BlackRock schiebt tokenisierte ETFs an – Ein Brückenschlag zwischen Wall Street und Blockchain
Nach dem durchschlagenden Erfolg seines Bitcoin-Spot-ETFs richtet BlackRock den Fokus zunehmend auf die Tokenisierung traditioneller Finanzprodukte. Im Zentrum steht derzeit der BlackRock USD Institutional Digital Liquidity Fund (BUIDL), der bereits auf Ethereum läuft und als tokenisiertes Geldmarktfondsprodukt aufgebaut ist. Während Bitcoin der Türöffner war, deutet dieser Schritt auf ein viel größeres Vorhaben hin: Teile des klassischen ETF-Geschäfts könnten künftig direkt auf Blockchains verlagert werden.
JUST IN: BlackRock plans to tokenize ETFs following success with $BTC fund. pic.twitter.com/yQD0E4VjpX
— Whale Insider (@WhaleInsider) September 11, 2025
Aufbau des BUIDL-Fonds und Partnernetzwerk
Der BUIDL-Fonds wird vollständig mit klassischen, risikoarmen Assets unterlegt – Bargeld, US-Staatsanleihen und Repo-Geschäfte. Damit unterscheidet er sich nicht vom klassischen Geldmarktfonds, wird aber als Token auf Ethereum abgebildet.
- Securitize übernimmt die Rolle des Transfer Agents und kümmert sich um die Ausgabe und Verwaltung der Token.
- BNY Mellon tritt als Custodian auf und verwahrt die zugrunde liegenden Assets.
- Weitere Infrastrukturpartner wie Fireblocks, BitGo, Coinbase und Anchorage Digital sind in die technische Abwicklung eingebunden.
Die Token-Inhaber erhalten ihre Zinserträge täglich direkt on-chain gutgeschrieben – ein Prozess, der die klassische Abwicklung via Transferagenten oder Börse deutlich beschleunigt.
Der Weg zu tokenisierten ETFs
Mit BUIDL zeigt BlackRock ein Proof-of-Concept: Tokenisierte Anteile lassen sich wie klassische Fondsanteile absichern, gleichzeitig aber programmierbar und 24/7 handelbar machen.
- Branchenprognosen schätzen, dass sich durch Tokenisierung langfristig ein Marktpotenzial von bis zu 10 Billionen US-Dollar erschließen lässt, wenn Fonds, Anleihen und ETFs vollständig on-chain abgebildet werden.
- Schon heute beläuft sich das Volumen an tokenisierten Real-World-Assets (RWA) laut Trackern auf über 10 Milliarden US-Dollar – das Segment hat also die Experimentierphase längst verlassen.
BlackRock tritt damit in direkte Konkurrenz zu anderen großen Vermögensverwaltern wie Franklin Templeton, die bereits eigene tokenisierte Fonds aufgelegt haben.
Vorteile und offene Fragen
Die Befürworter tokenisierter ETFs argumentieren mit klaren Vorteilen:
- Bruchteilseigentum: Auch Kleinanleger könnten Anteile in kleinsten Einheiten erwerben.
- 24/7-Transferabilität: Im Gegensatz zu klassischen Märkten wäre der Handel permanent möglich.
- Schnellere Abwicklung: Settlement-Zeiten könnten sich von Tagen auf Minuten verkürzen.
- Mehr Transparenz: Eigentumsverhältnisse wären direkt on-chain nachvollziehbar.
Doch es bleiben fundamentale Unsicherheiten:
- Marktstruktur: Wie passen tokenisierte ETFs in das bestehende Ökosystem von Authorized Participants und Market Makern?
- Rechtsrahmen: Zählt ein on-chain-Transfer regulatorisch als Börsenhandel?
- Durchsetzbarkeit: Haben Tokenhalter im Streitfall dieselben Rechtsansprüche wie klassische Anteilseigner?
Regulierung und globale Divergenzen
Die US-Regulierer stehen vor harten Entscheidungen: Wie viel Rechtssicherheit und Anlegerschutz lässt sich in eine tokenisierte Struktur einbetten? Unterschiedliche Rechtsauffassungen könnten zu einer Fragmentierung der Märkte führen – während etwa die EU oder Asien Tokenisierung offen fördern, könnten die USA striktere Auflagen setzen. Auch die Frage der Custody-Architektur ist ungelöst: Sollen Custodians nur die Basiswerte halten oder auch die Token verwalten?
Die Kombination aus BlackRocks Erfolgsbilanz im Bitcoin-Sektor und dem nun gestarteten Tokenisierungs-Experiment legt nahe, dass das Unternehmen mehr im Sinn hat als nur einen Nischenfonds. Sollte es gelingen, klassische ETFs mit Billionen an AUM on-chain zu bringen, wäre dies der größte Schritt eines globalen Asset Managers in Richtung Blockchain-Integration.
Der BUIDL-Fonds könnte damit in die Geschichte eingehen – weniger wegen seines aktuellen Volumens, sondern als erster ernsthafter Brückenschlag zwischen Wall Street und Blockchain, der zeigt: Tokenisierung ist nicht mehr Theorie, sondern beginnt, das Fundament der Kapitalmärkte zu verändern.