Michael Saylor setzt auf Perpetual Preferred Stock – ein radikales Finanzmodell für Bitcoin

Patrik
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Patrik
Marktanalyst & Redakteur

Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.

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Michael Saylor setzt auf Perpetual Preferred Stock – ein radikales Finanzmodell für Bitcoin

Michael Saylor, Chairman von Strategy (ehemals MicroStrategy), hat in den letzten vier Jahren eine beispiellose Finanzierungsoffensive gestartet, um die größte Unternehmens-Bitcoin-Reserve der Welt aufzubauen. Mit Hilfe von Aktienemissionen und Wandelanleihen konnte die Firma bereits rund 75 Milliarden US-Dollar in BTC umwandeln. Nun wagt Saylor den nächsten Schritt: die Einführung von Perpetual Preferred Stock, von ihm als „Stretch“ bezeichnet.

Diese Papiere unterscheiden sich fundamental von bisherigen Finanzierungsinstrumenten. Sie laufen unbegrenzt, haben keine Fälligkeit und erlauben sogar die Stundung von Dividendenzahlungen. Für das Unternehmen bedeutet das maximale Flexibilität – für Investoren dagegen eine riskante Konstruktion, die sowohl Chancen als auch Unsicherheit mit sich bringt.

Der "Bitcoin Credit Model-Ansatz"

Saylor selbst beschreibt die Einführung der Stretch-Papiere als „BTC Credit Model“: Bitcoin soll nicht nur als Vermögenswert im Treasury liegen, sondern als Basis für eine neue Form von Kredit- und Einkommensstruktur dienen. Die Stretch-Aktien sind so konzipiert, dass sie keine Stimmrechte enthalten und variable Dividenden ausschütten – also weder klassisches Eigenkapital noch typische Anleihen darstellen.

Laut Bloomberg plant Strategy, in den nächsten vier Jahren bestehende Wandelanleihen zurückzuführen, die Ausgabe neuer Stammaktien zu reduzieren und das Schwergewicht stattdessen auf diese perpetual preferreds zu verlagern. Saylor hält es für realistisch, dass sich mit diesem Modell langfristig 100 bis 200 Milliarden Dollar an Kapital einsammeln lassen – vorausgesetzt, die Nachfrage bleibt hoch.

Rekordvolumen und Anlegerstruktur

Allein in diesem Jahr hat Strategy bereits rund 6 Milliarden US-Dollar durch vier solcher Angebote eingeworben, zuletzt in einem Einzeltranche von 2,5 Milliarden Dollar – eine der größten Kapitalaufnahmen im Krypto-Sektor 2025. Auffällig ist, dass diese Papiere vor allem bei Privatanlegern platziert werden. Wie Bank-of-America-Analyst Michael Youngworth betont, ist dies ungewöhnlich, da der Markt für Unternehmens-Vorzugsaktien normalerweise von Investment-Grade-Institutionen dominiert wird.

Mit dem Schritt öffnet Saylor ein neues Finanzierungsfenster für Retail-Investoren, die bisher weitgehend von Wandelanleihen ausgeschlossen waren. Für ihn ist das ein strategischer Vorteil, um die Kapitalbasis breiter und robuster aufzustellen.

Hohe Rendite, hohes Risiko

Kritisch wird jedoch gesehen, dass die "perpetual preferreds" mit hohen Renditen ausgestattet sind – typischerweise 8 bis 10 Prozent. Diese Zahlungsverpflichtungen könnten im Falle eines Markteinbruchs zur Belastung werden, da Bitcoin selbst keine laufenden Cashflows generiert. Die Finanzierung hängt somit vollständig von Kurssteigerungen und Marktnachfrage ab.

Short-Seller wie Jim Chanos bezeichneten das Modell bereits als „verrückt“, da die Dividenden nicht kumulativ sind und das Unternehmen nach eigenem Ermessen Zahlungen verschieben kann. Für institutionelle Anleger sei das ein schwer kalkulierbares Risiko.

Lehren aus der „Krypto-Winter“-Krise

CEO Phong Le verteidigt die Neuausrichtung als notwendige Anpassung nach den Erfahrungen von 2022, als Strategy trotz hoher Verschuldung die extremen Marktverluste überstehen musste. Mit einer stärkeren Ausrichtung auf bevorzugte Aktien wolle man eine resilientere Kapitalstruktur schaffen, die weniger anfällig für Marktstress sei.

Dennoch bleibt die Frage, wie tragfähig das Modell langfristig ist. Während steigende Bitcoin-Preise die Dividendenzahlungen leicht tragen können, wird ein Bärenmarkt schnell zur Belastungsprobe.

Die Stretch-Struktur ist damit ein zweischneidiges Schwert: einerseits ein innovatives Finanzierungsmodell, das Bitcoin tiefer in die Kapitalmärkte integriert, andererseits ein hochriskanter Mechanismus, der in Krisenzeiten schnell an seine Grenzen stoßen könnte.

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Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.