Bitcoin Update: Charles Edwards sieht Beginn eines „Superzyklus“
Am Morgen des 14. Juli erreichte Bitcoin ein neues Allzeithoch von über 122.000 US-Dollar und setzte damit seine bemerkenswerte Monatsrallye fort, die mittlerweile über 16 Prozent beträgt. Doch während viele Anleger diesen Anstieg als Ergebnis kurzfristiger Marktbewegungen deuten, argumentiert Charles Edwards – Gründer und CEO des Krypto-Hedgefonds Capriole Investments – in seinem aktuellen Newsletter, dass dies erst der Anfang eines viel größeren Liquiditätszyklus sei. Er spricht vom Beginn eines "Bitcoin Liquidity Supercycle", der das restliche Jahr 2025 und möglicherweise auch die folgenden Jahre prägen könnte.
Liquide Märkte und Kapitalströme als Treiber
Im jüngsten Capriole-Bericht legt Edwards dar, dass die entscheidenden Impulse für den Bitcoin-Aufschwung nicht technischer Natur seien, sondern aus der globalen Makroökonomie stammen. "Geld und Liquidität sind die Grundlagen für Kapitalströme", schreibt er, "und Bitcoin-Treasury-Unternehmen fungieren als der Trichter, durch den dieses Kapital in den Markt gelangt."
The Bitcoin Liquidity Tap
Money and liquidity provided the backdrop for capital flows, and Bitcoin Treasury Companies are the funnel.
Read:
?Capriole: https://t.co/zbekrNBOjU
?Substack: https://t.co/aOXYnNzMuG https://t.co/jAk9hH2N5Y pic.twitter.com/XeF1q9Ltbb— Charles Edwards (@caprioleio) July 14, 2025
Ein zentrales Element seiner Analyse ist die Positionierung gegenüber dem US-Dollar. Capriole hat einen eigenen Indikator entwickelt – die sogenannte „USD Positioning“-Kennzahl – der aus Futures-Daten abgeleitet wird und derzeit ein deutlich negatives Sentiment gegenüber dem Dollar zeigt. Für Edwards ist dies ein klassisches Signal dafür, dass Investoren weltweit zunehmend in harte Vermögenswerte wie Bitcoin flüchten.
Risikobereitschaft steigt auch in traditionellen Märkten
Neben dem Devisenmarkt verweist Edwards auf Entwicklungen im Kreditmarkt. Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen mit BBB-Rating – ein Barometer für die Risikobereitschaft – sinken seit dem Frühjahr kontinuierlich. Das gilt als klassisches „Risk-On“-Signal und korreliert laut Capriole eng mit den Kursbewegungen von Bitcoin seit dem Jahr 2020. Auch dies spreche dafür, dass Bitcoin längst ein integraler Bestandteil traditioneller Finanzmärkte sei.
Am stärksten ist jedoch laut Edwards der Effekt der Geldmenge. Die globale Geldmenge M3 wachse derzeit mit einer annualisierten Rate von rund neun Prozent – ein Niveau, das historisch betrachtet mit durchschnittlichen 12-Monats-Renditen von etwa 460 Prozent für Bitcoin einherging. Zwar sei Bitcoin heute ein deutlich größerer Markt als noch vor wenigen Jahren, wodurch ähnliche Renditen unwahrscheinlich seien, doch „ein substanzieller weiterer Anstieg wäre keineswegs überraschend“, so Edwards.
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Gold als Vorläufer, Aktien als Signalgeber
Edwards stützt seine These auch auf eine historische Beziehung zwischen Gold und Bitcoin. Demnach folge Bitcoin typischerweise drei bis vier Monate nach einem signifikanten Goldausbruch. Die Gold-Rallye Anfang 2025 und ihre relative Stärke gegenüber globalen Aktien seien laut Capriole klare Hinweise auf ein sinkendes Vertrauen in Fiatwährungen und ein wachsendes Interesse an knappen, realen Werten.
Gleichzeitig senden auch die Aktienmärkte positive Signale: Der Advance-Decline-Index der New Yorker Börse – ein Maß für die Marktbreite – hat neue Höchststände erreicht. Caprioles „Equity Premium“-Indikator, der das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite misst, hat sich bereits Ende Mai neutralisiert – ein Muster, das in der Vergangenheit längere Phasen erhöhter Risikobereitschaft eingeläutet hat.
Alle diese Faktoren fließen in den firmeneigenen „Bitcoin Macro Index“ ein – ein Modell aus Dutzenden öffentlich zugänglicher und proprietärer Daten, das bei Capriole die Positionsentscheidungen leitet. Trotz des jüngsten Kursanstiegs befindet sich der Index laut Edwards weiterhin im „stark positiven Wachstumsbereich“. Das zeige, dass fundamentale Treiber wie Liquidität, Risikoappetit und On-Chain-Aktivität intakt seien.
Bitcoin-Treasury-Unternehmen als neues Marktphänomen
Besonders spannend ist aus Sicht von Edwards jedoch ein Phänomen, das jenseits der klassischen Makroindikatoren liegt: das rasante Wachstum sogenannter Bitcoin Treasury Companies. Diese Unternehmen nehmen Kapital über Aktien- oder Anleiheemissionen auf und investieren es gezielt in physisches Bitcoin. Laut Capriole flossen allein im zweiten Quartal 2025 rund 15 Milliarden US-Dollar in diese Firmen. Insgesamt zählen Edwards und sein Team mittlerweile 145 aktive Akteure, die dieser Strategie folgen.
Diese Unternehmen profitieren von einem selbstverstärkenden Effekt: Durch steigende Bitcoin-Preise wächst der Wert ihrer Bestände, was ihre Marktkapitalisierung erhöht und wiederum neue Finanzierungsrunden ermöglicht. Edwards spricht von einer „reflexiven Schleife“, die in den kommenden zwölf Monaten über eine Billion Dollar an zusätzlicher Marktkapitalisierung für Bitcoin bringen könnte.
Keine Blase – sondern notwendige Skalierung
Trotz des rasanten Wachstums dieser Firmen weist Edwards die Kritik zurück, es handele sich um eine neue Zentralisierungsblase. Im Gegenteil: Wenn Bitcoin eines Tages wirklich als globale Reservewährung dienen solle, müsse der Markt auf ein Volumen von mehreren zehn Billionen Dollar wachsen. Eine solche Skalierung sei nur möglich, wenn große Institutionen – zunächst Unternehmen, später möglicherweise auch Staaten – Bitcoin in Massen akkumulieren.
Er räumt jedoch ein, dass auf dem Weg dorthin auch Rückschläge unvermeidlich seien. „Starke Kursanstiege bringen immer kurzfristige Übertreibungen und Rücksetzer mit sich“, sagt Edwards. Genau deshalb konzentriere sich Capriole bewusst auf die mittelfristige Perspektive über sechs Monate – und ignoriere bewusst kurzfristige On-Chain-Signale, die oft mehr Lärm als Substanz enthielten.
Für Edwards ist klar: Die globalen Rahmenbedingungen – von expansiver Geldpolitik über schwachen Dollar bis zu geringer Kreditspannung – schaffen ein ideales Umfeld für einen nachhaltigen Bitcoin-Bullenmarkt. Noch entscheidender sei jedoch der strukturelle Wandel: Der Einstieg von Unternehmen als große Kapitalgeber könnte der entscheidende Hebel sein, der Bitcoin auf ein neues Liquiditätsniveau hebt.