US-Tech-Aktien unter Druck – KI-Investitionen, Chip-Schwäche und Bitcoin im Abwärtstrend
Die US-Technologiewerte haben am Freitag spürbar nachgegeben. Der Nasdaq Composite verlor 1,2 % und schloss damit eine Woche ab, in der der technologiegetriebene Index Mühe hatte, seine zuletzt erreichten Hochs zu halten. Hauptgrund waren Sorgen über die rasante Investitionswelle in Künstliche Intelligenz (KI) sowie eine Reihe enttäuschender Quartalsberichte aus der Halbleiterbranche.
Chipsektor im Fokus
Besonders hart traf es die Aktien von Marvell Technology, die um fast 19 % einbrachen, nachdem das Unternehmen schwächere Umsätze im Bereich Rechenzentren meldete. Analysten von Bank of America reagierten prompt und stuften die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ herunter.
Auch Branchenprimus Nvidia kam unter Druck: Die Aktie fiel am Freitag um 3,3 % und verlor damit auf Wochensicht 2,1 % – der deutlichste Wochenrückgang seit Mai. Grund sind anhaltende Unsicherheiten beim Absatz nach China, da die US-Exportbeschränkungen die Verkäufe von KI-Chips wie der H20-Serie belasten.
In der Folge rutschte der Philadelphia Semiconductor Index auf das niedrigste Niveau seit Mitte April.
Überhitzung bei Tech und Unsicherheit durch China
Während Investoren in den vergangenen Monaten Milliarden in den Aufbau von KI-Rechenzentren gesteckt haben, bleiben die tatsächlich erzielten Umsätze noch vergleichsweise bescheiden. Laut Morgan Stanley brachten die generativen KI-Produkte von Amazon, Microsoft und Google zusammen im vergangenen Jahr etwa 45 Mrd. US-Dollar ein – eine Summe, die im Verhältnis zu den getätigten Investitionen gering wirkt.
Marvell leidet zusätzlich unter Handelskonflikten und schwachen Wachstumsperspektiven. Die Aktie hat seit Jahresbeginn über 40 % verloren – ein scharfer Kontrast zum KI-Hype, der sie 2024 noch beflügelt hatte.
Nvidia wartet derweil auf eine Entscheidung der US-Regierung über mögliche Chipexporte nach China. Zugleich setzen chinesische Behörden auf lokale Alternativen: Der Chipdesigner Cambricon meldete Rekordgewinne und technologische Fortschritte, die ihn näher an Nvidias Leistungsniveau bringen. Auch das US-Unternehmen Super Micro Computer, ein wichtiger Zulieferer in Nvidias Kette, sah sich mit internen Rechnungslegungsproblemen konfrontiert und verlor 5,5 %.
Abkühlung auch bei Bitcoin
Parallel zur Schwäche an den Tech-Märkten geriet auch Bitcoin erneut unter Druck. Die Kryptowährung rutschte am Samstag unter die Marke von 109.000 US-Dollar und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Juli. Auf Wochensicht ergibt sich ein Minus von rund 7 %.
Analysten machen eine Kombination aus anhaltender Unsicherheit über die US-Geldpolitik, hartnäckiger Inflation und schwächeren Arbeitsmarktdaten für die Verkäufe verantwortlich. In einem Umfeld, in dem Anleger Risiko meiden, werden sowohl hoch bewertete Tech-Aktien als auch Kryptowährungen schnell zum Ziel von Gewinnmitnahmen.