Strategy kauft Bitcoin für 1,3 Milliarden Dollar: Mutige Wette trotz Milliardenverlusten

Marc Wenzel
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Marc Wenzel
Krypto-Analyst & Marktstratege

Seit 13 Jahren ist er tief in der Kryptoszene verwurzelt und hat den Aufstieg von Bitcoin sowie DeFi von Anfang an begleitet. Mit Fokus auf wirtschaftliche Hintergründe analysiert er den Markt sachlich und kritisch. Er hilft dabei Risiken besser zu verstehen und Chancen klar einzuordnen.

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Strategy kauft Bitcoin für 1,3 Milliarden Dollar: Mutige Wette trotz Milliardenverlusten

Ein Kauf, der selbst für die Verhältnisse von Strategy aus der Reihe fällt: Rund 1,3 Milliarden US-Dollar fließen in einer einzigen Woche in Bitcoin, mehr als 13.600 Coins wechseln den Besitzer. Es ist der größte Zukauf seit Juli und kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen gerade erst einen zweistelligen Milliardenverlust in den Büchern ausgewiesen hat und die eigene Aktie ein schwieriges Jahr hinter sich hat. Warum also erhöht Strategy ausgerechnet jetzt noch einmal so massiv die Wette auf Bitcoin – und was bedeutet dieser Schritt für den Markt, die Aktie und das viel diskutierte Treasury-Modell?

Strategy kauft Bitcoin: 13.600 Coins in einer Woche

Zwischen dem 5. und 11. Januar hat Strategy nach eigenen Angaben rund 13.600 Bitcoin erworben, was einem Investitionsvolumen von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar entspricht. Es handelt sich um den größten Wocheneinkauf seit Juli, als das Unternehmen letztmals in vergleichbarer Größenordnung zugriff. In einem Markt, der zum Jahresstart 2026 eher von vorsichtiger Stabilisierung als von Euphorie geprägt ist, wirkt der Schritt wie ein bewusst gesetztes Ausrufezeichen.

Der Kauf kommt zudem in einer Phase, in der Bitcoin selbst vergleichsweise ruhig um die Marke von 90.000 bis 93.000 US-Dollar pendelt. Strategy nutzt damit offenbar keine kurzfristige Schwächephase, sondern setzt strategisch auf den weiteren Ausbau der Position. Für den Markt ist das vor allem deshalb relevant, weil ein einzelner Akteur in dieser Größenordnung als struktureller Nachfragetreiber auftritt und Liquidität bindet.

  • bitcoin
  • Bitcoin
    (BTC)
  • Preis
    $63,870.00
  • Marktkapitalisierung
    $1.28 T

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687.400 Bitcoin im Bestand: Ein Gigant der Angebotsseite

Mit dem jüngsten Zukauf steigt der Gesamtbestand von Strategy auf rund 687.400 Bitcoin. Je nach Tageskurs entspricht das einem Marktwert von etwa 62 bis 63 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Unternehmen nicht nur mit Abstand der größte börsennotierte Corporate Holder, sondern inzwischen ein Akteur, der auch aus makroökonomischer Perspektive nicht mehr ignoriert werden kann.

Der durchschnittliche Einstiegspreis über alle Käufe hinweg liegt bei rund 75.300 US-Dollar pro Bitcoin, insgesamt hat Strategy bisher etwa 51,8 Milliarden US-Dollar investiert. Diese Zahlen zeigen, wie stark das Unternehmen inzwischen von der Entwicklung eines einzigen Assets abhängt. Gleichzeitig fungiert Strategy damit faktisch als langfristiger Angebotsabsorber, der einen beträchtlichen Teil der neu verfügbaren Liquidität vom Markt fernhält.

So wurde der Kauf finanziert: Aktien, STRC und Verwässerung

Finanziert wurde der Milliardenkauf überwiegend über die Ausgabe neuer Aktien. Konkret platzierte Strategy rund 6,8 Millionen Stammaktien und nahm damit etwa 1,1 Milliarden US-Dollar ein. Zusätzlich wurden rund 119 Millionen US-Dollar über die STRC Preferred Shares eingesammelt, ein hochverzinsliches Produkt, das das Unternehmen gezielt als Alternative zu klassischen Sparformen positioniert.

Ergänzend kamen sogenannte At-the-Market-Verkäufe zum Einsatz, bei denen Aktien fortlaufend in den Markt gegeben werden. Für bestehende Aktionäre bedeutet das eine schleichende Verwässerung, für Strategy selbst aber die Möglichkeit, die Bitcoin-Position weiter auszubauen, ohne direkt auf Fremdkapital angewiesen zu sein. De facto wird Bitcoin damit zum Kern der Kapitalstruktur erhoben.


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Der Kauf trotz 17,4 Milliarden Dollar Buchverlust

Brisant ist der Zeitpunkt des Kaufs auch deshalb, weil Strategy kurz zuvor einen nicht realisierten Verlust von 17,44 Milliarden US-Dollar für das vierte Quartal gemeldet hatte. Hintergrund ist die Umstellung auf eine Fair-Value-Bilanzierung, die es vorschreibt, die Bitcoin-Bestände zum aktuellen Marktwert in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen. Kursrückgänge schlagen damit unmittelbar und in voller Höhe auf das Ergebnis durch.

Im vierten Quartal war Bitcoin um rund 24 Prozent gefallen, der stärkste Rückgang seit dem zweiten Quartal 2022. Die Folge sind extreme Schwankungen zwischen Gewinnen und Verlusten, die das operative Ergebnis überlagern. Der jüngste Kauf wirkt vor diesem Hintergrund wie ein klares Signal, dass Strategy die bilanzielle Volatilität bewusst in Kauf nimmt, um an der langfristigen These festzuhalten.

MSCI verschiebt Entscheidung: Politischer Rückenwind für Strategy

Ein wichtiger externer Faktor ist die jüngste Entscheidung des Indexanbieters MSCI, den möglichen Ausschluss krypto-lastiger Unternehmen aus wichtigen Indizes vorerst zu verschieben. Damit bleibt Strategy zumindest bis zur nächsten Überprüfung im Februar weiter indexfähig. Zuvor hatten unter anderem Banken darauf hingewiesen, dass ein Ausschluss Milliardenabflüsse aus Indexfonds hätte auslösen können.

Für Strategy ist diese Atempause strategisch wertvoll. Sie stabilisiert die Nachfrage nach der Aktie und verschafft dem Unternehmen Zeit, seine Kapitalmarktstrategie fortzusetzen. Das Management sprach von einem Sieg für neutrales Indexing und wirtschaftliche Realität. Der zeitliche Zusammenhang legt nahe, dass der massive Bitcoin-Kauf auch als selbstbewusste Antwort auf diese regulatorische Unsicherheit zu verstehen ist.


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Das Treasury-Modell unter Druck: Aktie –48 Prozent in 2025

Trotz aller Zuversicht des Managements steht das sogenannte Treasury-Modell zunehmend in der Kritik. Die Strategy-Aktie verlor im Jahr 2025 rund 48 Prozent an Wert und notiert aktuell im Bereich von 158 bis 159 US-Dollar. Viele Investoren stellen die Frage, wie nachhaltig ein Geschäftsmodell ist, das fast vollständig von der Entwicklung eines nicht verzinslichen Assets abhängt.

Hinzu kommt, dass das ursprüngliche Softwaregeschäft nur begrenzte Cashflows generiert. Gleichzeitig steigen die Verpflichtungen aus Zins- und Dividendenzahlungen. Die Sorge, dass Strategy eines Tages gezwungen sein könnte, Bitcoin zu verkaufen, um laufende Kosten zu decken, ist damit nicht vom Tisch. Der jüngste Kauf widerspricht dieser Logik zwar, erhöht aber zugleich die Abhängigkeit weiter.

2,25 Milliarden Dollar Cash und die Frage nach dem Ausblick für Bitcoin

Um genau diesem Risiko zu begegnen, hat Strategy bereits Anfang Dezember begonnen, eine Liquiditätsreserve aufzubauen. Durch weitere Aktienverkäufe wurde ein Cash-Polster geschaffen, das Anfang Januar rund 2,25 Milliarden US-Dollar betrug. Dieses Polster soll sicherstellen, dass kurzfristige Verpflichtungen bedient werden können, ohne die Bitcoin-Bestände antasten zu müssen.

Parallel dazu wird am Markt genau beobachtet, wie sich die Bewertungskennzahl mNAV entwickelt, also das Verhältnis von Unternehmenswert zu Nettoinventarwert der Bitcoin-Bestände. Aktuell liegt dieser Wert bei etwa 1,03 und damit nur knapp über dem Substanzwert. Ob sich hier wieder ein größeres Premium aufbaut, hängt letztlich auch davon ab, ob Bitcoin in den kommenden Monaten neue Impulse setzen kann.


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