Der Markt dreht sich: Verschläft Bitcoin gerade die wichtigste Bewegung des Jahres?

Stefan Haas
Geschrieben von Von
Stefan Haas
Finanz- und Krypto-Redakteur

Die Mechanik hinter den Coins fasziniert ihn seit neun Jahren mehr als jeder kurzfristige Hype. Als Ingenieur blickt er seit 2016 tief in die technische Basis von Krypto Projekten und nutzt seine Erfahrung als ehemaliger Miner um Marktentwicklungen für unsere Leser präzise einzuordnen.

Mehr Lesen
Risikohinweis:
Alle Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Investitionen... Mehr lesen
Der Markt dreht sich: Verschläft Bitcoin gerade die wichtigste Bewegung des Jahres?

Silber bricht nach oben aus, Gold zieht nach und Kryptomärkte wirken müde. Ein neuer Handelstag zeigt ein klares Bild: Die starke Bewegung kommt derzeit nicht von Bitcoin oder Altcoins, sondern aus dem Rohstoffsektor. Silber hat ein frisches Allzeithoch markiert und sich aus einem aufsteigenden Dreieck gelöst, der Trend zeigt steil nach oben. Gold hinkt noch etwas hinterher, arbeitet sich aber aus einer länger laufenden Konsolidierungszone heraus.

Trader, die seit Wochen Long Setups im Blick hatten, sehen ihre Szenarien jetzt aufgehen. Erste technische Ziele nach Fibonacci und gemessener Bewegung des Dreiecks rücken näher, der Ausbruch bringt spürbare Dynamik in den Markt.

Die Stimmung zeigt sich in einer Umfrage unter Anlegern: Rund 50 Prozent des Vermögens liegen in Kryptowährungen, 24 Prozent in Cash, der Rest grob verteilt auf Immobilien und US Aktien. Das Gewicht auf Krypto wirkt hoch, gerade in einer Phase, in der echte Bewegung eher bei Metallen und Indizes stattfindet. Der S&P 500, Dow Jones und auch die US Small Caps arbeiten weiter an neuen Hochs, während der Kryptomarkt im direkten Vergleich blass bleibt. Der Bullenmodus läuft aktuell eher in klassischen Märkten, Krypto bleibt im Wartesaal.

Silber mit neuem Rekord

Bei Silber werden weitere Kursziele über Fibonacci Extensions abgeleitet. Nach dem Bruch der 1,618 Extension nach oben stehen Marken um 69 US-Dollar und anschließend rund 78 US-Dollar auf der Liste. Solche parabolischen Phasen eignen sich für gestaffelte Gewinnmitnahmen, alternativ für ein enges Nachziehen von Stops, falls der Trend einfach weiterläuft. Flexibilität im Assetwechsel wird damit zum entscheidenden Vorteil. Wer nicht nur an Coins hängt, sondern auch Gold, Silber oder Aktien handelt, kann von den Verschiebungen der Liquidität profitieren.

Kryptomarkt hinkt hinterher

Auf der Kryptoseite wirkt das Bild deutlich schwerer. Die Liquidationen im Markt sind stark zurückgegangen, das tägliche Handelsvolumen fällt ab.

24 Stunden Krypto Spot Volumen

Spot Volumen auf niedrigem Niveau, Quelle: www.coinmarketcap.com

Nach einem Short Squeeze und anschließenden Long Liquidationen hat sich die Lage fast komplett beruhigt. Der Kurs von Bitcoin rutscht in einen Abwärtstrend, in dem nur noch ein schwacher Aufwärtskanal gegen die Richtung arbeitet. Das Volumen nimmt im Kanal ab, was eher für eine bärische Flagge spricht als für nachhaltige Reakkumulation.

Zwischen 97.000 und 98.000 US-Dollar liegt eine wichtige Spanne rund um den 50 Tage gleitenden Durchschnitt und die sogenannte Golden Pocket. Bleibt der Kanal intakt, sind kurzfristige Longs möglich, ein Bruch nach unten würde dagegen klar für eine Fortsetzung des Abwärtstrends stehen.

Langfristig schlechtere Aussichten

Auf den höheren Zeitebenen verdunkelt sich die Lage. Drei Wochen Chart und Monatschart zeigen bearishe Crosses bei den Momentum Indikatoren, ein Muster, das in früheren Zyklen meist in der Nähe von Zyklushochs auftrat. Historisch hat ein Bullenmarkt nach einer bestätigten Kreuzung im Monatschart kaum länger angehalten.

Diese Signale deuten eher auf eine späte Phase im Zyklus hin. Langfristig orientierte Akteure sehen darin eine Chance: Größere Rücksetzer öffnen die Tür, um Bitcoin zu deutlich niedrigeren Kursen zurückzukaufen, während kurzfristige Trader weiterhin die Schwankungen ausnutzen.

Auch die Makroindikatoren werden engmaschig beobachtet. Der US Dollar Index ist in eine wichtige Unterstützungszone zwischen 50 und 61,8 Prozent Retracement gefallen, die Reaktion dort dürfte entscheiden, wie weit Aktien noch laufen können. Die USDT Dominanz konsolidiert direkt am Widerstand, der Chart wirkt wie eine Bullenflagge. Ein Ausbruch in Richtung 7,8 Prozent wäre klar negativ für Kryptowährungen, da mehr Kapital in Stablecoins geparkt würde.

Im Altcoin Segment zeigen viele Charts ein düsteres Bild. Zahlreiche Projekte bewegen sich in steilen Abwärtstrends, teils mit fast vollständiger Korrektur der vorangegangenen Rallyes. Einige Coins wirken wie Lehrbuchbeispiele für Distribution nach einem Hype. Die Einschätzung vieler erfahrener Trader: Ein großer Teil dieser Token könnte in den kommenden Jahren tatsächlich auf Null fallen, während nur wenige große Namen wie Bitcoin, Ethereum, XRP oder Solana langfristig bestehen bleiben könnten.

 

Themen im Beitrag:

Reaktion hinzufügen
Stefan Haas
Finanz- und Krypto-Redakteur

Die Mechanik hinter den Coins fasziniert ihn seit neun Jahren mehr als jeder kurzfristige Hype. Als Ingenieur blickt er seit 2016 tief in die technische Basis von Krypto Projekten und nutzt seine Erfahrung als ehemaliger Miner um Marktentwicklungen für unsere Leser präzise einzuordnen.