Diskussionen in der XRP-Community? Streit um Ripple und neue 300-Millionen-Dollar-Struktur

Patrik
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Marktanalyst & Redakteur

Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.

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Diskussionen in der XRP-Community? Streit um Ripple und neue 300-Millionen-Dollar-Struktur

Ein neuer Bericht des Krypto-Analysten Darkhorse sorgt derzeit für Diskussionen in der XRP-Community. Der Vorwurf: Ripple Labs könnte eine Gerichtsverfügung zur Einschränkung des XRP-Vertriebs an institutionelle Investoren umgehen, und zwar durch ein neu eingerichtetes XRP-Treasury-Programm im Volumen von 300 Millionen US-Dollar. Dieses soll in Kooperation mit dem asiatischen Mobilitätsunternehmen Webus International Ltd. entstehen – und über einen US-regulierten Investmentverwalter laufen.

Darkhorse nennt das Modell in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter) vom 4. Juni „nicht nur clever, sondern regelkonform von Anfang an“. Er behauptet, Ripple nutze „die letzte Schlupflücke, die das Gericht gelassen hat“, um XRP auf legale Weise über regulierte Finanzvermittler weiterzugeben – ohne direkt an Investoren zu verkaufen, was durch eine bestehende Gerichtsentscheidung untersagt ist.

Das Modell: Webus, Samara Alpha und SEC-Transparenz

Im Zentrum steht ein Formular 6-K, das Webus bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat. Darin kündigt das Unternehmen ein XRP-Treasury-Programm an, das von der registrierten Investmentfirma Samara Alpha verwaltet werden soll. Diese soll im Auftrag von Webus bis zu 300 Millionen US-Dollar in XRP verwalten – unter einer mehrstufigen und regulierten Struktur.

Zwar wird in dem Dokument nicht explizit angegeben, woher die XRP stammen. Darkhorse geht jedoch davon aus, dass Ripple die Token an Samara verkauft – nicht direkt an Webus. Samara fungiere als regulierter Mittelsmann, was Ripple erlaube, die gerichtliche Auflage zu umgehen, laut der kein direkter Verkauf an institutionelle Investoren ohne SEC-Zulassung erfolgen darf.

„Ripple verkauft nicht direkt – sondern an einen SEC-registrierten Vermittler, der die Tokens im Rahmen eines genehmigten Treasury-Programms weitergibt“, schreibt Darkhorse. „Das ist keine Grauzone. Es ist regelkonforme Distanz.“


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Kritik und Gegenrede: "Das ist keine Umgehung, sondern Marktanpassung"

Nicht alle sehen das so. Der bekannte XRP-Kommentator Jay Nisbett widersprach der Darstellung heftig:

„Das ist keine clevere Umgehung, sondern ganz normale Adoption. Webus ist kein Ripple-Partner – sie kaufen XRP wie jeder andere Teilnehmer auf dem Sekundärmarkt.“

Außerdem, so Nisbett, sei XRP in diesem Kontext kein Wertpapier, was die ganze Diskussion überflüssig mache. Das Halten von XRP auf der Unternehmensbilanz sei rechtlich unproblematisch und stelle keinen Wertpapierverkauf dar.

Doch Darkhorse widersprach ausführlich in vier Punkten:

  1. Das Treasury-Programm sei kein normaler Kauf. Webus habe die Struktur öffentlich gemeldet und die Verwaltung einem SEC-registrierten Unternehmen übertragen – das spreche für ein formales, reguliertes Vorhaben und nicht für spontane Marktaktivität.
  2. Ripple nutze damit einen erlaubten Umweg. Der direkte Verkauf sei verboten, nicht aber der Verkauf an Intermediäre wie Samara, die dann als Brücke zum institutionellen Kunden fungieren.
  3. Webus und Ripple hätten sehr wohl historische Verbindungen. Darkhorse verweist auf alte RippleNet-Korridore und Pilotprojekte im asiatischen Raum, die eine Verbindung zwischen beiden Unternehmen nahelegen – auch wenn sie nie offiziell gemacht wurde.
  4. Das Halten von XRP sei in diesem Fall aktiv, nicht passiv. Es handle sich nicht um bloßes "Halten auf der Bilanz", sondern um ein aktiv verwaltetes Treasury mit Zielsetzung und operativer Ausführung – was andere rechtliche Maßstäbe erfordere.

Rechtlich sauber oder Umgehung durch die Hintertür?

Die Debatte ist juristisch hochbrisant. Ripple unterliegt seit 2024 einer dauerhaften einstweiligen Verfügung, die den direkten institutionellen Verkauf von XRP verbietet – es sei denn, die Tokens sind vorher als Wertpapier bei der SEC registriert worden.

Die SEC selbst hat sich bislang nicht zu dem Modell mit Webus und Samara geäußert. Kürzlich hat das Gericht jedoch einen Antrag von Ripple auf Aufhebung der Verfügung abgelehnt – mit der Begründung, dass dieser „verfahrenstechnisch unzulässig“ sei.

Das bedeutet: Solange die Verfügung in Kraft ist, darf Ripple keine institutionellen Verkäufe tätigen – außer über indirekte, regulierte Wege. Und genau das scheint nun der Fall zu sein.

Darkhorse sieht in der neuen Struktur ein Musterbeispiel für regelkonformes, strategisches Handeln: keine illegalen Direktverkäufe, sondern sauber strukturierte Finanzflüsse über regulierte Intermediäre. Kritiker wie Nisbett sehen dagegen nur einen normalen Marktmechanismus in einem sich entwickelnden Rechtsrahmen.

Unklar ist, ob sich die US-Börsenaufsicht SEC oder das Gericht in naher Zukunft zu dieser Konstruktion äußern werden. Sollte das Modell jedoch Schule machen, könnten auch andere Krypto-Unternehmen ähnliche Wege wählen – zwischen regulatorischer Akzeptanz und strategischer Flexibilität.

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Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.