Michigan reaktiviert Gesetzesvorstoß für staatliche Krypto-Reserven
In Michigan ist ein lange ruhender Gesetzentwurf zur staatlichen Investition in Kryptowährungen überraschend wieder auf die politische Agenda gerückt. Am 18. September 2025 wurde das House Bill 4087 (HB 4087) – auch bekannt als Management and Budget Act – nach über sieben Monaten Stillstand zur zweiten Lesung freigegeben und an den House Committee on Government Operations verwiesen.
Das Gesetz, eingebracht von den republikanischen Abgeordneten Bryan Posthumus und Ron Robinson, sieht die Einrichtung einer sogenannten „strategischen Krypto-Reserve“ vor. Damit würde Michigan in eine kleine, aber wachsende Gruppe von US-Bundesstaaten eintreten, die offiziell staatliche Bitcoin- und Krypto-Bestände aufbauen.
Kerninhalte des Entwurfs
Der Gesetzestext erlaubt es dem Staatsschatzmeister, bis zu 10 % der Mittel aus drei zentralen Fonds – dem allgemeinen Haushaltstopf, dem konjunkturausgleichenden Budgetfonds sowie dem wirtschaftlichen Stabilisierungsfonds – in digitale Vermögenswerte zu investieren.
- Verwahrung & Sicherheit: Die Reserve dürfte ausschließlich über qualifizierte Verwahrstellen, sichere Storage-Anbieter oder börsengehandelte Produkte (ETPs) gehalten werden.
- Ertragsmöglichkeiten: Das Gesetz gestattet auch das Verleihen von digitalen Assets, sofern dies „kein finanzielles Risiko“ birgt – ein Hinweis auf mögliche Rendite-Generierung durch institutionelle Lending-Plattformen oder regulierte DeFi-Strukturen.
- Risikobegrenzung: Die Obergrenze von 10 % signalisiert, dass es sich nicht um eine aggressive Spekulationsstrategie handelt, sondern um eine staatliche Diversifizierungsmöglichkeit zur Absicherung gegen wirtschaftliche Abschwünge.
Politische Bedeutung und Vergleich mit anderen Staaten
HB 4087 hatte im Februar 2025 stagniert, weshalb viele Marktteilnehmer von einem Scheitern ausgingen. Die nun erfolgte Wiederaufnahme zeigt jedoch, dass Michigan stärker als erwartet auf digitale Assets setzt.
Sollte das Gesetz verabschiedet und vom Gouverneur unterzeichnet werden, würde Michigan zum vierten US-Bundesstaat mit offizieller Krypto-Reserve – neben Texas, Arizona und New Hampshire. Daten aus dem Bitcoin Reserve Laws Tracker zeigen, dass Michigan derzeit auf Rang sechs der Bundesstaaten mit ähnlichen Initiativen liegt, was die schrittweise Ausweitung von Bitcoin-Strategien auf staatlicher Ebene bestätigt.
Die Dynamik fällt in eine Zeit, in der auch der Bund neue Signale setzt: Anfang September brachte das US-Repräsentantenhaus ein Gesetz ein, das das Finanzministerium auffordert, die Einrichtung einer nationalen Bitcoin- und Krypto-Reserve zu prüfen. Unter der Regierung von Donald Trump hat das Thema somit erheblich an Fahrt aufgenommen – Michigan reiht sich also in eine breitere politische Bewegung ein.
Ausblick: Chancen und Risiken
Die konkrete Umsetzung wird entscheidend sein. Kritiker könnten Fragen zu Volatilität, Verwahrungssicherheit und rechtlichen Rahmenbedingungen stellen. Befürworter wiederum betonen, dass Kryptowährungen – insbesondere Bitcoin – zunehmend als Absicherungsinstrument gegen Inflation und Finanzkrisen verstanden werden.
Ob HB 4087 tatsächlich Gesetz wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Wiederaufnahme des Vorstoßes macht Michigan zu einem wichtigen Testfall für staatliche Krypto-Reserven in den USA. Sollte das Parlament zustimmen, wäre dies ein weiterer Schritt hin zu einer institutionellen Verankerung von Bitcoin und Co. im staatlichen Finanzsystem.