Ethereum vor Nachfrage-Schock: Bitwise erwartet strukturelles Ungleichgewicht im ETH-Markt
Ethereum erlebt derzeit eine institutionelle Nachfragewelle, wie sie selbst im aktuellen Bullenmarkt selten ist. Laut Matt Hougan, Chief Investment Officer von Bitwise Asset Management, steht das Netzwerk kurz vor einem „strukturellen Ungleichgewicht“ zwischen Angebot und Nachfrage – mit weitreichenden Konsequenzen für den Preis. Die treibende Kraft sei nicht kurzfristige Spekulation, sondern ein fundamentaler Kapitalzufluss durch börsengehandelte Produkte (ETPs) und neu gegründete ETH-Treasury-Unternehmen.
ETH-Rallye: Mehr als nur Stimmung
In einer Kundenmitteilung vom 22. Juli 2025 verweist Hougan auf den massiven Kursanstieg von Ethereum in den letzten Wochen: über 65 % im letzten Monat, mehr als 160 % seit April. Doch dieser Anstieg sei nicht durch Euphorie, sondern durch einen realen Nachfrageüberhang verursacht.
Der Vergleich mit Bitcoin liegt nahe: Als im Januar 2024 die US-Spot-Bitcoin-ETPs starteten, stieg die Nachfrage innerhalb weniger Monate auf 1,5 Millionen BTC, während das Bitcoin-Netzwerk im gleichen Zeitraum nur 300.000 BTC neu emittierte. Diese 5:1-Schieflage führte zu einer historischen Rallye – und nun wiederholt sich das Muster bei Ethereum, nur noch stärker.
Zwischen dem 15. Mai und 20. Juli 2025 flossen über 5 Milliarden US-Dollar netto in Spot-ETPs auf Ether. Parallel begannen mehrere börsennotierte Unternehmen, ETH gezielt als Treasury-Asset zu akkumulieren:
- Bitmine Immersion Technologies (BMNR): 300.657 ETH im Wert von über 1,1 Milliarden USD
- SharpLink Gaming (SBET): 280.706 ETH (ebenfalls rund 1,06 Milliarden USD) – weitere 6 Mrd. USD Kapitalaufnahme geplant
- Bit Digital (BTBT): Verkauf der Bitcoin-Reserven, Umstieg auf über 100.000 ETH
- The Ether Machine (DYNX): Börsengang mit ETH-Treasury im Umfang von 1,6 Milliarden USD
Insgesamt wurden ca. 2,83 Millionen ETH (rund 10 Milliarden USD) aufgesogen – während das Ethereum-Netzwerk in derselben Zeit nur 88.000 neue ETH emittierte. Das ergibt ein Verhältnis von 32:1 – eine Nachfrage, die das Angebot um ein Vielfaches übersteigt.
ETPs und ETH-Treasuries: Der Wall-Street-Katalysator
Laut Hougan dürfte diese Dynamik anhalten. Denn obwohl ETH-ETPs aktuell nur rund 12 % der Vermögenswerte von Bitcoin-ETPs halten, beträgt die Marktkapitalisierung von Ethereum immerhin 20 % von BTC – hier besteht Aufholpotenzial. Zudem gewinnen Ethereum-basierte Themen wie Stablecoins, Tokenisierung und Staking rasant an Bedeutung in institutionellen Kreisen. Hougan rechnet mit weiteren Milliarden-Zuflüssen in den kommenden Monaten.
Hinzu kommt der Selbstverstärkungseffekt börsennotierter ETH-Halter: Aktien wie BMNR und SBET handeln aktuell mit einem hohen Aufschlag zum inneren ETH-Wert – was neue Kapitalaufnahmen und weitere ETH-Käufe begünstigt. Hougan bringt es auf den Punkt:
„Solange dieser Mechanismus funktioniert, wird Wall Street weiterhin ETH aufsaugen.“
Bitwise prognostiziert, dass ETPs und ETH-Treasuries im Laufe der nächsten 12 Monate bis zu 5,33 Millionen ETH absorbieren könnten – bei einer erwarteten Nettoneuemission von nur 800.000 ETH ergibt sich ein neues Ungleichgewicht von 7:1.
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Keine Angebotsobergrenze? Kurzfristig egal.
Kritiker betonen oft, dass Ethereum im Gegensatz zu Bitcoin keine feste Angebotsgrenze habe. Auch spiele die Netzwerknutzung und die Höhe der Transaktionsgebühren eine zentrale Rolle für die Bewertung. Hougan widerspricht dem nicht – aber er ordnet diese Faktoren als sekundär im kurzfristigen Zeithorizont ein:
„Im kurzfristigen Zeitfenster wird der Preis von allem durch Angebot und Nachfrage bestimmt – und aktuell gibt es mehr Nachfrage nach ETH als Angebot.“
Ethereum ist aus Sicht institutioneller Anleger endgültig aus dem Schatten von Bitcoin getreten. Der ETP-Boom, die Treasury-Strategien börsennotierter Firmen und die steigende Bedeutung von ETH-basierten Finanzanwendungen schaffen eine Situation, in der fundamentale Nachfrage strukturell über dem verfügbaren Angebot liegt.
Wenn Hougans Analyse zutrifft, könnte diese Angebotsverknappung nicht nur die Preisdynamik der kommenden Monate bestimmen – sondern auch einen langfristigen Umbruch im institutionellen Anlageverhalten gegenüber Ethereum einleiten.