Henrik Zeberg: Warum er einen letzten Bitcoin-Melt-Up und danach einen dotcom-ähnlichen Crash erwartet

Patrik
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Patrik
Marktanalyst & Redakteur

Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.

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Henrik Zeberg: Warum er einen letzten Bitcoin-Melt-Up und danach einen dotcom-ähnlichen Crash erwartet

Henrik Zeberg, Chefökonom bei SwissBlock, gehört zu den Analysten, die Märkte in einem klar strukturierten Spätzyklus betrachten. In einem ausführlichen Interview mit Paul Buitink zeichnete er ein Bild, das viele Investoren gleichzeitig fasziniert und beunruhigt: Wir befinden uns seiner Einschätzung nach in der größten Blase der modernen Wirtschaftsgeschichte – getrieben von Aktien, Immobilien und Kryptowährungen. Doch anstatt sofort den Absturz zu erwarten, sieht er noch eine letzte Phase extremer Kursgewinne, bevor die Party abrupt endet.

Um seine Sicht zu verdeutlichen, griff Zeberg zu einem drastischen Bild: „Die Musik spielt noch, und man kann sich noch einen Drink an der Bar holen.“ Gemeint ist, dass die Stimmung an den Märkten zwar zunehmend angespannt ist, aber die klassischen Vorboten einer Rezession – steigende Arbeitslosigkeit, sich weitende Kreditspreads, eine massive Eintrübung im Konsum – noch nicht sichtbar sind. Für ihn ist das der entscheidende Hinweis, dass die Märkte erst noch einmal deutlich nach oben laufen, bevor der eigentliche Crash beginnt.

Bitcoin und Ethereum: die letzte Raketenstufe

Im Zentrum von Zebergs Analyse steht Bitcoin. Er sieht die Kryptowährung auf dem Weg in eine letzte, kraftvolle Aufwärtsbewegung. Sein Mindestziel liegt bei 140.000 US-Dollar, doch er hält auch einen Anstieg bis in die Spanne von 165.000 bis 175.000 US-Dollar für realistisch. Ethereum traut er sogar noch spektakulärere Zuwächse zu. Auf Basis seiner Modellierung der ETH/BTC-Ratio – die er in einer späten Altcoin-Phase bei etwa 0,12 sieht – ergibt sich ein Preisziel von rund 17.000 US-Dollar pro ETH.

Wichtig ist für ihn nicht nur die Höhe, sondern auch die Geschwindigkeit: Zeberg betont, dass solche späten Übertreibungsphasen nicht langsam verlaufen, sondern in kurzer Zeit ablaufen können. Er verweist dabei auf historische Parallelen, etwa die Endphase des japanischen Nikkei-Booms 1989, als die Kurve fast senkrecht nach oben schoss, bevor sie einbrach.

Der Dollar als „Abrissbirne“

Der entscheidende Trigger für das Ende der Hausse ist für Zeberg der US-Dollar. Konkret erwartet er, dass der Dollar-Index (DXY) nach einer Bodenbildung kräftig auf Werte zwischen 117 und 120 Punkten steigt. Er bezeichnet den Dollar in diesem Zusammenhang als „Abrissbirne“ („wrecking ball“), weil er weltweit die Leitwährung für Schulden und Handelsfinanzierungen ist.

Wenn der Dollar so stark steigt, geraten Länder und Unternehmen mit hohen Dollar-Verbindlichkeiten massiv unter Druck, da sie ihre Schulden mit schwächeren lokalen Währungen bedienen müssen. Die Folge wäre ein abruptes Austrocknen der Liquidität, steigender Druck auf Kredite und ein Einbruch der Risiko-Appetit weltweit. Für Zeberg ist das der Moment, an dem die Märkte vom letzten Anstieg in den Crash kippen.

Crash-Szenario: kurz und heftig

Zeberg rechnet nicht mit einer jahrelangen Depression, sondern mit einem vergleichsweise kurzen, aber brutalen Absturz. Seine Erwartung: eine deflationäre Phase von sechs bis neun Monaten, in der Aktienmärkte, Immobilien und Kryptowährungen massiv unter Druck geraten. Danach würden Notenbanken und Regierungen erneut mit expansiver Politik reagieren – allerdings mit abnehmender Wirkung. Das Resultat wäre seiner Prognose nach eine stagflationäre Phase, geprägt von niedrigem Wachstum, hoher Verschuldung und hartnäckiger Inflation.

Seine Kritik an der Geldpolitik ist dabei deutlich: Das Streben nach einem exakten Inflationsziel von 2 % hält er für „hubristisch“ und bezeichnete die Verleihung des Nobelpreises an Ben Bernanke – den Architekten der expansiven Post-2008-Politik – als „das Dümmste, was ich je gesehen habe“.

Gold und Edelmetalle: erst Liquidation, dann Rallye

Interessanterweise erwartet Zeberg, dass Gold in der ersten Phase des Crashs verkauft wird – schlicht, weil Investoren Liquidität brauchen. Er zieht den Vergleich zu 2008, als Gold etwa 33–35 % verlor, bevor es sich stark erholte. Silber könnte seiner Einschätzung nach sogar bis zu 60 % einbrechen. Danach allerdings sieht er eine neue, mächtige Aufwärtsbewegung. Langfristig verortet er Gold in den 2030er Jahren bei bis zu 35.000 US-Dollar pro Unze, als Kern eines möglichen „monetären Resets“. In diesem Szenario könnten neue globale Abrechnungssysteme entstehen, die auf Gold und digitalen Ledgern basieren – nicht aber auf Bitcoin.

Timing und Auslöser

Zeberg betont, dass es keinen einzelnen „Kollaps-Moment“ geben wird. Vielmehr entsteht eine zunehmend toxische Mischung aus:

  • hohen Zinsen,
  • sinkender realer Kaufkraft,
  • steigenden Kreditausfällen und
  • einem Dollar, der zur „Abrissbirne“ wird.

Er beobachtet besonders kurzfristige US-Renditen, Kreditspreads und den Verlauf des DXY. Für ihn steht fest: Der letzte Anstieg kommt noch, aber danach folgt ein brutaler Absturz, der vor allem hochbewertete Tech-Aktien, Immobilien und spekulative Kryptowährungen trifft.

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Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.