Experte: Bitcoin und Ethereum In-Kind-Prozesse sind eine größere Sache, als man denkt
Die US-Börsenaufsicht SEC hat am 29. Juli eine bedeutende regulatorische Änderung vorgenommen: Ab sofort dürfen autorisierte Teilnehmer (Authorized Participants, APs) Bitcoin- und Ethereum-ETFs nicht mehr nur in bar, sondern auch in Form der zugrunde liegenden Kryptowährungen (in-kind) zeichnen oder zurückgeben. Damit wird die bisherige Cash-only-Regelung aufgehoben, die seit dem Start der ersten Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2025 galt.
"Ein neuer Tag bei der SEC": Fundamentaler Kurswechsel
In einer offiziellen Mitteilung erklärte die SEC, dass künftig alle Bitcoin- und Ether-ETPs (Exchange-Traded Products) „in-kind-Kreationen und -Rückgaben“ ermöglichen dürfen. SEC-Vorsitzender Paul S. Atkins kommentierte den Schritt mit den Worten:
„Es ist ein neuer Tag bei der SEC. Diese Entscheidung macht die Produkte kostengünstiger und effizienter.“
Sharing a few of the technical reasons why this is a bigger deal than you think.
I get a lot of "what's the big deal here" https://t.co/1IMKYifuvN
— Teddy Fusaro (@teddyfuse) July 30, 2025
Mit der Änderung passt sich die SEC an etablierte Strukturen im Rohstoffmarkt an. Gold-ETFs arbeiten seit Jahren mit in-kind-Prozessen, bei denen autorisierte Teilnehmer das physische Edelmetall direkt liefern oder entgegennehmen, ohne dass der Fonds selbst auf dem Markt aktiv werden muss. Diese Struktur wird nun auf Bitcoin und Ethereum übertragen.
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Was genau bedeutet „in-kind“ – und warum ist es wichtig?
Bisher mussten ETF-Anbieter bei Zuflüssen Bitcoin über Börsen oder OTC-Desks kaufen – meist mit Preisaufschlägen gegenüber dem Referenzpreis. Diese Kaufkosten wurden durch APs und Market Maker an die Anleger weitergereicht. Mit der neuen Regelung können autorisierte Teilnehmer Bitcoin direkt an den Fonds liefern oder entgegennehmen – ohne zusätzliche Markttransaktionen.
Teddy Fusaro, Präsident von Bitwise, erklärte den Unterschied in einem Beitrag vom 30. Juli sehr anschaulich: Wenn ein ETF bei einem Cash-Inflow von 100 Mio. US-Dollar beispielsweise 0,02 % über dem Referenzpreis kaufen muss, entspricht das einem „versteckten“ Kostenfaktor von 20.000 US-Dollar – der am Ende vom Anleger getragen wird.
Mit der neuen In-Kind-Struktur entfällt dieser Spread vollständig. Der AP bringt den Bitcoin direkt ein, und der ETF gibt im Gegenzug Anteile aus – ganz ohne Zwischenhändler oder Marktorder. Für den Markt hat diese Struktur mehrere Vorteile:
- Geringere Tracking-Fehler: ETFs bleiben näher am tatsächlichen Nettoinventarwert (NAV).
- Engere Spreads im Sekundärmarkt: Arbitrage-Möglichkeiten für Market Maker verbessern sich.
- Geringere Liquiditätskosten: Kein Kaufdruck durch ETF-Emittenten am Tagesende.
Kurzum: Die Markteffizienz steigt, und die Produkte werden für institutionelle Anleger attraktiver.
Breitere regulatorische Lockerung über Bitcoin hinaus
Neben der In-Kind-Zulassung hat die SEC gleichzeitig eine Reihe weiterer Maßnahmen freigegeben:
- Genehmigung zur Notierung eines kombinierten Spot-Bitcoin-und-Ether-ETPs
- Erlaubnis für Optionen auf Spot-Bitcoin-ETFs
- FLEX-Optionen auf BTC-basierte ETPs
- Anhebung der Positionslimits für BTC-ETP-Optionen auf bis zu 250.000 Kontrakte
- Einleitung von Kommentierungsverfahren für zwei weitere Large-Cap-Krypto-ETPs
SEC-Kommissar Mark T. Uyeda bewertete die Entscheidung als notwendige Korrektur:
„Vor dem 29. Juli waren Krypto-ETPs die einzigen Rohstoffprodukte, die keine In-Kind-Prozesse nutzen durften – ein unnötiger Nachteil.“
Seine Aussage unterstreicht die Forderung zahlreicher ETF-Anbieter, die seit Monaten auf Gleichbehandlung mit Gold-ETFs drängten.
Praktische Umsetzung: Unterschiedliches Tempo je nach Emittent
Wie schnell die neue Struktur umgesetzt wird, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Aktualisierung der Verwahrstellen und operativen Prozesse
- Anpassung bestehender AP-Vereinbarungen
- Integration in die Back-End-Infrastruktur
Die Entscheidung gilt jedoch marktweit – und stellt die Weichen für eine neue Generation effizienterer Krypto-ETFs in den USA.