Bitcoin Kurs auf 160.000 US-Dollar bis Ende 2025?

Patrik
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Patrik
Marktanalyst & Redakteur

Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.

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Bitcoin Kurs auf 160.000 US-Dollar bis Ende 2025?

Eine neue Forschungsarbeit des Marktanalysten Ben Harvey und des renommierten Bitcoin-Strategen Will Clemente III sorgt für Aufsehen. Im Auftrag des Krypto-Market-Makers Keyrock untersuchten die Autoren die Rolle sogenannter „Bitcoin Treasury Companies“ (BTC-TCs) – also börsennotierter Firmen, die große Bitcoin-Bestände halten – und kommen zu einem kühnen, aber bedingten Fazit: Bitcoin könnte bis Ende 2025 die Marke von 160.000 US-Dollar erreichen, sofern die Kapitalstruktur dieser Unternehmen stabil bleibt.

Der Titel der Studie lautet: „BTC Treasuries Uncovered: Premiums, Leverage, and the Sustainability of Proxy Exposure“ Sie beleuchtet systematisch das Wechselspiel zwischen Unternehmenswert, Bitcoin-Besitz, Fremdfinanzierung und Marktpsychologie – mit besonderem Fokus auf MicroStrategy, das mittlerweile unter dem Namen Strategy firmiert.

Der Einfluss der Bitcoin-Treasury-Unternehmen

Die Analyse beginnt mit einer eindrucksvollen Zahl: Die aggregierten Bestände aller BTC-TCs belaufen sich laut Bericht auf rund 725.000 Bitcoin – das sind etwa 3,64 % der gesamten Umlaufmenge. Der Löwenanteil davon stammt von Strategy, das derzeit 597.000 BTC in seiner Bilanz führt. Doch die Autoren zählen über ein Dutzend weiterer Akteure mit teils massiven Engagements: darunter Marathon Digital, Metaplanet oder auch Neulinge wie Twenty One Capital.

Zusammengenommen übersteigen diese Unternehmensbestände inzwischen sogar die Volumina aller US-basierten Spot-Bitcoin-ETFs um mehr als 50 % – ein bemerkenswerter Befund, der die wachsende Bedeutung dieser Firmen im Bitcoin-Ökosystem unterstreicht.

Das Forschungsteam legt drei mögliche Szenarien für Bitcoin fest. Im Bullenszenario, dem sie eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 30 % geben, würde Bitcoin bis Ende 2025 über 160.000 US-Dollar steigen. Voraussetzung: globale Liquidität bleibt hoch, die institutionelle Nachfrage zieht weiter an, und die Kapitalstrukturen der BTC-TCs bleiben stabil.

Konkret spielt dabei der sogenannte NAV-Premium (Net Asset Value Premium) eine zentrale Rolle. Derzeit liegt dieser Aufschlag bei durchschnittlich 73 % – also dem Mehrwert, den Anleger bereit sind, über dem realen Bitcoin-Bestand einer Firma zu zahlen. Diese Prämie erlaubt es Unternehmen, neue Aktien wertsteigernd (akquisitiv) auszugeben. So können sie frisches Kapital beschaffen, um weiteren Bitcoin zu kaufen – und gleichzeitig ihre teils massiven Schulden bedienen.

Doch diese Dynamik ist zerbrechlich. Sobald das Marktvertrauen schwindet, können die Emissionen schnell in verwässernde Maßnahmen kippen – und das Geschäftsmodell kollabieren.

Strategy: Das Paradebeispiel für das „Bitcoin-Yield-Modell“

Niemand hat das Prinzip des BTC-Treasury-Modells so konsequent umgesetzt wie Michael Saylor mit seiner Firma Strategy. Seit dem ersten Bitcoin-Kauf im August 2020 hat sich der Bitcoin-Bestand pro Aktie („BPS“ – Bitcoin Per Share) mehr als verelffacht. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 63 % – weit über den 6,7 % CAGR, den man laut Studie bräuchte, um den aktuellen Premium von 91 % zu rechtfertigen.

Die Autoren argumentieren: Wer an die Fortsetzung dieser Performance glaubt, sei mit MSTR-Aktien besser bedient als mit physischem Bitcoin – vorausgesetzt, das Vertrauen der Anleger bleibt erhalten. Sollte jedoch das Sentiment kippen, könne das System rasch ins Gegenteil umschlagen.

Ein weiteres Risiko liegt im Schuldenprofil der Unternehmen. Viele BTC-TCs haben in den letzten Jahren massiv über Wandelanleihen (Convertible Notes) finanziert – insbesondere Strategy, das allein für 8,2 Milliarden US-Dollar der gesamten 9,5 Milliarden Dollar an BTC-TC-Schulden verantwortlich ist. Die nächste große Welle dieser Schuldtitel wird 2027 und 2028 fällig.

Zwar sind die meisten dieser Anleihen mit geringen oder gar keinen Zinszahlungen versehen, doch ihr Erfolg hängt davon ab, dass der Aktienkurs der Firmen über dem jeweiligen Wandlungspreis bleibt. Sollte Bitcoin – und damit auch der Aktienkurs – einbrechen, müssten Unternehmen wie Strategy oder Marathon ihre Schulden bar zurückzahlen oder zu ungünstigeren Bedingungen refinanzieren. Die Autoren warnen daher:

„Ein starker Bitcoin-Rückgang könnte die Umwandlungsschwellen gefährden und Liquiditätsprobleme verschärfen.“

Zwei Gruppen – zwei Risiken: Cashflow vs. Kapitalbedarf

Die Studie teilt das Universum der BTC-TCs in zwei Lager auf:

  • Auf der einen Seite stehen cashflow-starke Unternehmen wie Metaplanet, CoinShares oder Boyaa Interactive. Sie verfügen über mehr als acht Quartale finanziellen Spielraum – also ausreichend Polster, um kurzfristige Krisen abzufedern.
  • Auf der anderen Seite stehen kapitalabhängige Firmen wie Marathon, Nakamoto oder DeFi Technologies. Diese könnten laut Bericht gezwungen sein, mehr als 3 % neue Aktien pro Quartal auszugeben, nur um solvent zu bleiben – sofern sich die NAV-Prämien nicht halten.

Wenn diese Prämien jedoch verschwinden, bleibt nur die Wahl zwischen Verwässerung, Bitcoin-Verkäufen oder Insolvenz. In einem solchen Szenario würde das gesamte BTC-Treasury-Modell ad absurdum geführt – denn der Bitcoin selbst, der als werthaltiger Anker dienen soll, müsste verkauft werden.


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Das Basisszenario: Solide, aber kein Freifahrtschein

Keyrock sieht in seinem Basisszenario, das die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit erhält, einen Bitcoin-Kurs von etwa 135.000 US-Dollar zum Jahresende 2025. Die NAV-Prämien kühlen in diesem Fall auf 30–60 % ab. Unternehmen wie Strategy könnten weiterhin besser performen als der Spotmarkt, doch der Leverage-Effekt würde abnehmen.

Im Bärenszenario, dem die geringste, aber nicht unbedeutende Wahrscheinlichkeit zugeschrieben wird, fällt Bitcoin um 20 %, während zahlreiche neue BTC-TCs auf den Markt drängen. Das würde zu einer Verwässerung des Interesses, einem Rückgang der Prämien und dem Einfrieren der Refinanzierungsmöglichkeiten führen. In diesem Szenario könnte das gesamte BTC-TC-Konstrukt unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen.

Die Autoren machen klar: BTC-TCs sind kein konservativer Bitcoin-Ersatz. Sie sind eine spekulative Überlagerung, die das Risiko wie auch die Chancen von Bitcoin verstärken. Das Modell funktioniert – aber nur so lange, wie die Anleger Vertrauen in die Story haben und bereit sind, eine Prämie auf den Buchwert zu zahlen.

Michael Saylor hat mit seinem Bitcoin-Yield-Modell bisher Erfolg gehabt. Doch der Preis dafür ist hoher Fremdkapitalanteil, hohe Bewertung und geringe Fehlertoleranz. Wer investiert, muss wissen: Das Momentum kann jederzeit kippen – und mit ihm die gesamten Bewertungen.

Der letzte Satz der Studie bringt es auf den Punkt:

„Ob Bitcoin bis zum 31. Dezember 2025 auf 160.000 US-Dollar steigt, hängt weniger von Hashrate oder Makromodellen ab – sondern davon, ob Investoren bereit bleiben, 1,50 US-Dollar für einen Dollar Bitcoin zu zahlen.“

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