BIP-110 startet mit 2,5 Prozent Miner-Unterstützung
Bitcoin erreichte am 7. August Blockhöhe 961.632 und löste damit offiziell die verpflichtende Signalisierungsphase für den umstrittenen Soft-Fork-Vorschlag BIP-110 aus. Laut On-Chain-Daten lag die Miner-Unterstützung zu diesem Zeitpunkt bei nur etwa 2,5 Prozent – meilenweit entfernt von der erforderlichen Aktivierungsschwelle von 55 Prozent. Trotzdem treiben Befürworter das Vorhaben als User-Activated Soft Fork weiter voran, bei dem Node-Betreiber statt Miner die Regeländerung durchsetzen sollen.
Mandatorisches Signaling ohne Rückhalt
BIP-110 soll temporär verhindern, dass nicht-finanzielle Daten in Bitcoin-Transaktionen eingebettet werden. Namhafte Stimmen wie Strategy-Chairman Michael Saylor und Blockstream-CEO Adam Back haben sich öffentlich gegen den Vorschlag positioniert. Die BIP-110-Kette liegt inzwischen einen Block hinter der Standard-Bitcoin-Blockchain zurück – ein technisches Detail, das die tiefen Meinungsunterschiede innerhalb der Community offenlegt.

Laut Trackern lag die Signalisierung zuletzt bei rund 2,6 Prozent. Die eigentliche Datenbeschränkung von BIP-110 soll erst um Blockhöhe 965.664 greifen, was Entwickler auf Anfang September datieren.
Replay-Angriffe: Das Risiko für Coin-Verkäufer
Entwickler warnen eindringlich davor, Fork-Coins zu verkaufen. Da beide Ketten anfangs identische Transaktionssignaturen akzeptieren, kann eine signierte Transaktion zum Verkauf von Fork-Coins auch auf der Bitcoin-Hauptkette ausgeführt werden – der Käufer erhält dann echte Bitcoin des Verkäufers auf der Mainchain.
Bitcoin-Entwickler Kevin Loaec wies auf X darauf hin, dass insbesondere große Halter zuerst ins Visier geraten könnten, und riet dazu, betroffene Coins schlicht nicht zu bewegen. Solange keine Transaktion signiert ist, kann sie auch nicht kopiert werden. Bis mindestens Anfang September fehlt dem BIP-110-Fork ein eingebauter Replay-Schutz, wie Entwickler betonen.
Sicherheitslücken im großen Stil
Parallel zur Fork-Debatte deckte das freiwillige Entwicklerteam Bitcoin Red Team innerhalb von 24 Stunden 4.962 Sicherheitslücken in rund 390 Bitcoin-Projekten auf, darunter 85 kritische und 635 schwerwiegende Schwachstellen. Das Team nutzt KI-Modelle von Moonshot, OpenAI und Anthropic und verbraucht dabei täglich rund 10.000 US-Dollar an Rechenressourcen, finanziert von OpenSats.
Mehr Hintergrund zu den einzelnen Funden liefert die Analyse zu den Bitcoin-Red-Team-Sicherheitsbefunden. Die Effizienz der Prüfung ist bemerkenswert, offenbart aber zugleich, dass KI-Werkzeuge Angreifern und Verteidigern gleichermaßen in die Hände spielen.
Coldcard-Exploit verschärft Vertrauenskrise
Zusätzlich befeuert wird die Verunsicherung durch einen Exploit der Hardware-Wallet Coldcard, bei dem binnen wenigen Tagen fast 2.000 Bitcoin – gut 100 Millionen US-Dollar – von mehr als 5.200 Adressen abgezogen wurden. Angreifer nutzten dabei einen seit fünf Jahren bestehenden Fehler bei der Schlüsselerzeugung aus. Details zum Ablauf finden sich in der Aufarbeitung des Coldcard-Exploits.

Cobra, anonymer Mitbetreiber von bitcoin.org, äußerte ein sehr ungutes Gefühl, dass KI beim Coldcard-Vorfall eine Rolle gespielt haben könnte.
Marktreaktion und Ausblick
Der Bitcoin-Preis bewegt sich nach den jüngsten Vorfällen weiterhin nahe seinen jüngsten Tiefs, der Markt reagiert entsprechend sensibel auf weitere Sicherheitsschlagzeilen. Ob die BIP-110-Minderheitskette relevante Wirtschaftsaktivität und Hashrate anziehen kann, bleibt offen. Ohne eingebauten Replay-Schutz bleibt jede Bewegung von Coins für Nutzer riskant, solange die Trennung der Ketten nicht technisch abgeschlossen ist.