Vitalik Buterin schlägt Alarm: Scharfe Kritik an EU-Plänen zur Chatkontrolle
Ethereum-Mitbegründer Vitalik Buterin hat sich mit Nachdruck gegen die geplante Chatkontrolle der Europäischen Union ausgesprochen. In einem Beitrag auf der Plattform X machte der bekannte Blockchain-Entwickler deutlich, dass er in der geplanten Überwachung privater Kommunikation eine ernsthafte Bedrohung für digitale Freiheitsrechte sieht. Besonders das sogenannte Client-Side-Scanning, also das Durchsuchen von Nachrichten direkt auf dem Endgerät, bevor sie verschlüsselt sind, ist aus seiner Sicht höchst problematisch.
Buterin warnte, dass solche Sicherheitslücken zwangsläufig auch von Dritten ausgenutzt werden könnten. „Man kann keine sichere Gesellschaft auf der Grundlage unsicherer Kommunikation aufbauen“, schrieb der Entwickler. Das Prinzip der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung würde durch diese Hintertüren fundamental mit schwerwiegenden Folgen für die digitale Sicherheit aller Nutzer untergraben.
Fight Chat Control.
You cannot make society secure by making people insecure.
We all deserve privacy and security, without inevitably hackable backdoors, for our private communications.
The fact that the government officials want to exempt themselves from their own law is… https://t.co/OY5NXyk58j
— vitalik.eth (@VitalikButerin) September 27, 2025
Kritik an Ausnahmeregeln für Behörden
Brisant ist laut Buterin auch die Tatsache, dass Regierungsbeamte von den Überwachungsmaßnahmen offenbar ausgenommen werden sollen. Medienberichten zufolge planen einzelne Innenministerien, sich selbst sowie Geheimdienste, Polizei und Militär von der Anwendung des Gesetzes auszuklammern. Für den Ethereum-Gründer ist das ein klarer Fall von Doppelmoral: Wenn eine Regel nicht für alle gilt, sollte sie für niemanden gelten.
Diese Sonderregelungen werfen laut Kritikern auch ein Schlaglicht auf die politische Motivation hinter dem Gesetz. Es gehe weniger um Schutz als um Kontrolle, und das in einem Maße, das fundamentale Grundrechte tangiert. Die Krypto-Community zeigt sich entsprechend besorgt, zumal die geplante Regulierung das Vertrauen in digitale Plattformen und Verschlüsselungssysteme insgesamt schwächen könnte.
Web3 als Rückzugsort für Privatsphäre?
Mit dem Aufkommen solcher Überwachungstechnologien könnten dezentrale Netzwerke eine noch wichtigere Rolle im Schutz der digitalen Selbstbestimmung einnehmen. Anders als zentralisierte Dienste speichern Web3-Protokolle keine Kommunikationsdaten auf Servern. Unternehmen wie Diode und Brickken sowie verschiedene Prognosen für Ethereum und andere Kryptowährungen sehen in der Diskussion deshalb eine Chance, dezentrale Infrastrukturen als Gegenmodell zu etablieren.
Hans Rempel von Diode betont etwa, dass Web3 auf Prinzipien wie Besitzkontrolle und Verschlüsselung aufbaut, während Elisenda Fabrega von Brickken auf die mögliche Fragmentierung des EU-Digitalmarkts hinweist, sollte das Gesetz verabschiedet werden. Zudem verstoße es nach ihrer Einschätzung gegen Artikel 7 und 8 der EU-Grundrechtecharta, die Privatsphäre und Datenschutz als zentrale Werte festschreiben.
Abstimmung mit Tragweite
Ob die umstrittene Verordnung letztlich Realität wird, hängt maßgeblich von der Entscheidung Deutschlands ab. Zwar haben bereits 15 Mitgliedstaaten ihre Zustimmung signalisiert, das reicht aber noch nicht für die notwendige Bevölkerungsmehrheit innerhalb der EU. Sollte Berlin dem Vorschlag zustimmen, stünden die Chancen auf eine Verabschiedung gut. Bei Enthaltung oder Ablehnung könnte das Vorhaben hingegen scheitern.
Die finale Abstimmung ist für den 14. Oktober angesetzt. Ihr Ausgang könnte nachhaltige Folgen für Europas digitalen Kurs haben.