Eric Yakes: Warum Bitcoin auf 10 Millionen Dollar steigen könnte
Eric Yakes, Mitgründer von Epoch, entwarf im Podcast What Bitcoin Did ein ambitioniertes Szenario: Bitcoin bei 10 Millionen US-Dollar pro Coin innerhalb der nächsten sieben Jahre. Grundlage seiner These ist nicht allein Ökonomie, sondern vor allem Soziologie. Kein anderer Vermögenswert, so Yakes, habe eine vergleichbare Massenbewegung im Rücken. Er beschreibt Bitcoin als eine Art „Fed Put“ der Community – Überzeugungsinvestoren springen ein, sobald der Kurs schwächelt, und stützen so den Markt.
Diese Dynamik erklärt Yakes mit Eric Hoffers Werk The True Believer: Die Cypherpunks seien die „Männer der Worte“, die frühen Evangelisten die „Fanatiker“, und nun träten die „Männer der Tat“ auf – Unternehmer und Manager, die Strukturen schaffen, Skalierung vorantreiben und den revolutionären Impuls in marktrelevante Größenordnungen übertragen.
Von Wall Street bis Geopolitik: Die nächsten Käuferwellen
Das aktuelle Adoptionsmuster unterscheidet sich laut Yakes fundamental von früheren Zyklen. 2017 dominierten Kleinanleger, heute sind es Großunternehmen, Vermögensverwalter und zunehmend auch Staaten. BlackRocks ETF gilt ihm als Beweis: ein hochprofitables Produkt, das Bitcoin nicht nur als Finanzinstrument, sondern als narratives Signal etabliert hat.
Entscheidend sei die Korrelation. Sobald Bitcoin sich dauerhaft wie Gold verhält und nicht mehr wie ein Tech-Asset, steige der Portfolioanteil bei institutionellen Investoren von 1–2 % auf 20–30 %. Das würde Golds Marktstellung direkt kannibalisieren.
Politisch sieht Yakes Rückenwind. US-Präsident Donald Trumps pro-Bitcoin-Rhetorik habe weniger wegen realer Käufe Gewicht, sondern wegen des Signals: Wenn staatliche Unterstützung kein Reputationsrisiko mehr darstellt, sinkt die Hemmschwelle für Institutionen massiv. Symbolik kann laut Yakes reale Kapitalflüsse auslösen, weil sie Karriererisiken verringert und systematische Investoren aktiviert.
Makroökonomische Rahmenbedingungen: Vom Cash der Corporates bis zu Stablecoins
Yakes verortet Bitcoin im Kontext einer neuen globalen Reserve-Architektur. Nach den Sanktionsschocks der Jahre 2022+ reduzierten viele Länder ihre Abhängigkeit von Fremdwährungs-Reserven und setzten stärker auf Gold. Bitcoin könne als „synthetisches Rohstoff-Asset“ folgen – allerdings erst, wenn die Marktliquidität groß genug sei, um Staatskäufe in Milliardenhöhe zu absorbieren.
Die Brücke sieht er bei Unternehmen. Schon 15 % der liquiden Mittel der zehn größten US-Konzerne in Bitcoin könnten ETF-Zuflüsse übertreffen. Da das Angebot fix ist und die Halterbasis zunehmend unflexibel, habe zusätzliche Nachfrage outsized Preiswirkung.
Parallel dazu entwickelt sich der Stablecoin-Markt. Yakes argumentiert, dass Stablecoins bereits zentrale Funktionen des traditionellen Bankensystems ersetzen. Offshore-Emittenten mit Renditeversprechen setzen Banken unter Druck, während tokenisierte Einlagen im regulierten Umfeld entstehen. In diesem Wettbewerb könnten Stablecoin-Reserven zunehmend auch Bitcoin enthalten – wie es Tether bereits vormacht. Das schafft eine stille Nachfragequelle, die Nutzer langfristig in Richtung direktem Bitcoin-Besitz drängt.
Dazu komme der Aufbau eines Bitcoin-eigenen Zinsmarktes über Lightning-Routing, Liquiditäts-Leasing und ähnliche Strukturen. Erste Renditepunkte deuten für Yakes auf ein entstehendes Kapitalmarkt-Ökosystem, das Banken und Treasury-Firmen früher oder später nutzen werden.
Risiken: Zentralisierung, Regulierung, Blasenbildung
Trotz Optimismus benennt Yakes klare Risiken. ETFs bündeln Bitcoin in den Händen weniger Verwahrer – ein realer Konzentrationsfaktor. Ebenso droht ein KYC-durchreguliertes Bitcoin, das nur noch als „Store-of-Value Light“ existiert. Yakes verweist aber auf Spieltheorie: Langfristig lohne es sich mehr, die Neutralität des Netzwerks zu bewahren, als es zu kontrollieren.
Auch das Timing sei offen. Sollte die globale Konjunktur kippen, könnten Engpässe, Überregulierung oder Leverage-Kettenreaktionen kurzfristig für tiefe Einbrüche sorgen. Trotzdem glaubt Yakes, dass das fundamentale Narrativ der Knappheit ungebrochen bleibt.
Ein kühner, aber konsistenter Fahrplan
Yakes’ 10-Millionen-Dollar-Szenario ist weniger ein Preismodell als ein Narrativ-Baukasten:
- Kulturelle Bewegung stützt Bitcoin nach unten.
- Institutionelle Allokationen können den Markt exponentiell hebeln, sobald die Korrelation bricht.
- Unternehmensreserven und Stablecoins erzeugen stetige Zusatznachfrage.
- Geopolitik fördert neutrale, portable Assets.
Er rechnet mit einer raschen Eskalation der Effekte: „Bitcoin ist immer nur eine große Pressemitteilung entfernt von einem fundamentalen Wahrnehmungssprung.“
Yakes’ Botschaft ist eindeutig: Knappes Angebot plus steigende Legitimität und politische Signale können Bitcoin in unter zehn Jahren in Preissphären katapultieren, die heute noch absurd klingen. Seine persönliche Wette: 10 Millionen pro Bitcoin – und das schon in sieben Jahren.