Bitcoin ohne Zyklus: Warum VanEck das Ende des Vierjahresmodells ausruft
Bitcoin hat seine Geschichte lange in klaren Zyklen erzählt. Auf jedes Halving folgte Euphorie, auf jede Euphorie ein brutaler Absturz, und nach einigen Jahren begann das Spiel von vorn. Dieses einfache Muster hat eine ganze Generation von Anlegern geprägt – und unzählige Marktkommentare gleich mit. Doch ausgerechnet VanEck, einer der etabliertesten Asset-Manager im Krypto-Sektor, stellt dieses Grundnarrativ nun offen in einer Investment Notiz infrage. Der berühmte Vierjahreszyklus sei „gebrochen“, heißt es in einer aktuellen Analyse. Was tritt an seine Stelle – und was bedeutet das für Bitcoin im Jahr 2026 und darüber hinaus?
Bitcoin und der Vierjahreszyklus
Der sogenannte Vierjahreszyklus war über Jahre das einfachste Erklärungsmodell für die großen Bewegungen im Bitcoin-Markt. Das Halving reduzierte das neue Angebot, die Knappheit traf auf steigende Nachfrage, der Preis explodierte – und irgendwann kippte die Stimmung. Dieses Schema wiederholte sich 2013, 2017 und 2021 in auffallend ähnlicher Form.
— VanEck (@vaneck_us) January 12, 2026
Doch schon in den letzten Jahren begann dieses Modell zu wackeln. Die Marktstruktur hat sich verändert, die Teilnehmer sind andere, und Bitcoin ist stärker als je zuvor mit den globalen Finanzmärkten verflochten. VanEck argumentiert nun, dass der Markt zu komplex geworden ist, um ihm weiter mit einem Kalender-Modell beizukommen.
- Bitcoin
(BTC) - Preis
$64,028.00
- Marktkapitalisierung
$1.28 T
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VanEcks Kernthese: Bitcoin folgt jetzt der Liquidität
In seiner Analyse macht VanEck klar, dass nicht mehr das Halving, sondern vor allem institutionelle Kapitalflüsse und die globale Liquidität den Takt vorgeben. Spot-ETFs, Derivate und makroökonomische Allokationsentscheidungen hätten Bitcoin in ein neues Marktregime geführt, in dem klassische Krypto-Zyklen an Bedeutung verlieren.
Bitcoin verhalte sich damit zunehmend wie ein globales Risk-Asset, das auf Zinsen, Geldpolitik und politische Unsicherheit reagiert. Der Vierjahreszyklus sei kein Naturgesetz gewesen, sondern eine Phase der Marktgeschichte. Jetzt, da Bitcoin erwachsener und größer geworden ist, greifen andere Mechanismen.
Warum VanEck kurzfristig trotzdem vorsichtig bleibt
Trotz dieser strukturell weitreichenden These bleibt der Ton bei VanEck kurzfristig zurückhaltend. Für die kommenden drei bis sechs Monate sieht das Haus ein schwierigeres Umfeld für den Kryptomarkt. Zu viele Marktteilnehmer müssten ihre Positionierung neu justieren, während politische und makroökonomische Risiken zunehmen.
Interessant ist dabei, dass es selbst innerhalb von VanEck unterschiedliche Einschätzungen gibt. Während die offizielle Linie eher vorsichtig klingt, gelten einzelne Portfoliomanager als konstruktiver für den weiteren Jahresverlauf. Das unterstreicht, wie wenig eindeutig die Lage in einem Markt ist, der sich gerade von seinen alten Orientierungspunkten verabschiedet.
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Gold, KI-Aktien und Politik: Der größere Rahmen
VanEck betrachtet Bitcoin nicht isoliert, sondern im Kontext eines breiteren Multi-Asset-Umfelds. Besonders deutlich wird das an der positiven Einschätzung für Gold, das als eine Art globale Reservewährung im Portfolio gesehen wird. Rücksetzer gelten hier eher als Kaufgelegenheiten denn als Warnsignal.
Gleichzeitig sieht VanEck bei KI-Aktien weiterhin attraktive Chancen. Politische Unsicherheiten, etwa rund um die Unabhängigkeit der US-Notenbank, könnten Kapitalströme in nicht-souveräne Assets lenken. Bitcoin taucht in diesem Bild weniger als reines Spekulationsobjekt auf, sondern als Teil einer größeren Absicherungslogik.
Bitcoin ohne Zyklus: Auch Hayes, Wood und Bitwise zweifeln
VanEck steht mit dieser Sichtweise nicht allein. Arthur Hayes argumentiert seit Monaten, dass nicht das Halving, sondern die globale Liquidität und die Richtung der Geldpolitik schon immer der eigentliche Treiber der großen Bitcoin-Zyklen gewesen seien. In seinen Analysen legt er dar, dass die historischen Hoch- und Tiefpunkte zeitlich deutlich stärker mit Phasen expansiver oder restriktiver Geldpolitik korrelieren als mit dem reinen Angebotszyklus von Bitcoin. Wenn dieser geldpolitische Rhythmus heute unregelmäßiger und politischer wird, könne es nach seiner Logik keinen sauberen Vierjahrestakt mehr geben, dem der Markt folgt.
“Long Live the King!” an essay on why the $BTC 4yr cycle is dead.
— Arthur Hayes (@CryptoHayes) October 9, 2025
In eine ähnliche Richtung argumentieren auch Cathie Wood und der Asset-Manager Bitwise. Wood betont, dass die wachsende institutionelle Beteiligung die Volatilität strukturell senkt und extreme Boom-Bust-Muster der Vergangenheit unwahrscheinlicher macht. Bitwise wiederum verweist darauf, dass der Halving-Effekt mathematisch mit jedem Zyklus an Bedeutung verliert, während ETFs, Regulierung und reale Adoption zunehmend das Marktgeschehen bestimmen. Auch Binance-Gründer Changpeng Zhao und Strategy-CEO Michael Saylor haben zuletzt wiederholt darauf hingewiesen, dass Bitcoin inzwischen eher einem langfristigen monetären Netzwerk-Wachstumspfad folgt als einem starren Vierjahreszyklus – mit häufigeren Korrekturen, aber ohne den mechanischen Rhythmus früherer Jahre.
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Vom Halving-Kalender zum Makro-Regime
Der eigentliche Paradigmenwechsel besteht darin, dass Bitcoin nicht mehr primär seinem eigenen internen Zeitplan folgt. Stattdessen reagiert der Markt zunehmend auf Zinsentscheidungen, Liquiditätsprogramme, geopolitische Spannungen und Risikobereitschaft an den Kapitalmärkten.
Das macht Prognosen schwieriger, aber auch realistischer. An die Stelle eines simplen Vierjahresmodells tritt ein komplexeres Bild, in dem Bitcoin mal stärker, mal schwächer mit anderen Risikoanlagen korreliert. Der Markt wird damit weniger vorhersehbar, aber auch reifer.
Was das für Anleger bedeutet
Für Investoren heißt das vor allem: Alte Gewissheiten verlieren an Wert. Wer Bitcoin weiterhin ausschließlich nach Halving-Zeitpunkten und historischen Mustern einordnet, riskiert, die eigentlichen Treiber zu übersehen. Makroindikatoren, Kapitalflüsse und politische Entwicklungen gewinnen an Bedeutung.
Gleichzeitig bedeutet das Ende des klaren Zyklusmodells nicht, dass Bitcoin seine Attraktivität verliert. Im Gegenteil: Die Einbindung in globale Portfolios kann die Rolle von Bitcoin als langfristiges Asset sogar stärken – nur eben ohne den gewohnten Fahrplan.
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Der Tod des Zyklus macht Bitcoin komplizierter, nicht schwächer
Der Vierjahreszyklus war ein hilfreiches Erklärungsmodell für eine frühere Phase des Marktes, aber kein Naturgesetz. VanEck und andere große Marktakteure machen deutlich, dass Bitcoin inzwischen in einem neuen Regime angekommen ist, in dem Liquidität, Politik und institutionelle Allokation den Ton angeben.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, wo wir im Zyklus stehen, sondern in welchem makroökonomischen Umfeld sich der Markt gerade bewegt. Bitcoin bleibt ein hochdynamisches Asset – nur ohne den einfachen Kalender, an dem sich früher alles ausrichten ließ.