Gewagte Aussage: Justin Bons erklärt, warum Solana angeblich sicherer ist als Bitcoin
Der Streit um die Sicherheitsarchitektur von Blockchains hat neuen Zündstoff bekommen: Justin Bons, Gründer und CIO des Amsterdamer Krypto-Fonds Cyber Capital, hat in einem ausführlichen Beitrag auf X am 13. August behauptet, dass Solana nach seinen Berechnungen heute wirtschaftlich sicherer sei als Bitcoin – und nur noch von Ethereum übertroffen werde. Sein Fazit: Proof-of-Stake (PoS) biete „mehrere Größenordnungen“ höhere Sicherheit als Proof-of-Work (PoW).
Sicherheitsranking: Ethereum vor Solana, Bitcoin nur Platz drei
Bons’ Modell basiert auf einer Kennzahl, die er als jährliches „Sicherheitsbudget“ bezeichnet – also den theoretischen Kosten, um ein Netzwerk zu kompromittieren.
- Für PoW-Chains wie Bitcoin setzt er die Kosten für einen 51%-Angriff aus den jährlichen Miner-Einnahmen (Blocksubvention + Gebühren) ins Verhältnis zum Angriffsschwellenwert (51%).
- Für PoS-Chains wie Ethereum und Solana berechnet er Marktwert + Gebühren + Inflation, geteilt durch den Anteil der gestakten Tokens und erneut geteilt durch die Angriffsschwelle (33%).
Sein Ergebnis zum Zeitpunkt der Analyse:
- Ethereum: 52,2 Mrd. USD Sicherheitsbudget (≈ 10 % der Marktkapitalisierung)
- Solana: 24,1 Mrd. USD (≈ 23 %)
- Bitcoin: 9,7 Mrd. USD (≈ 0,4 %)
Bons’ zentrale Argumentation: In PoS-Systemen steigen die Angriffskosten mit der Marktkapitalisierung, während PoW auf externe, schwankende Kosten (Hardware, Strom) angewiesen ist, die im Miner-Ertrag reflektiert werden.
Yearly economic security measured for the top 10 cryptocurrencies by market capitalization: 🧵
BTC = $9.7B (0.4%)
ETH = $52.2B (10%)
XRP = $0.0B (0%)
BNB = $0.0B (0%)
SOL = $24.1B (23%)
DOGE = $0.1B (0.2%)
TRX = $5.2B (15%)
ADA = $5.8B (20%)
SUI = $3.9B (27%)
HBAR = $0.0B (0%)…— Justin Bons (@Justin_Bons) August 12, 2025
Kritik an PoW – und harte Worte zu XRP, BNB & HBAR
Bons bezeichnet PoW in puncto Sicherheit als „unterlegene Technologie“ und behauptet, dass selbst mit deutlich kleinerer Marktkapitalisierung PoS-Netzwerke derzeit eine höhere Sicherheit aufweisen.
Netzwerke wie XRP, BNB oder HBAR stuft er hingegen auf „null“ in seiner Skala ein, da sie auf Proof-of-Authority oder ähnlichen konsensorientierten Governance-Mechanismen beruhen, die laut ihm keine ökonomische Sicherheit im klassischen Sinne bieten.
Die Resonanz auf Bons’ Thread fiel gemischt aus. Kritiker monieren, dass sein Modell Marktkapitalisierung als sofort verfügbares Angriffskapital behandelt – ein unrealistisches Szenario, da Kaufdruck den Preis treiben und Liquiditäts- wie Governance-Barrieren greifen würden. Studien wie die von BitMEX Research 2024 kamen zu dem Schluss, dass standardisierte Annahmen den Abstand zwischen PoW- und PoS-Sicherheitskosten deutlich verringern.
Auch der Einwand, dass Marktpreise und Staking-Quoten hochvolatil sind, relativiert Bons’ statische Momentaufnahme. Zudem verweisen Gegner darauf, dass Sicherheitsarchitektur mehr umfasst als reine „Kosten zum Angriff“ – etwa Client-Diversität, Social Recovery, Slashing-Mechanismen oder Reaktionsfähigkeit der Community.
Kontext: Bitcoin und das sinkende Sicherheitsbudget
Bons’ Aussagen fallen in eine Phase, in der die Sicherheitsfinanzierung von Bitcoin zunehmend diskutiert wird. Nach der Halving-Reduktion im April 2024 sind die Blocksubventionen gesunken, während die Transaktionsgebühren auf Mehrjahrestiefs gefallen sind. Kritiker wie Ethereum-Forscher Justin Drake warnen vor einem langfristigen Rückgang der Anreize, das Netzwerk abzusichern – eine Sicht, die in der Bitcoin-Community umstritten ist.
Bons prognostiziert, dass Bitcoins relative Sicherheitsposition weiter schwinden wird, solange keine strukturellen Änderungen bei Gebühreneinnahmen oder Netzwerk-Nutzen erfolgen – und dass sich die Marktmeinung zugunsten von PoS verschieben wird, „wenn das Wissen in der Branche wächst“.
Unabhängig davon, ob Bons’ Modell als belastbare Messlatte taugt, zeigt die Debatte vor allem eines: Es gibt keinen allgemein akzeptierten Standard, um die Sicherheit verschiedener Blockchain-Modelle objektiv und vergleichbar zu bewerten. Genau deshalb dürfte sein Ranking – Solana vor Bitcoin – noch lange für Streitstoff sorgen.