BtcTurk-Hack: 48 Millionen US-Dollar entwendet – Hot Wallets im Visier eines großangelegten Angriffs
Die türkische Kryptobörse BtcTurk – mit mehr als fünf Millionen registrierten Nutzern eine der größten Handelsplattformen der Türkei – ist erneut Ziel eines massiven Cyberangriffs geworden. Nach Angaben des Blockchain-Sicherheitsunternehmens Cyvers erbeuteten die Angreifer digitale Vermögenswerte im Wert von rund 48 Millionen US-Dollar, die anschließend über ein komplexes Netzwerk von Blockchains verteilt wurden.
Angriff über mehrere Blockchains – professionelles Vorgehen
Der Vorfall ereignete sich am 14. August 2025. Laut Cyvers wurden die gestohlenen Assets unmittelbar nach dem Angriff über Ethereum, Avalanche, Arbitrum, Base, Optimism, Mantle und Polygon verschoben. Dieses Vorgehen – das schnelle Verteilen auf verschiedene Chains – erschwert die Rückverfolgung und deutet auf ein gut organisiertes, technisch versiertes Angreiferteam hin.
🚨ALERT🚨$48M worth of digital assets have been detected in unusual activity across multiple chains involving Turkish exchange @btcturk
About 30 minutes ago, our system detected multiple alerts across $ETH, $AVAX, $ARB, $BASE, $OP, $MANTLE, and $MATIC networks. Most funds were… pic.twitter.com/ss4a7O2hUd
— 🚨 Cyvers Alerts 🚨 (@CyversAlerts) August 14, 2025
Cyvers zufolge konzentrierte sich der größte Teil der Beute auf zwei Hauptadressen, von denen aus der Angreifer bereits damit begonnen hat, die Tokens über DeFi-Swaps in andere Vermögenswerte zu konvertieren. Dieser Schritt dient mutmaßlich dazu, die Herkunft der Gelder zu verschleiern und das Risiko einer Rückholung zu minimieren.
BtcTurk bestätigt Angriff – Ein- und Auszahlungen gestoppt
BtcTurk reagierte noch am selben Tag mit einer öffentlichen Erklärung auf X (vormals Twitter):
„Während interner Überprüfungen am 14. August 2025 wurde ungewöhnliche Aktivität in unseren Hot Wallets festgestellt. Als Vorsichtsmaßnahme wurden sämtliche Ein- und Auszahlungen von Kryptowährungen vorübergehend ausgesetzt. Diese Dienste werden reaktiviert, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind.“
Die Börse betonte in ihrer Stellungnahme:
- Nur Hot Wallets sind betroffen, Cold Wallets bleiben unangetastet.
- Kundengelder seien nicht gefährdet, da der Großteil der Bestände in sicheren Cold-Wallets verwahrt wird.
- Handelspaar-Transaktionen sowie Türkische-Lira-Ein- und Auszahlungen laufen ohne Unterbrechung weiter.
Parallel dazu wurden türkische Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet, und externe Cybersicherheitsexperten arbeiten eng mit dem internen Sicherheitsteam zusammen, um den Angriff zu analysieren, die Infrastruktur zu sichern und Möglichkeiten zur Verfolgung der gestohlenen Gelder zu prüfen.
Wiederholter Angriff – Rückblick auf den Hack 2024
Besonders brisant: Dies ist bereits der zweite große Sicherheitsvorfall innerhalb von rund zwölf Monaten. Im Jahr 2024 wurden ebenfalls Hot Wallets von BtcTurk kompromittiert, damals mit einem Schaden von über 55 Millionen US-Dollar. Auch damals blieb die Cold-Wallet-Infrastruktur intakt, was den Verdacht erhärtet, dass Hot Wallets als ständiger Schwachpunkt im Sicherheitsmodell der Börse gelten.
Im Fall von 2024 waren zehn verschiedene Kryptowährungen betroffen, und BtcTurk führte damals ähnlich wie jetzt eine sofortige Aussetzung aller Ein- und Auszahlungen durch. Zwar hatte man danach die Sicherheitsmaßnahmen nach eigenen Angaben verschärft, doch der aktuelle Vorfall wirft Fragen auf, ob die Hot-Wallet-Architektur ausreichend gehärtet wurde.
Zentrale Kryptobörsen im Fadenkreuz – globale Angriffswelle 2025
Der Angriff reiht sich in eine Serie schwerer Hacks gegen zentralisierte Kryptobörsen (CEX) im Jahr 2025 ein:
- Bybit verlor Anfang des Jahres Ethereum im Wert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar – einer der größten Einzelvorfälle der Branche.
- CoinDCX in Indien meldete kürzlich Verluste von mehr als 44 Millionen US-Dollar
Hot Wallets sind ein attraktives Ziel, da sie – im Gegensatz zu Cold Wallets – online und damit ständig angreifbar sind. Sie dienen als Liquiditäts-Puffer für den täglichen Handel und schnelle Auszahlungen. Doch genau diese ständige Verbindung zum Internet macht sie zur Eintrittspforte für Angriffe.
Sicherheitsforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass viele Börsen trotz Multi-Signature-Mechanismen und automatischer Limits beim Transfer aus Hot Wallets nicht ausreichend gegen koordinierte Angriffe gewappnet sind – besonders, wenn Social Engineering, Insider-Zugriff oder Zero-Day-Exploits im Spiel sind.
Ausblick – Was BtcTurk jetzt erwartet
Für BtcTurk steht nun eine umfassende forensische Analyse an, um den genauen Angriffsvektor zu identifizieren. Parallel dürfte die Börse den Einsatz von Chain-Analytics-Tools wie Chainalysis oder TRM Labs intensivieren, um die Spur der gestohlenen Gelder zu verfolgen.
Gleichzeitig muss das Vertrauen der Nutzer gesichert werden – ein kritischer Faktor, da wiederholte Sicherheitsvorfälle erfahrungsgemäß zu massiven Abwanderungen von Kunden führen können. Selbst wenn Kundengelder vollständig gesichert sind, wirkt der Reputationsschaden in der Branche oft langfristig.
Der Vorfall verdeutlicht erneut: In einer Zeit, in der DeFi-Protokolle zunehmend komplexe Sicherheitsarchitekturen nutzen, bleiben viele zentrale Handelsplattformen beim Hot-Wallet-Schutz verwundbar – und Hacker wissen das auszunutzen.