Mike Novogratz lobt XRP-Community: „Das ist eine der stärksten Bewegungen im Krypto-Sektor“
Galaxy-Digital-CEO Mike Novogratz hat sich überraschend positiv über XRP geäußert – wenn auch mit einer ungewöhnlichen Begründung. In einem Podcast mit Kyle Chassé erklärte er, dass der Wert des Tokens weniger in seiner aktuellen On-Chain-Nutzung liege, sondern vielmehr in der außergewöhnlich widerstandsfähigen Community, die selbst harte Rückschläge wie Klagen, Bärenmärkte und Spott aus der Branche überstanden habe.
„Eines der stärksten Communitys“
„XRP hat eine der stärksten Communitys überhaupt“, sagte Novogratz. „Wenn man etwas Negatives über sie sagt, stehen die Leute am nächsten Tag vor deinem Haus mit Protestschildern.“ Nach seiner Einschätzung sei diese Intensität der eigentliche Werttreiber von XRP. Zwar gebe es im Moment deutlich aktivere Netzwerke wie Solana, doch für den XRP-Kurs spiele das aktuell kaum eine Rolle: „Ihr Wert liegt in der Intensität ihrer Community.“
Novogratz stellte den Zusammenhang in einen größeren Kontext. Seit der Finanzkrise 2008 sei das Vertrauen in traditionelle Institutionen erschüttert. Viele Menschen suchten dieses Vertrauen nun in Krypto-Communities, die wie „Kulte“ funktionieren – nicht im abwertenden, sondern im soziologischen Sinn. „Alle erfolgreichen Kryptos sind Kulte“, sagte er. „Das ist Überzeugung, Identität, Mythos – und genau das stiftet Beständigkeit.“
Er verglich die Situation mit klassischen Aktien: „Ich mag Oracle, wenn es billig ist, und ich mag es nicht, wenn es teuer ist. So denken Investoren. Aber niemand aus der XRP-Army würde je sagen, dass XRP teuer ist. Sie wollen einfach dabei sein.“ Dieses Loyalitätsprinzip sei auch bei Bitcoin sichtbar, wo viele Anhänger die Kryptowährung zu ihrem Lebensinhalt gemacht hätten.
Von Tesla bis Bitcoin – wenn Märkte zur Bewegung werden
Der Moderator zog Parallelen zu Tesla, dessen Fangemeinde teils ähnlich identitätsgetrieben agiert. Novogratz stimmte zu: „Tesla ist ein Kult. Eine Community. Eine Bewegung.“ Genau dieser kulturelle Faktor könne über lange Zeiträume klassisches Bewertungsdenken überlagern. In dieser Logik seien es weniger fundamentale Kennzahlen, die über den Erfolg eines Tokens entscheiden, sondern die Stärke der Bewegung dahinter.
Als Beleg führte Novogratz die US-Rechtsstreitigkeiten rund um XRP an. Er habe nicht geglaubt, dass das Projekt diese überstehen würde – doch das Gegenteil sei eingetreten: „Es hat durchgehalten. Und es ist stärker als zuvor. XRP war nach den Klagen sogar einer der besten Käufe.“ Dabei lobte er explizit Ripple-CEO Brad Garlinghouse, der „weltklasse Arbeit“ geleistet habe, um die Community durch die juristisch unsichere Phase zu führen.
Abkehr von Dezentralisierungs-Dogmen
Der Galaxy-Chef nutzte das Gespräch auch, um eine eigene Positionsänderung offenzulegen. Früher habe er XRP kritisiert, weil es nicht so dezentral sei wie Bitcoin. Heute sehe er das anders: „Wer bin ich, den Leuten vorzuschreiben, wo sie ihr Geld speichern sollen? Die Arroganz zu sagen, meine Community ist gut, aber deine ist schlecht – das ist einfach dumm.“ Ob XRP, Cardano oder Bitcoin: Jede Community habe ihre eigene „Verfassung“ und Kultur, die für ihre Mitglieder bindend sei.
Ein Beispiel führte er aus der eigenen Firma an: In den Galaxy-Büros hängt der Bitcoin-Whitepaper-Text an der Decke, wie der Vorspann in „Star Wars“. „Das ist die Verfassung der Bitcoin-Community.“ Übertragen auf XRP bedeutet das: Solange die „Verfassung“ der Community intakt bleibt, kann der Wert des Tokens auch ohne breite On-Chain-Nutzung durch Überzeugung und Identität getragen werden.
Zum Schluss sprach Chassé noch an, dass viele Retail-Anleger XRP selbst bei drei Dollar für „billig“ halten, weil sie es mit dem Preis von Bitcoin vergleichen. Novogratz wich einem klaren Urteil aus und betonte nochmals seine Haltung: „Wer bin ich, zu beurteilen, wo jemand sein Geld sparen will? Als Leute mich für verrückt hielten, dachte ich mir: Wer zur Hölle seid ihr, das zu entscheiden?“