Cardano veröffentlicht erstes Budgetdokument für neue On-Chain-Governance
Am 5. Juni hat Intersect, die zentrale Organisation für Cardanos Übergang zur Selbstverwaltung, ihr erstes offizielles Budgetdokument veröffentlicht. Dieses sogenannte Budget Info Action (BIA) enthält 39 Vorschläge, die von Community-Mitgliedern und Delegierten (DReps) unterstützt werden.
Laut Intersect zeigt das BIA, „wo die Community Chancen, Bedarf und Dynamik sieht“. Die Vorschläge kommen von Entwicklern, Forschern, DAO-Mitgliedern und DApp-Teams, die gemeinsam am Cardano-Ökosystem arbeiten. Ziel ist es, mithilfe von On-Chain-Governance eine geregelte Mittelvergabe durchzuführen.
Die Vorschläge decken einen Zeitraum von 18 Monaten ab und markieren den nächsten Schritt in Cardanos Voltaire-Phase – also der Phase, in der dezentrale Verwaltung und Finanzverteilung etabliert werden sollen.
Technische Entwicklung, Governance-Werkzeuge und Bildung im Fokus
Etwa die Hälfte aller Vorschläge betrifft Verbesserungen an der Cardano-Technologie:
- Input Output Global (IOG) will weitere Gelder für Hydra (State-Channels) und Mithril (schnelles Node-Syncing).
- Es geht auch um neue Infrastrukturprojekte, etwa zur Optimierung von Gebühren, zur Belohnung von Stake-Pool-Betreibern und zur Einführung schnellerer Finalität.
- Zwei Experimente, Leios und Peras, sollen Blockzeiten auf unter eine Sekunde senken.
Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Verbesserung der Governance-Mechanismen:
- Eine neue Version von Project Catalyst soll direkt mit der Verfassung (CIP-1694) verknüpft werden.
- Quadratische Finanzierung mit Reputationspunkten wird vorgeschlagen, um Förderungen fairer zu gestalten.
- Ein DAO will Smart Contracts nutzen, um Fördermittel automatisch zu vergeben – ohne menschliches Eingreifen.
Auch Tools für Entwickler und Infrastruktur kommen nicht zu kurz:
- MLabs will Bibliotheken wie Plutarch pflegen, um Smart-Contract-Entwicklung zu vereinfachen.
- Pallas und Blockfrost wollen leicht nutzbare Schnittstellen für DApps bereitstellen.
- Vorschläge zu Content-Delivery-Netzwerken (CDNs) sollen Medien für NFTs schnell und dezentral ausliefern.
Weitere Projekte drehen sich um Sicherheit, etwa eine neue Hardware-Wallet-Integration, ein Rewrite der Ledger-App oder Dashboards zur Live-Überwachung von Treasury-Ausgaben.
Zudem gibt es Anträge zu Marketing, Events und Bildung:
- Ein globales Event-Marketing-Team soll für einheitliche Präsentation sorgen.
- Projekte wie Discover Cardano wollen die Marke auf Messen sichtbarer machen.
- Ein Vorschlag zielt auf die USDA-Stablecoin, die weiter in Exchanges, Verwahrlösungen und reale Finanzanwendungen eingebunden werden soll.
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Nächste Schritte: Abstimmung und mögliche Umsetzung ab Juli
Noch handelt es sich bei dem BIA um einen Entwurf. Die Community hat laut CIP-1694 jetzt 30 Tage Zeit, um die Vorschläge anzunehmen oder abzulehnen. Falls die Zustimmung erfolgt, wird Intersect formale Anträge auf Mittelentnahme stellen – sogenannte Treasury Withdrawal Actions. Diese benötigen eine Zweidrittelmehrheit der On-Chain-Stimmen.
Wahrscheinlich wird die Auszahlung in Etappen erfolgen, abhängig vom Erreichen klar definierter Meilensteine. So will man zeigen, dass Cardano seine Mittel effizient, transparent und nachvollziehbar verwalten kann – ähnlich wie es bei öffentlichen Haushalten üblich ist.
Intersect sieht das BIA als großen Test für dezentrale Selbstverwaltung. „Das ist mehr als ein Budget“, heißt es im Beitrag. „Es ist ein Zeichen, dass Cardano bereit ist zu liefern.“ Wird das Paket mit den 39 Vorschlägen angenommen, könnte Cardano den Übergang von unregelmäßigen Catalyst-Förderrunden zu einem regelmäßigen, verfassungsbasierten Finanzierungszyklus schaffen – und damit eine neue Ära im Blockchain-Governance-Modell einläuten.