Bitcoin und globale Liquidität: Ein Sommerziel bei $130.000 – oder nur heiße Luft?
Ein viel diskutierter Chartvergleich sorgt derzeit für Gesprächsstoff auf Crypto-X: Bill Barhydt, Gründer der Krypto-Banking-Plattform Abra, teilte eine Collage verschiedener Bitcoin-vs.-M2-Diagramme – ursprünglich populär gemacht vom Makro-Investor Raoul Pal und dem Analysten Julien Bittel. Diese Diagramme setzen den Bitcoin-Preis in Beziehung zur globalen Geldmenge (M2) und zeigen eine frappierende Korrelation: Steigt M2, zieht Bitcoin meist mit Verzögerung nach. Barhydts ironisch-realistische Einordnung dazu:
„Die meisten dieser Charts prognostizieren einen Dip in den nächsten Tagen auf rund $100.000 und dann ein neues Allzeithoch bei $130.000 im August oder September … oder das alles ist kompletter Quatsch. Wie auch immer.“
Bitcoin als "Liquiditätsschwamm" – Theorie mit Substanz?
Im Kern basiert diese Theorie auf der Idee, dass Bitcoin als Reflexion globaler Liquidität fungiert – ein Asset, das überschüssiges Fiat absorbiert, sobald Zentralbanken ihre Bilanzen ausweiten. Barhydt formulierte es so:
„Bitcoin ist der Mutter-Schwamm für Liquidität – besonders bei Fiat-Entwertung.“
Die Argumentation: Wenn Regierungen und Notenbanken Geld ins System pumpen, sucht Kapital nach knappen Gütern mit Angebotsobergrenze – und genau da komme Bitcoin ins Spiel. Pal behauptet, dass bis zu 90 % der Bitcoin-Preisbewegungen direkt mit M2-Wachstum korrelieren. Bittel zufolge liegt die globale M2 derzeit bei rund 111 Billionen US-Dollar – ein historischer Höchststand.
I've seen over a dozen posts with different versions of the global liquidity M2 vs Bitcoin price chart - I've attached several here. Credit @RaoulGMI and his colleague @BittelJulien for discovering the trend.
Most of these charts predict a dip over the coming days to around… pic.twitter.com/LIqWMvHSx9
— Bill Barhydt (@billbarX) May 31, 2025
Barhydt sieht eine typische Kaskade: Zuerst Bitcoin, dann andere L1-Projekte wie Ethereum oder Solana, dann schließlich Spekulations-Coins im Altcoin-Segment. Das könnte den sogenannten „Alt-Season“-Effekt auslösen – vorausgesetzt, der erste Bitcoin-Sprung kommt wie erwartet.
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Realitätscheck: Modell, Momentum oder Makulatur?
Trotz aller Euphorie warnt Barhydt vor Selbstüberschätzung. Der erwartete Dip könne mild oder abrupt ausfallen – etwa bis auf $95.000, bevor sich das bullische Szenario fortsetzt. Besonders Trader mit hoher Hebelwirkung seien anfällig für Liquidationen. Seine Mahnung:
„Passt auf euren Hebel auf, geht auch mal raus an die frische Luft und bleibt bitte zivilisiert.“
Auf Kritik, das M2-Modell sei zu populär und damit ineffektiv, entgegnete er: „Wir reden hier von Billionen Dollar und Milliarden Menschen. Das Modell ist keineswegs überlaufen.“ Auch zur Genauigkeit äußerte er sich nüchtern:
„Das Modell hat keinen Anspruch auf Tagesprognosen. Es funktioniert – wenn überhaupt – auf Wochenebene.“
Fazit: Das Zusammenspiel zwischen Liquidität und Bitcoin-Preis bleibt ein faszinierender Ansatz mit wachsender Anhängerschaft. Doch ob es Bitcoin tatsächlich bis $130.000 im Sommer katapultiert oder sich als „horseshit“ entpuppt, wie Barhydt selbst es nennt, hängt maßgeblich davon ab, wie rasch Notenbanken wieder expansive Maßnahmen ergreifen – und wie spekulativ sich Marktteilnehmer in den kommenden Wochen positionieren.