GameStop setzt 315 Millionen Dollar auf Bitcoin-Covered-Calls
GameStop beendet das passive Bitcoin-HODLn und wandelt seine BTC via Coinbase in eine aktive Covered-Call-Strategie um. Dies bringt zwar regelmäßige Rendite im Seitwärtsmarkt, begrenzt jedoch künftige Kursgewinne deutlich.
- Strategiewechsel: Aktive Covered-Calls statt passives Halten.
- Neuer Cashflow: Regelmäßige Prämieneinnahmen durch Optionsverkauf (Ziele: 105k–110k $).
- Risiko (Gewinndeckelung): Steigt Bitcoin über 110.000 $, profitiert GameStop nicht mehr.
- Fazit: Die Aktion stabilisiert die Bilanz, macht die Aktie für Krypto-Bullen jedoch unattraktiver.
Warum GameStop jetzt handelt
GameStop hatte im Mai 2025 begonnen, Bitcoin als Treasury-Asset zu akkumulieren — ursprünglich zu Kursen, die einen Gesamteinsatz von über 500 Millionen US-Dollar bedeuteten. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung hält das Unternehmen 4.709 BTC im Wert von rund 315 Millionen US-Dollar. Wie der Analyst @LogGlobal14604 treffend zusammenfasst:
GameStop has shifted nearly its entire Bitcoin treasury—4,709 BTC worth roughly $315 million—into a covered call options strategy via Coinbase Prime. This move reclassifies the holdings on its balance sheet from an intangible asset to a receivable, altering how gains and losses…
— LOG Global News (@LogGlobal14604) March 29, 2026
Bitcoin notiert aktuell bei etwa 67.000 US-Dollar, nachdem die Kryptowährung Anfang 2026 noch knapp unter 87.000 US-Dollar gehandelt wurde. Die unrealisierten Verluste auf die ursprüngliche Position sind damit erheblich.
Der Kontext ist wichtig: Bitcoin-Treasury-Unternehmen befinden sich seit dem Jahresbeginn 2026 unter Druck. Die Risiken und Marktdynamiken börsennotierter Krypto-Treasury-Unternehmen zeigen sich in solchen Korrekturphasen besonders deutlich — Bilanzen geraten unter Druck, Investoren werden nervös, und das Management sucht nach Wegen, die ruhende Kapitalposition zumindest teilweise produktiv zu machen. GameStop reagiert mit einem Werkzeug, das Profi-Investoren längst kennen: dem Covered Call.
Das prominenteste Vergleichsbeispiel bleibt Strategy (ehemals MicroStrategy), das mit Wandelanleihen und ATM-Programmen (At-The-Market) eigene Kapitalmarktinstrumente für seine BTC-Strategie entwickelt hat. Lies auch: Strategy erhöht Kapital für BTC-Käufe massiv. GameStop geht einen anderen Weg: Statt frisches Kapital aufzunehmen, wird das bestehende BTC-Inventar zur Prämienquelle.
Wie Covered Calls auf Bitcoin funktionieren
Ein Covered Call ist ein klassisches Options-Instrument, das in der Aktien- und Rohstoffwelt seit Jahrzehnten eingesetzt wird. Die Mechanik ist in der Theorie straightforward, in der Praxis aber mit konkreten Konsequenzen verbunden, besonders wenn das zugrundeliegende Asset so volatil ist wie Bitcoin.
So funktioniert die Strategie im Fall GameStop:
- Basisposition: GameStop hält 4.709 BTC als Sicherheit (Collateral) bei Coinbase Prime.
- Optionsverkauf: Das Unternehmen verkauft Call-Optionen mit Strike-Preisen zwischen 105.000 und 110.000 US-Dollar, deutlich über dem aktuellen Spot-Kurs von ~67.000 US-Dollar.
- Prämieneinnahme: Für den Verkauf der Calls kassiert GameStop eine Prämie upfront. Bisherige Kontrakte generierten einen unrealisierten Gewinn von 2,3 Millionen US-Dollar bei einer Verbindlichkeit von 700.000 US-Dollar.
- Verfallsszenarien: Bleibt BTC unter dem Strike, verfällt die Option wertlos; GameStop behält Prämie und BTC. Steigt BTC über den Strike, kann der Optionskäufer das Bitcoin zum vereinbarten Preis erwerben; GameStop verliert das Upside oberhalb von 105.000–110.000 US-Dollar.
- Bilanzielle Reklassifizierung: Durch die Verpfändung des BTC wechselt die Position von einem immateriellen Vermögenswert zu einer Forderung (Receivable). Das ändert, wie Gewinne und Verluste in der Quartalsberichterstattung ausgewiesen werden.
Coinbase Prime hat unter den Vertragsbedingungen das Recht, das verpfändete Bitcoin zu rehypothecieren, zu vermischen oder einseitig zu veräußern. GameStop betont in seinem SEC-Bericht, dass die wirtschaftliche Exposition konsistent mit direktem Bitcoin-Eigentum bleibe; rechtlich ist das jedoch eine andere Konstruktion als klassisches HODL.
Chancen und Risiken: Ein zweischneidiges Schwert
Die Strategie ist in einem Seitwärtsmarkt nahezu optimal: GameStop generiert laufende Einnahmen auf eine Position, die andernfalls nur Kapital bindet und Buchhaltungsprobleme erzeugt. Frühere Kontrakte aus dem Januar 2026 sind bereits unexercised verfallen, ein Zeichen, dass die Strategie rollierbar und wiederholbar ist. Das Management kann die Calls quartalsweise erneuern und so eine Art Carry-Rendite auf den BTC-Bestand aufbauen.
Auf der Risikoseite ist die Upside-Kappung das zentrale Problem. Sollte Bitcoin die Marken von 105.000 bis 110.000 US-Dollar in den nächsten Wochen oder Monaten erneut erreichen oder überschreiten, nimmt GameStop an diesem Kursanstieg nicht vollständig teil. Für ein Unternehmen, das ursprünglich über 500 Millionen US-Dollar in BTC investiert hat und jetzt bei ~315 Millionen steht, bedeutet ein gedeckeltes Upside: Die Verlustaufholung wird strukturell begrenzt.
Dazu kommt das Rehypothecation-Risiko: Coinbase Prime darf das verpfändete BTC theoretisch weiterverleihen oder verkaufen. In normalen Marktphasen ist das ein Buchhalter-Problem. In extremen Stresssituationen, etwa einem Liquiditätsengpass bei Coinbase, könnte das zum operativen Risiko werden. Wir bewerten dies derzeit als unwahrscheinlich, aber nicht als null.
GameStop Wrote Covered Calls on Its Entire Bitcoin Stack
GameStop pledged all 4,709 BTC to Coinbase as collateral for covered calls. Strike prices between $105k and $110k. With BTC at $66,000, those calls expired worthless, so GameStop just pocketed the premiums. Smart play in a… pic.twitter.com/qFnCze05wm
— More Crypto Online (@Morecryptoonl) March 28, 2026
Implikationen für deutsche Anleger und steuerliche Einordnung (§23 EStG)
Deutsche Privatanleger, die GameStop-Aktien halten oder über den Umweg von BTC-Treasury-Aktien in Bitcoin-Exposure investieren, sollten die steuerliche Konstruktion im Blick behalten. Für direktes Bitcoin-Eigentum gilt in Deutschland die bekannte Regelung: Haltedauer über zwölf Monate, steuerfreie Veräußerungsgewinne nach §23 EStG. Für Covered-Call-Strategien auf Einzelebene gelten jedoch andere Regeln: Optionsprämien sind in Deutschland als Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften oder Kapitalerträgen zu behandeln.
Wer über GameStop-Aktien indirekt an der BTC-Strategie partizipiert, ist steuerlich im Aktienbereich — Kursgewinne unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, unabhängig von der Haltedauer.
Die steuerlichen Implikationen von Bitcoin-Strategien für deutsche Anleger unterscheiden sich je nach Anlagevehikel erheblich: direkte BTC-Haltung, ETFs und Aktien von Treasury-Unternehmen folgen jeweils eigenen Regeln. Anleger sollten hier nicht pauschal denken.
Wir sehen bei GameStop keinen unmittelbaren steuerlichen Handlungsbedarf für deutsche Aktionäre, aber die Reklassifizierung der BTC-Position auf der Unternehmensbilanz wird die Volatilität der Quartalsergebnisse verändern. Das kann sich in stärkeren oder schwächeren Kursreaktionen auf Earnings-Berichte niederschlagen.
Prognose in 3 Szenarien
Wir sehen drei Wahrscheinlichkeitskorridore für die weitere Entwicklung von GameStops Bitcoin-Strategie:
- Szenario 1: Stille Renditemaschine (Wahrscheinlichkeit: 45%): Bitcoin bleibt in den nächsten Quartalen unter 100.000 US-Dollar. GameStop rollt die Covered Calls regelmäßig, generiert quartalsweise Prämieneinnahmen im einstelligen Millionenbereich, und die BTC-Position stabilisiert die Bilanz ohne größere Ausschläge. Das Management kommuniziert dies als strategischen Erfolg.
- Szenario 2: BTC-Rallye kürzt Upside (Wahrscheinlichkeit: 35%): Bitcoin ralliert zurück über 105.000 US-Dollar. Die Calls werden ausgeübt, GameStop verliert Teile des Kursanstiegs. Das Unternehmen rollt in neue Kontrakte mit höheren Strikes, ist aber in der öffentlichen Wahrnehmung das Unternehmen, das seinen BTC-Rebound verpasst hat. Kurzfristig negativer Newsflow für die Aktie.
- Szenario 3: Strategieauflösung (Wahrscheinlichkeit: 20%): Anhaltender Kursdruck auf BTC unter 60.000 US-Dollar oder ein operativer Stressfall bei Coinbase zwingt GameStop zur Neubeurteilung. Das Unternehmen beendet die Strategie, reklassifiziert die BTC zurück oder reduziert die Position. Für BTC-Bullen das Worst-Case-Szenario, da ein Verkauf von 4.709 BTC den Markt kurzfristig belasten würde.
Reife oder Rückzug?
GameStops Covered-Call-Strategie ist ein Signal, das wir als Reifezeichen werten: Corporate-BTC-Treasuries entwickeln sich von reinen Bilanzposten zu aktiv gemanagten Positionen. Das entspricht der natürlichen Evolution institutioneller Kapitalanlage: Kapital, das ruht, soll arbeiten. Marathon Digital hat ähnliche Wege bereits Ende 2025 erprobt.
Gleichzeitig bleibt eine offene Frage: Ist die Prämieneinnahme echte Rendite oder ein psychologisches Pflaster für ein Management, das sich von der ursprünglichen HODL-These still verabschiedet? Die nächsten Quartalszahlen, erwartet Ende April 2026, werden zeigen, wie viel die Strategie tatsächlich abwirft und ob die Kontrakte zu besseren oder schlechteren Konditionen erneuert werden.
Für deutsche Anleger gilt: GameStop bleibt ein hochspekulativer Titel mit doppelter Volatilität: operatives Kerngeschäft unter Druck, Bitcoin-Position mit gedeckeltem Upside. Wer hier investiert ist, sollte die Earnings-Berichte genau lesen und die BTC-Bilanzlinie im Auge behalten. Der Markt wird jede Abweichung sofort einpreisen.