Pierre Rochard: Warum Bitcoin kein Sicherheitsbudget-Problem hat

Patrik
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Patrik
Marktanalyst & Redakteur

Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.

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Pierre Rochard: Warum Bitcoin kein Sicherheitsbudget-Problem hat

Seit Jahren wird über die langfristige Sicherheit von Bitcoin gestritten. Kritiker sehen ein strukturelles Problem: Mit jeder Halbierung sinkt die Blockbelohnung, bis Miner irgendwann keine Einnahmen mehr hätten. Ohne ausreichend Anreize, so die Befürchtung, würde die Netzwerksicherheit erodieren und ein 51%-Angriff realistischer. Ethereum-Forscher wie Justin Drake sprechen deshalb von einer „tickenden Zeitbombe“.

Pierre Rochard, VP of Research bei Riot Platforms, hält diese Argumentation für einen Kategorienfehler. Er betont, dass Kritiker zwei Ebenen vermischen: die Regeln von Bitcoin einerseits und die ökonomische Dynamik der Settlement-Finalität andererseits.

Regeln, Gebühren und die Dynamik der Sicherheit

Die Regeln von Bitcoin – etwa das 21-Millionen-Limit oder die Blockgewichtung – werden von Nodes und privaten Schlüsseln durchgesetzt, nicht von Minern. Miner sichern lediglich die Finalität, also die ökonomischen Kosten einer nachträglichen Manipulation. Die entscheidende Frage lautet daher: Kann das Netzwerk Angriffe im richtigen Moment so teuer machen, dass sie unprofitabel sind?

Rochard sieht hier keinen statischen „Topf“ an Sicherheit, sondern einen Marktprozess. Wenn Subventionen sinken, passen sich Difficulty und Minerbeteiligung an. Gleichzeitig steigen in Phasen von Engpässen die Transaktionsgebühren, was die Kosten für Angreifer in die Höhe treibt. Historische Beispiele wie die Gebührenexplosionen 2017, 2021 oder 2023 belegen, dass in Stressphasen Gebührenblöcke allein höher ausfielen als die Blockbelohnung.

Nutzer als aktive Sicherheitsakteure

Ein Kernpunkt in Rochards Argumentation ist, dass Nutzer nicht passiv sind. Mit Mechanismen wie Replace-By-Fee (RBF) oder Child-Pays-For-Parent (CPFP) können sie Transaktionen attraktiver machen, sodass sie für Miner quasi zu einem Kopfgeld werden. Jeder Miner hat einen Anreiz, solche Transaktionen einzuschließen, was Kartelle sofort instabil macht.

Auch Empfänger haben Stellschrauben: Sie können die Zahl der Bestätigungen erhöhen, sobald Manipulationsgefahr besteht. Damit steigen die Kosten für Angreifer weiter, da sie längere Reorgs aufrechterhalten müssten. Die Kombination aus steigenden Gebühren, Pool-Wettbewerb und höheren Bestätigungsanforderungen treibt die Angreiferkosten exponentiell nach oben.

Keine „Bestechungsorakel“ – sondern Marktmechanismen

Rochard widerspricht auch der Idee, Bitcoin bräuchte ein „Bestechungsorakel“, um auf externe Anreize zu reagieren. Öffentliche Gebühren seien sofort sichtbar und zuverlässig, während private Bestechungen unsicher, rechtlich riskant und schwer durchsetzbar seien. Rational handelnde Miner bevorzugten daher die sichere Auszahlung über Gebühren. Kartelle seien naturgemäß brüchig, da der erste Ausbrecher den größten Gewinn einstreicht.

Pool-Kollusion und Hardware-Angriffe sieht er ähnlich kritisch: Pools, die Gebühren verweigern, verlieren Hashrate, und selbst massive Hardwareausfälle führen nur zu temporären Verlangsamungen, bevor die Difficulty die Balance wiederherstellt.

Am Ende destilliert Rochard seine Sicht in einem Satz: Bitcoin verlässt sich nicht auf den Altruismus der Miner, sondern auf ihren Eigennutz. Wenn Angriffe auftreten, steigen die Gebühren, Nutzer und Empfänger passen ihr Verhalten an, Miner brechen aus Kartellen aus und die Difficulty sorgt für Rebalancierung. Damit ist die Sicherheit von Bitcoin kein Loch, das gefüllt werden muss, sondern ein dynamischer Marktmechanismus, der die Kosten für Angriffe genau dann hochschraubt, wenn es darauf ankommt.

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Er macht seit neun Jahren das Fachchinesisch der großen Banken für private Anleger verständlich. Er nimmt komplexe Berichte von Bloomberg und macht daraus klare Analysen zu Bitcoin oder Solana. Sein Fokus liegt auf echtem Hintergrundwissen damit Anleger Marktbewegungen logisch einordnen können.