Krypto News: Tokentus CEO zur Lage am Markt
Nach dem letzten Allzeithoch geriet Bitcoin spürbar unter Druck. Der Kurs fiel in kurzer Zeit bis auf rund 85.000 US-Dollar zurück. Für Oliver Michel, CEO von Tokentus, ist genau dieser Bereich aktuell entscheidend. Auch ohne tiefes Chartwissen lässt sich das einordnen: In einem stabilen Aufwärtstrend sollten Rücksetzer immer oberhalb der vorherigen Tiefs enden. Gelingt das, bleibt der Trend grundsätzlich gesund.
Die Zone um 80.500 US-Dollar könnte ein solches höheres Tief darstellen. Falls sich der Kurs darüber stabilisiert, wäre der langfristige Aufwärtstrend weiter gültig. Sollte Bitcoin jedoch darunter fallen, würde sich das Bild deutlich eintrüben. Michel betont jedoch, dass der aktuelle Rückgang allein noch kein Ausnahmefall ist. In früheren Marktphasen kam es mehrfach zu Korrekturen zwischen 30 und 36 Prozent, ohne dass der Bullenmarkt sofort beendet war. Genau in diesem Bereich bewegt sich Bitcoin auch jetzt.
Oliver Michels mit seiner Analyse, Quelle: “Der Aktionär TV” auf https://www.youtube.com/
Erholung oder weiteres Abrutschen: Zwei mögliche Szenarien
Kurzfristig befindet sich der Markt laut Michel an einem Scheideweg. Nach dem Rückgang zeigte sich zunächst eine leichte Gegenbewegung. Entscheidend ist nun, ob daraus mehr entsteht als nur eine kurze Erholung. Fachlich spricht man hier von zwei Varianten.
Die erste Möglichkeit ist eine sogenannte Relief-Rally. Dabei erholt sich der Kurs kurzfristig, weil Verkaufsdruck nachlässt und Schnäppchenjäger zugreifen. Diese Bewegung endet jedoch häufig wieder nach unten. Die zweite Variante wäre eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. In diesem Fall würde Bitcoin wieder höhere Kurse erreichen und das vorherige Hoch später übertreffen.
Eine wichtige Zwischenmarke liegt laut Michel bei rund 84.000 US-Dollar. Gelingt es Bitcoin nicht, diesen Bereich zurückzuerobern, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Zone um 80.000 US-Dollar noch einmal getestet wird. Das sorgt für Nervosität, ist aber aus technischer Sicht nicht ungewöhnlich.
Die Rolle der US-Notenbank: Warum Liquidität Zeit braucht
Ein zentrales Thema im Interview mit Oliver Michel ist die US-Notenbank. Zwar wurde der Leitzins zuletzt um 25 Basispunkte gesenkt, doch entscheidender sind die begleitenden Maßnahmen. Die Notenbank kauft kurzfristige US-Staatsanleihen mit Laufzeiten von einem bis zwölf Monaten. Das geplante Volumen liegt bei rund 40 Milliarden US-Dollar innerhalb von etwa 30 Tagen.
💥BREAKING:
🇺🇸 THE FED JUST INJECTED $16.81 BILLION INTO THE ECONOMY VIA OVERNIGHT REPOS. pic.twitter.com/HKXqWLHMlD
— Crypto Rover (@cryptorover) December 16, 2025
Zusätzlich wurde bei sogenannten Übernachtkrediten für Banken eine wichtige Grenze aufgehoben. Bisher war das Volumen gedeckelt, nun kann unbegrenzt Liquidität bereitgestellt werden. Diese Maßnahme richtet sich vor allem an große Finanzinstitute und soll das Finanzsystem stabil halten.
Michel macht jedoch klar, dass solche Schritte nicht sofort wirken. Das Geld fließt zwar ins System, braucht aber Zeit, bis es sich in steigenden Kursen abbildet. Seine Einschätzung: Spürbare Effekte könnten eher im Januar oder Februar sichtbar werden. Kurzfristig bleibt der Markt daher anfällig für Schwankungen.
Ein weiterer Faktor ist der US-Dollar. Der Dollarindex misst die Stärke der US-Währung gegenüber anderen wichtigen Währungen. Laut Michel wäre ein Rückgang des Index in den Bereich zwischen 96 und 97 Punkten positiv für Risikoanlagen. Ein schwächerer Dollar macht alternative Investments attraktiver, darunter auch Kryptowährungen.
Während klassische US-Aktienindizes zuletzt neue Hochs erreichten, hinkt Bitcoin hinterher. Dieses zeitversetzte Verhalten sei typisch. Häufig ziehen erst die Aktienmärkte an, bevor Kryptowährungen folgen. Entscheidend bleibt, ob sich dieser Effekt auch diesmal einstellt.
Technische Warnzeichen und die letzte Absicherung
Trotz aller Hoffnung spricht Michel auch Risiken offen an. Ein wichtiges Warnsignal ist der sogenannte RSI, ein Indikator für Stärke und Tempo einer Kursbewegung. Dieser befindet sich aktuell auf einem sehr niedrigen Niveau. Das spricht zwar für eine mögliche Erholung, zeigt aber auch, wie stark der Markt zuvor unter Druck stand.

Auch der Fear and Greed Index ist sehr nahe der “Extremen Angst”, Quelle: https://coinmarketcap.com/charts/fear-and-greed-index/
Zusätzlich weist Michel auf negative Signale im längerfristigen Chart hin. Besonders kritisch wird es, falls Bitcoin unter etwa 73.600 US-Dollar fallen sollte. Oberhalb dieses Bereichs bleibt das große Bild noch offen. Darunter würde sich die Lage klar verschlechtern.
Unterm Strich beschreibt Oliver Michel die aktuelle Phase als extrem sensibel. Zwischen Hoffnung auf eine Erholung und dem Risiko weiterer Rückgänge entscheidet sich in diesen Wochen, wie der nächste größere Abschnitt für Bitcoin aussehen könnte.