Streit um Cardano-Governance: Ein Vorschlag durchgefallen, ein anderer auf Kurs
In einer Mitteilung am späten Abend des 3. Juni veröffentlichte Input Output Global (IOG) das Ergebnis seiner Prüfung von zwei wichtigen Governance-Vorlagen innerhalb der Cardano-Community. Das Fazit: Ein Vorschlag wurde für verfassungswidrig erklärt, der andere als verfassungskonform eingestuft.
Das sorgt für Diskussionen. Denn diese Prüfungen sind Teil der neuen Verfassung, die Cardano im Februar 2025 eingeführt hat. Ziel ist es, Entscheidungen auf der Blockchain nachvollziehbar, transparent und juristisch belastbar zu machen.
Liquidity-Vorschlag scheitert an formalen Regeln
Beim ersten Governance-Antrag ging es um ein Liquidity-Budget für DeFi-Projekte auf Cardano. Der Plan: 50 Millionen ADA (aktuell rund 25 Mio. US-Dollar) sollten über zwölf Monate als Liquidität für dezentrale Börsen bereitgestellt werden.
Doch laut IOG verstößt dieser Vorschlag gegen Artikel III, Abschnitt 5 der Cardano-Verfassung. Dieser schreibt vor, dass der Hash-Wert des Dokuments, auf dem der Vorschlag basiert, exakt mit dem Hash übereinstimmen muss, der in der Transaktion auf der Blockchain hinterlegt ist.
Im Fall des DeFi-Vorschlags stimmten die beiden Werte nicht überein. Damit ist nicht mehr sicher, ob das off-chain bereitgestellte PDF oder JSON-Dokument identisch mit der Version ist, auf die sich die Blockchain bezieht. Diese Inkonsistenz untergräbt das Prinzip der Unveränderlichkeit und Transparenz – und wird deshalb von IOG als „verfassungswidrig“ gewertet.
Auch wenn DReps (Delegierte Vertreter mit Stimmrecht) weiterhin abstimmen dürfen, wird das Ergebnis vom verfassungsgebenden Ausschuss ignoriert, solange die Vorlage nicht überarbeitet und korrekt eingereicht wird. Damit ist der Antrag praktisch gescheitert – ein seltener, aber bedeutender Präzedenzfall.
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Zweiter Vorschlag klar auf Erfolgskurs
Ganz anders sieht es beim zweiten Antrag aus, genannt „Amaru 2025“. Dieser sieht ein Budget von 1,5 Millionen ADA vor, um eine alternative Cardano-Node in der Programmiersprache Rust zu entwickeln. Ziel ist es, die Dezentralisierung zu fördern – ein zentraler Punkt im Preamble und Artikel I der Cardano-Verfassung.
Laut Governance-Dashboard liegt die Zustimmung derzeit bei über 90 % – weit über der nötigen Schwelle von 50 %, die für Finanzierungsanträge gilt. IOG bestätigte, dass alle technischen und formalen Anforderungen erfüllt sind:
- Metadaten-Hash stimmt mit dem Dokument überein
- Ziel des Vorschlags passt zu Cardanos Dezentralisierungszielen
- Verwaltung des Budgets ist klar geregelt
- Gesamtkosten liegen unter dem erlaubten Ausgabenlimit
Einzig der Budgetpunkt „Ad-hoc mercenaries“ zur Durchführung von Audits sei laut IOG unklar formuliert und sollte vor Auszahlung näher beschrieben werden.
Warum diese Regeln wichtig sind
Diese Episode zeigt, warum formale Details wie Metadaten-Hashes entscheidend sind. Ohne sie könnte sich ein Dokument nachträglich ändern lassen, ohne dass die Community dies merkt. Die Integrität des Governance-Systems hängt davon ab, dass jede Vorlage genau mit dem auf der Blockchain gespeicherten Stand übereinstimmt.
IOG brachte es in seiner Mitteilung auf den Punkt: „Die Abweichung untergräbt die verfassungsrechtliche Forderung nach einer klaren, überprüfbaren und identischen Verbindung zwischen der Governance-Aktion und ihrer Spezifikation.“
Cardanos neue Governance-Strukturen stehen auf dem Prüfstand. Der Fall zeigt, dass technische Sorgfalt und Transparenz keine Nebensache sind – sie sind die Grundlage für ein funktionierendes dezentrales System. Nur wenn Verfassung und Technologie Hand in Hand gehen, kann das Cardano-Netzwerk Entscheidungen treffen, die wirklich von der Community getragen werden.