Bitcoin-Treasury-Strategien im Härtetest: Warum nicht alle Firmen den nächsten Bärenmarkt überleben werden
In der aktuellen Episode des Podcasts What Bitcoin Did analysiert Dylan LeClair – Bitcoin-Stratege beim börsennotierten Unternehmen MetaPlanet – die Überlebensfähigkeit von Bitcoin-Treasury-Unternehmen im kommenden Bärenmarkt. Seine Einschätzung ist klar: Entscheidend ist nicht Ideologie, sondern Bilanzqualität, Kapitalstruktur und der Wille, Volatilität ohne Panik durchzustehen.
Vom PR-Gag zur Finanzstrategie: Bitcoin im Unternehmensportfolio
LeClair beschreibt den Wandel der Bitcoin-Adoption im Unternehmenskontext als “gradual then sudden”. Was einst als PR-Aktion galt, sei inzwischen ein ernstes Thema auf Vorstandsebene. Doch dieser Fortschritt sei kein Selbstläufer. Firmen, deren Aktien mit deutlichem Aufschlag zum Nettoinventarwert (NAV) gehandelt werden, stehen unter ständigem Druck, diesen Aufschlag zu rechtfertigen.
Er verweist auf das Beispiel von MicroStrategy (heute "Strategy"), dessen Bitcoin-Bestand von über 600.000 BTC einen Bewertungsaufschlag von mehreren Dutzend Milliarden US-Dollar erzeugt. Kleinere Unternehmen mit identischen Multiples verfügen hingegen über deutlich geringere absolute Kapitalzuflüsse – ein strukturelles Ungleichgewicht, das sich im Abschwung als existenziell erweisen kann.
Der Bärenmarkt als Selektionsmechanismus
Entgegen der populären Erwartung eines 70%‑Rückgangs mit mehrjähriger Seitwärtsphase rechnet LeClair mit volatilen Seitwärtsbewegungen und plötzlichen Liquiditätsengpässen. Entscheidend sei die Kapitalstruktur: Wer kurzfristige, besicherte Schulden aufnimmt, gefährdet sein Bitcoin-Portfolio bei Kursrückgängen. Wer dagegen auf ewige Vorzugsaktien (perpetual preferred equity) setzt, sichert sich Handlungsfreiheit:
„Mit Vorzugsaktien müssen wir niemals verkaufen. Es gibt keine Fälligkeit, keinen Margin Call.“
MetaPlanet halte aktuell ein Verhältnis von rund 16,5:1 zwischen Bitcoin-Bestand und Fremdkapital – ein bewusster Liquiditätspuffer. LeClair betont: „Die Frage ist nicht nur finanzieller, sondern auch psychologischer Natur: Wer hält durch, wenn der Markt 70 % fällt?“
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Preferred Equity: Die neue Kapitalstruktur für Bitcoin-Firmen?
Im Zentrum von LeClairs Argument steht ein Finanzinstrument, das zunehmend Aufmerksamkeit erhält: variabel verzinste, ewige Vorzugsaktien. Strategy hat mit „Stretch“ (Ticker: STRC) genau dieses Instrument im Juli 2025 emittiert. Das Ziel: institutionelle Anleger durch monatliche Dividenden und flexible Emissionsmechanismen zu binden – ohne Tilgungsdruck für das Unternehmen.
STRC ist so strukturiert, dass es nahe dem Nominalwert von 100 USD handelt. Anpassbare Dividenden und Rückkaufoptionen bei 101 USD minimieren Kursvolatilität. LeClair nennt dies:
„Eine geniale finanztechnische Lösung – wie eine cash-ähnliche Position für Investoren, aber ohne Liquiditätsrisiko für das Unternehmen.“
Im Gegensatz zu wandelbaren Anleihen, die von Hedgefonds aggressiv gehedgt werden, schaffe STRC nachhaltige Kapitalbasis und lasse die Aktie selbst weiter volatil und attraktiv für BTC-Fans.
Konsolidierung als Folge – und Chance
Die bevorzugte Kapitalstruktur sei laut LeClair sowohl defensiv als auch offensiv: In Stressphasen können Vorzugsaktien als „MNAV-Verteidigung“ dienen – also als Mittel, um Aktienrückkäufe oder BTC-Zukäufe zu finanzieren, wenn Leerverkäufer Druck auf den Aktienkurs ausüben. Im Bärenmarkt erwartet er klassische Wall-Street-Taktiken:
„Einige werden Schulden bereinigen und Bitcoin mit Abschlag kaufen. Andere werden insolvent.“
MetaPlanet wolle jedoch kein aktiver Konsolidierer sein. Das Ziel sei ein fokussiertes BTC-Treasury-Modell ohne Roll-Up-Strategie. Mit mehr als 629.000 BTC bleibt Strategy laut LeClair uneinholbar. Nur ein Big Tech-Konzern wie Meta oder Apple könne diese Lücke schließen – „wenn Zuckerberg morgen orange pillt“, was LeClair aber für unwahrscheinlich hält.
Er sieht jedoch auch Risiken: Einige Unternehmen „cosplayen Bitcoiners“ – und würden bei erstem Gegenwind ihre Strategie aufgeben. Der wahre Test komme im nächsten Abschwung:
„Dann trennt sich die Spreu vom Weizen.“
Der langfristige Erfolg von Bitcoin-Treasury-Strategien hängt nicht von Memes oder maximalistischer Rhetorik ab, sondern von drei Dingen: unbelastetem BTC-Kapital, langfristigem oder ewigem Eigenkapital – und einem Management, das bereit ist, Bärenmärkte auszusitzen. LeClair sieht den Markt erst am Anfang:
„Der Rest der Welt kümmert sich noch nicht wirklich darum. Aber wenn Bitcoin die Welt übernehmen will, muss er in alle Kapitalmärkte durchdringen.“
Unternehmen, die das verstehen, könnten nicht nur überleben – sondern dominieren.