Circle-Aktie: Bernstein sieht 59 Prozent Kurspotenzial
Ist die jüngste Erholung der Circle-Aktie schon eingepreist oder steht der eigentliche Kursschub erst noch bevor? Bernstein beantwortet diese Frage bullisch: Das Analystenhaus bestätigt sein Outperform-Rating und ein Kursziel von 140 US-Dollar für Circle Internet Group – unabhängig davon, ob der CLARITY Act im September durch den US-Senat kommt.
Aktueller Kurs: CRCL nach Freitagsschluss deutlich unter dem Ziel
Circle-Aktien (CRCL) schlossen am Freitag bei 87,98 US-Dollar, nachdem das Papier bereits am 21. August um mehr als 5 Prozent zugelegt hatte, wie Daten von Yahoo Finance zeigen. Bernsteins 140-Dollar-Marke impliziert damit ein Aufwärtspotenzial von rund 59 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Zur Einordnung: Das Ziel liegt weiterhin unter der früheren 190-Dollar-Marke, die Bernstein Anfang des Jahres ausgegeben hatte. Die Korrektur nach unten ändert jedoch nichts an der grundsätzlich positiven Ausrichtung des Analystenteams um Gautam Chhugani.
USDC-Wachstum als Fundament der neuen These
Nach fast sechs Monaten weitgehender Stagnation ist das USDC-Angebot laut Bernstein in der vergangenen Woche um etwa 1,7 Milliarden Dollar gewachsen. Diese Trendwende stützt die These, dass USDC zunehmend als Sicherheiten-Asset über DeFi, tokenisierte Aktien, Prognosemärkte und Perpetual Futures auf reale Vermögenswerte hinweg gebraucht wird.

Bernstein beziffert das adjustierte Transaktionsvolumen – bereinigt um Bots und Hochfrequenzaktivität – für 2025 auf rund 11 Billionen Dollar und sieht es bis Juli 2026 auf eine annualisierte Rate von etwa 17 Billionen Dollar zusteuern, ein Plus von rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Circle soll dabei etwa 80 Prozent des DEX-Handels- und Finanzvolumens über seinen Stablecoin abwickeln.
Bernsteins Blick: Wachstum losgelöst von der Gesetzgebung
Chhuganis Team verweist zudem auf Circles Agent Stack, über das laut Unternehmensangaben mittlerweile mehr als 900 kostenpflichtige Dienste laufen; 99,3 Prozent des über das x402-Protokoll abgewickelten Agentenzahlungsvolumens erfolgen in USDC. Damit erschließt sich eine Nachfragequelle, die außerhalb des klassischen Krypto-Handels liegt.
Die Bernstein-Analysten erklärten laut The Block, dass dieser Wachstumszyklus nicht von einer Verabschiedung des CLARITY Act in der September-Sitzung abhänge. Sollte der Senat die Vorlage am 15. September nicht unterstützen, rechnet Bernstein mit einer stärkeren regulatorischen Rolle von SEC und CFTC.
Bull- und Bear-Szenario
- Bull-Szenario: Das USDC-Angebotswachstum setzt sich fort, institutionelle Anbindungen über Standard Chartered, Fireblocks und BNY skalieren weiter, und Agentenzahlungen liefern zusätzliches Transaktionsvolumen. In diesem Fall bleibt das 140-Dollar-Ziel nach Einschätzung von Bernstein erreichbar, selbst ohne CLARITY-Act-Passage.
- Bear-Szenario: Konkurrenzmodelle wie Open USD, das Teile der Reserve-Erträge an teilnehmende Unternehmen weitergibt, drücken auf Circles Margen. Mizuho hatte die Aktie im Juli auf Underperform mit einem Kursziel von nur 50 Dollar gesenkt und dabei auf den möglichen Margendruck durch Open USD verwiesen.
Regulatorischer Faktor: Die Senatsabstimmung am 15. September
Der CLARITY Act bleibt eine wichtige Variable für Circle, weil US-Gesetzgeber weiter über Stablecoin-Rewards und die Marktstruktur für digitale Vermögenswerte verhandeln. Bankenverbände drängen seit Juli auf schärfere Regeln, weil manche Belohnungsstrukturen faktisch wie verzinste Konten funktionieren könnten.

Bernstein sieht beide Ausgänge als für USDC tragfähig: Scheitert das Gesetz, bleibt das bestehende Modell für Drittanbieter-Rewards bestehen; wird es verabschiedet, dürften Rewards stärker an Nutzeraktivität statt an bloßes Halten gekoppelt werden.
Fazit
Bernsteins positive Einschätzung stützt sich auf das wieder anziehende USDC-Angebot, die annualisierte Transaktionsrate und zusätzliche Nachfragequellen wie Agentenzahlungen. Zugleich verweist das niedrigere Kursziel von Mizuho auf den Wettbewerbsdruck durch alternative Stablecoin-Modelle. Die erwartete Senatsabstimmung am 15. September bleibt vor allem für die weitere regulatorische Orientierung relevant: Bei einem Ausbleiben der Unterstützung erwartet Bernstein eine stärkere Rolle von SEC und CFTC bei der regulatorischen Leitlinie.