Galaxy schlägt Solana neue Inflationsregelung per MESA vor – Mehrstufiges Wahlverfahren soll Governance verbessern
- Galaxy Research bringt das MESA-System (Multiple Election Stake-Weight Aggregation) zur Abstimmung über Solanas Inflationskurve ins Spiel.
- Anstatt binärer Ja/Nein-Voten können Validatoren mehrere Inflationsstufen gewichten.
- Ziel ist eine schnellere, marktorientierte Annäherung an die langfristig angestrebte Inflationsrate von 1,5 % – ohne harte Systembrüche.
Ein neues Governance-Modell für Solanas Inflationspolitik
In einem am 17. April veröffentlichten Vorschlag hat Galaxy Research der Solana-Community ein neues Abstimmungsverfahren für die Inflationspolitik präsentiert. Der Ansatz soll die bisher teils festgefahrene Debatte über die Emissionskurve von SOL grundlegend reformieren – durch ein Verfahren namens Multiple Election Stake-Weight Aggregation (MESA).
Das Ziel: Ein flexibleres, stakebasiertes Governance-Modell, das keine binären Entscheidungen mehr verlangt, sondern eine gewichtete Mehrfachauswahl ermöglicht. So könnten sich die Validatoren differenziert zu verschiedenen Deflationsraten äußern, was in der Vergangenheit wegen starrer Ja/Nein-Abstimmungen scheiterte.
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Hintergrund: Inflation unter Druck
Die Diskussion rund um Solanas Inflationsmodell hat 2024 neuen Auftrieb bekommen. Der Grund: Mit der Umsetzung von SIMD-96 im Mai 2024 werden alle Prioritätsgebühren direkt an Validatoren ausgeschüttet, anstatt wie zuvor zur Hälfte verbrannt zu werden. Die tägliche Verbrennung von SOL sank dadurch von rund 18.000 auf nur noch 1.000 Tokens – eine Maßnahme, die faktisch zu einer höheren Nettoneuemission führte.
Gleichzeitig verfolgt Solana nach wie vor das Ziel, langfristig eine Inflationsrate von 1,5 % pro Jahr zu erreichen. Der aktuelle Emissionspfad würde dieses Ziel allerdings erst nach rund 7,4 Jahren erreichen – etwa im Epoch-Zyklus 2.135. Die Community ist sich einig, dass dieser Zeitraum zu lang ist, doch Vorschläge zur dynamischen Anpassung – wie SIMD-228 – scheiterten zuletzt an den strikten Quoren von 66,67 % Zustimmung, obwohl über 61 % dafür stimmten.
Der neue Vorschlag von Galaxy basiert auf einem mehrstufigen Wahlsystem, das mehrere "Ja"-Optionen vorsieht – z. B. Deflationsraten von 15 %, 17,5 %, 20 % oder 25 %. Jeder Validator kann seine Stimme entsprechend seinem gestakten Anteil auf diese Optionen verteilen.
Wird das erforderliche Quorum erreicht und die Zustimmungsschwelle überschritten, berechnet das System den gewichteten Durchschnitt aller Ja-Stimmen, um daraus eine neue Zielrate abzuleiten. Damit entsteht eine marktorientierte, vorhersehbare Deflationskurve, die nicht auf spontane Netzwerkmetriken angewiesen ist.
Galaxy betont ausdrücklich, dass es sich nicht um einen konkreten Vorschlag zur Höhe der Inflation handelt, sondern um eine Governance-Infrastruktur, die der Community mehr Flexibilität und Aussagekraft bei Abstimmungen geben soll.
In einem Beispiel im Vorschlag votieren 5 % der Ja-Stimmen für die Beibehaltung der aktuellen 15 %-Rate, 50 % für eine Reduktion auf 30 % und 45 % für 33 %. Das Ergebnis: eine neue effektive Deflationsrate von 30,6 %. Solche feingliedrigen Abstimmungen wären mit binären Verfahren nicht möglich.
Gleichzeitig stellt Galaxy der Community wichtige Fragen zur Feinabstimmung:
- Wie viele Deflationsstufen sollen zur Auswahl stehen?
- Soll das bekannte Zwei-Drittel-Quorum aus SIMD-228 beibehalten werden?
- Ist der einfache gewichtete Mittelwert die beste Berechnungsmethode?
Galaxy Research liefert mit dem MESA-System einen durchdachten Vorschlag, der nicht nur das Potenzial hat, die Inflationskurve von Solana schneller auf das Zielniveau zu bringen, sondern auch die Abstimmungsstruktur transparenter und flexibler zu gestalten. Anstatt wie bei SIMD-228 am Quorum zu scheitern, könnten künftig differenzierte Mehrheitsmeinungen wirksam werden.
Das neue Verfahren dürfte besonders für Validatoren attraktiv sein, die sich bisher zwischen extremer Ablehnung und vollständiger Zustimmung entscheiden mussten. Ob die Community bereit ist, diesen governance-strukturellen Schritt zu gehen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Der Impuls dafür ist jetzt gesetzt.