine Plattform, die Gewinne anzeigte, aber keine Trades ausführte.

Als Anleger Geld abheben wollten, sollen die Verantwortlichen Konten als eingefroren bezeichnet und Vorauszahlungen verlangt haben. Auch angebliche Vermögensverwaltungsverträge hätten das Angebot seriös erscheinen lassen. Solche unerwarteten Gebührenforderungen nach einer Einzahlung sind ein deutliches Warnsignal; auch Phishing und Social Engineering im Krypto-Umfeld setzen häufig auf gefälschte Identitäten und gezielten Vertrauensaufbau.
Die TSAI-Gesellschaften sollen zwischen September 2024 und März 2025 WhatsApp, Facebook und ihre Website genutzt haben. Anlegern sei versprochen worden, sie könnten KI-Handelsbots mieten, garantierte Gewinne erzielen und durch das Anwerben weiterer Personen zusätzlich verdienen. Die SEC behauptet, die Bots hätten nicht existiert und die eingezahlten Gelder seien nicht für den Handel eingesetzt worden.
Die Vorwürfe betreffen damit zwei Varianten desselben Grundmusters: erst ein professionell wirkendes Angebot und hohe Renditeversprechen, dann die Einzahlung – und bei Cryptoaiml zusätzlich angebliche Auszahlungsgebühren. Betrugsmaschen können zudem verschiedene Krypto-Zahlungswege nutzen; Stablecoins spielen laut einer Analyse zu Krypto-Betrug und Geldflüssen ebenfalls eine Rolle.
Falsche SEC-Unterlagen sollten Seriosität vortäuschen
Beide Programme sollen sich zudem auf die Aufsicht der SEC berufen haben. Cryptoaiml zeigte laut Behörde auf seiner Website einen Screenshot eines gefälschten Form D. TSAI veröffentlichte demnach ein gefälschtes SEC-Zertifikat, das auf eine weitere gefälschte Einreichung verwies.

Ein Form D ist eine Mitteilung für bestimmte Wertpapierangebote. Eine Einreichung bedeutet jedoch nicht, dass die SEC das Angebot geprüft oder genehmigt hat – ein Unterschied, der für Anleger entscheidend ist. Die Behörde entfernte die mit Cryptoaiml Ltd. und TSAI Pro Ltd. verbundenen Formulare D von ihrer Website.
David Woodcock, Leiter der Durchsetzungsabteilung der SEC, erklärte, beide Fälle hätten trotz unterschiedlicher Methoden auf dasselbe Ziel gesetzt: überdurchschnittliche Renditen versprechen, eine SEC-Regulierung vortäuschen und anschließend das Geld der Anleger nehmen. Die Behörde empfiehlt, den Hintergrund von Personen und Firmen zu prüfen, die Investments anbieten.
Gruppenchats: Renditeversprechen bleiben das zentrale Warnsignal
Die SEC warnt in einem eigenen Hinweis vor Anlagebetrug in Gruppenchats und beschreibt, wie sich angebliche Fachleute und Unternehmen überprüfen lassen. Die North American Securities Administrators Association warnte bereits im März 2025 vor Angeboten, die WhatsApp-Gruppen, angeblich proprietäre Technologie und Renditeversprechen kombinieren. Auch Behörden im Bundesstaat New York hätten vor gefälschten Krypto-Projekten und KI-Anlageangeboten gewarnt.
Für Privatanleger ist nicht das Etikett „KI“ entscheidend, sondern ob Handelsaktivität, Verwahrung und Auszahlungen nachvollziehbar belegt sind. Garantierte Gewinne, nicht unabhängig überprüfbare Signale und zusätzliche Zahlungen zur Freigabe eines Guthabens sprechen gegen ein belastbares Investment. Die Risiken für Privatanleger und der mögliche Verlust des eingesetzten Kapitals werden bei solchen Angeboten oft durch vermeintliche Behördennachweise gezielt in den Hintergrund gedrängt.