Zondacrypto-Ermittlungen: Olympia-Chef Piesiewicz festgenommen
Radosław Piesiewicz, Chef des polnischen Olympischen Komitees, ist wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen worden. Die Festnahme stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen zur Kryptobörse Zondacrypto, teilte Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Jurek am 27. August 2026 auf X mit. Piesiewicz bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.
Vorwurf: Uhr für 40.000 Euro und politische Einflussnahme
Das mittlerweile bankrotte Unternehmen Zondacrypto war Sponsor des polnischen Olympischen Komitees. Medienberichten zufolge soll der Betreiber der Kryptobörse Piesiewicz eine Uhr im Wert von 40.000 Euro geschenkt haben. Im Gegenzug soll sich der Olympia-Chef beim Vorsitzenden der Wettbewerbsbehörde sowie bei Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki für den Unternehmer eingesetzt haben.
Piesiewicz weist die Vorwürfe zurück und gibt an, die Uhr in Raten bar bezahlt zu haben. Vor seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in Kattowitz erklärte er, sich als Opfer zu sehen, und verwies auf politische Motive hinter den Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Geldwäsche; der Schaden wird auf mindestens 80 Millionen Euro geschätzt.

Vize-Regierungschef Krzysztof Gawkowski bezeichnete den Fall als gigantische Affäre und kündigte weitere Festnahmen an. Er erklärte zudem, es gebe einen Kronzeugen. Nach Medienberichten soll es sich dabei um Zondacrypto-Chef Przemysław Kral handeln.
Politische Dimension: PiS-Nähe und Regulierung
Der Fall reicht über Piesiewicz hinaus. Verbindungen des Unternehmens zu mehreren Politikern der früheren Regierungspartei PiS stehen im Fokus der Ermittlungen. Dabei geht es laut Bericht um Gelder für eine Stiftung des Ex-Justizministers Zbigniew Ziobro sowie um das Sponsoring für die rechtskonservative amerikanische CPAC-Konferenz in Rzeszów im polnischen Präsidentenwahlkampf.
Das Mitte-links-Bündnis von Ministerpräsident Donald Tusk wirft der früheren PiS-Regierung und dem ihr nahestehenden Präsidenten Karol Nawrocki vor, die Regulierung des Kryptowährungsmarkts aus eigenem Interesse blockiert zu haben. Nawrocki hat bereits dreimal Gesetzentwürfe per Veto gestoppt, die Ordnung in den polnischen Kryptomarkt bringen sollten.

Zondacrypto wurde ursprünglich von einem polnischen Geschäftsmann gegründet, um Kleinanlegern Investitionen in Kryptowährungen zu ermöglichen. Der Gründer verschwand 2022 unter dubiosen Umständen. Sein Nachfolger Przemysław Kral lebte zunächst in Monaco und soll sich später nach Israel abgesetzt haben. Zuvor hatte Zondacrypto im April Liquiditätsprobleme angemeldet; kurz darauf mehrten sich Berichte über Schwierigkeiten von Anlegern bei Auszahlungen.
Ermittlungen weiten sich aus
Die Ermittlungen um Zondacrypto werden ausgeweitet. Die Behörden prüfen unter anderem, ob das Unternehmen gegen geltendes Recht verstieß, als es verschiedene Aktivitäten der polnischen Rechten finanzierte.
Gawkowski hat weitere Festnahmen angekündigt. Die Festnahme von Piesiewicz steht im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen um Zondacrypto.