ETH-Analytiker warnt: Ethereum könnte in 10 Jahren „irrelevant“ werden
Ethereum Entwickler Dankrad Feist hat in einem viel beachteten Beitrag im Ethereum-Magicians-Forum eine drastische Warnung ausgesprochen: Wenn Ethereum nicht bald eine aggressive Strategie zur On-Chain-Skalierung einschlägt, könnte das Protokoll innerhalb von zehn Jahren seine Relevanz verlieren. Um dies zu verhindern, schlägt Feist ein neues Ethereum Improvement Proposal (EIP) vor, das eine ambitionierte Roadmap mit stufenweisen Gaslimit-Erhöhungen und tiefgreifenden Architekturänderungen vorsieht.
Strategische Sorge: Ethereum dürfte L1-Zentrum verlieren
Feist’s Hauptanliegen ist strategischer Natur. Er sieht die Gefahr, dass Ethereum Layer 1 seine zentrale Rolle verliert, während sich Liquidität und Aktivierung zunehmend auf Layer-2-Netzwerke verlagern. „Wenn L1 an Bedeutung verliert und nicht mehr das wirtschaftliche Zentrum des Ökosystems ist, gibt es auch für L2s immer weniger Grund, mit Ethereum verbunden zu bleiben,“ warnt er. Rivalen wie Solana oder SUI locken mit nativen Hochdurchsatz-Architekturen, die dem Nutzer Layer-1-Komfort bieten.
Die technischen Voraussetzungen für eine aggressive Skalierung sieht Feist bereits gegeben. Zero-Knowledge-Proofs für ganze Ethereum-Blöcke sind mittlerweile günstig und performant. Gleichzeitig macht die Datenverfügbarkeitsforschung (DAS) durch Initiativen wie PeerDAS große Fortschritte. Beides zusammen erlaubt laut Feist eine Skalierung um den Faktor 100 bis 1000, ohne Verifizierbarkeit oder Zensurresistenz aufzugeben.
Feist betont, dass Ethereum’s Node-Struktur noch weitgehend dem Bitcoin-Modell von 2009 entspricht. In Zukunft braucht es aus seiner Sicht differenzierte Node-Typen: leichtgewichtige Clients, vollwertige Prover und „beefy“ Builder, die unter Annahme von 1-aus-n Ehrlichkeit funktionieren. Ziel sei es, dass alle Varianten weiterhin zu Hause betrieben werden können, zumindest an manchen Orten.
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Gegen die Behäbigkeit: Hartkodierte Zielwerte statt langsamer Konsensfindung
Feist kritisiert das traditionell inkrementelle Vorgehen der Ethereum-Entwicklung. Statt sich mühsam von Upgrade zu Upgrade zu hangeln, fordert er eine vorausschauende Zielplanung mit festen Meilensteinen. Die nächste Hard Fork „Glamsterdam“ soll demnach verzögerte Ausführung, kürzere Slotzeiten und aggressive Geschichtsexpiration einführen. Weitere Upgrades in den kommenden zwei Jahren würden parallele Transaktionsausführung, zkEVM, Payloads in Blobs und neue Anti-Zensur-Mechanismen wie FOCIL bringen.
Der Vorwurf, Ethereum würde sich damit zur „Datacenter Chain“ entwickeln, weist Feist zurück. Das wahre Gut von Ethereum sei nicht die Home-Staking-Fähigkeit, sondern die Kombination aus Verifizierbarkeit und Zensurresistenz. Letztere könne durch zk-Proofs sogar für Nutzer vereinfacht werden, während Mechanismen wie MCP und FOCIL die Zensurresistenz erhöhen.
Dankrad Feist schließt mit einem klaren Appell: Ethereum besitzt durch seine riesige DeFi-Liquidität einen einzigartigen Netzwerkeffekt. Doch um diesen langfristig zu erhalten, muss Layer 1 drastisch skaliert werden. Nur dann können sich Anwendungen auf Ethereum zentralisieren, ohne in Richtung konkurrierender Ketten abwandern zu müssen. „Wir müssen uns so schnell wie möglich zu einem Plan bekennen – für Entwickler, für Anwendungen und für den Fortbestand des Netzwerks.“