Nach dem Bitcoin-Sturz: Experte Oliver Michel sieht massives Short-Squeeze-Potenzial

Stefan Haas
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Stefan Haas
Finanz- und Krypto-Redakteur

Die Mechanik hinter den Coins fasziniert ihn seit neun Jahren mehr als jeder kurzfristige Hype. Als Ingenieur blickt er seit 2016 tief in die technische Basis von Krypto Projekten und nutzt seine Erfahrung als ehemaliger Miner um Marktentwicklungen für unsere Leser präzise einzuordnen.

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Nach dem Bitcoin-Sturz: Experte Oliver Michel sieht massives Short-Squeeze-Potenzial

Die Nacht von Sonntag auf Montag brachte erneut einen harten Schlag. Bitcoin fiel deutlich unter 90.000 US-Dollar, ausgelöst durch eine weitere Welle von Washouts bei stark gehebelt eingestellten Long Positionen. Eine Struktur, die sich in den letzten Wochen mehrfach gezeigt hatte: immer dann, wenn die Liquidität dünn war, wurden Long Cluster konsequent nach unten abgefischt. Im Interview bei Aktionär TV erklärte Oliver Michel, CEO der tokentus Investment AG, wie der Markt in diese Abwärtsbewegung rutschte.

Seit dem Alltime High am 6. Oktober gab es mehrere Kaskaden. Am 10. Oktober wurde der erste größere Block ausgelöst, weitere folgten in kurzen Abständen. Die Long Seite ist inzwischen deutlich ausgedünnt. Auf der anderen Seite haben sich über dem aktuellen Kurs massive Short Bereiche gebildet. Zwischen 94.000 und 98.000 US-Dollar liegen dichte Cluster. Zieht man die Linie weiter bis 110.000 US-Dollar, entsteht ein Volumen von rund 5 Milliarden US-Dollar an möglicher Liquidität. Bis 120.000 erhöht sich dieser Wert auf rund 8 Milliarden. Michel hält es für möglich, dass Market Maker dieses Fenster früher oder später nutzen, wenn ein Impuls die Bewegung nach oben anstößt.

Oliver Michel von Tokentus zur Bitcoin Situation

Glaubt an einen möglichen Short Squeeze, Quelle: https://www.youtube.com

Schwacher Herbst für Bitcoin

Der November lieferte zusätzlich Druck. Rund 17 Prozent Minus, einer der schwächsten Monate seit Einführung der Spot Bitcoin ETFs. Auch der Oktober war schwach. Eine klassische Jahresendrally zeigt sich vorerst nicht. Für Michel liegt der entscheidende Punkt jedoch an einer anderen Stelle: Liquidität. Kapital, das in die Märkte fließt, bestimmt das Tempo. Ob durch Zinssenkungen, staatliche Hilfspakete oder die Veränderung der Geldmenge M2, entscheidend bleibt der Zustrom neuer Mittel. Und hier zeichnet sich für ihn ein klarer Trend ab.

Das Fedwatch Tool zeigt eine Wahrscheinlichkeit von knapp 88 Prozent für eine Zinssenkung am 10. Dezember. Die letzte Rede von Jerome Powell brachte weder neue Sorgen noch frische Hoffnung, die Erwartung blieb stabil. Für 2025 sind bislang zwei weitere Senkungen eingepreist. Michel sieht die Möglichkeit, dass ein neuer Fed-Chef unter einer Trump-Regierung stärker auf niedrige Zinsen setzt. Eine expansivere Linie würde zusätzliche Liquidität freisetzen und riskantere Anlagen wie Kryptowährungen stützen.

USA könnte Märkte ankurbeln

Auch beim Blick auf die US-Makrodaten zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Producer Price Index lag zuletzt bei 2,7 Prozent, der Kernwert bei 2,6 Prozent. Die PCE-Daten am 5. Dezember gelten als wichtiger, sind aber zeitlich verzögert. Viele Entscheidungen der Fed basieren damit auf älteren Zahlen. Währenddessen endet das Quantitative Tightening. In den vergangenen 30 Monaten wurden rund 2,2 Billionen US-Dollar aus den Märkten gezogen. Jetzt werden Rückflüsse wieder reinvestiert, der Übergang zurück zum Normalbetrieb läuft. Für Michel ist das die Vorstufe zu einem späteren Wechsel in ein neues Quantitative Easing. Eine Entwicklung, die den Markt deutlich anheben könnte.

Auf der Risikoseite steht Japan. Die Renditen dort zogen deutlich an. Eine mögliche Zinserhöhung am 19. Dezember könnte Carry Trades unter Druck setzen. Kapital würde aus globalen Anlagen abgezogen und nach Japan zurückfließen. Eine Situation, die schon im Vorjahr für Turbulenzen gesorgt hatte. Michel sieht dennoch die USA als den zentralen Taktgeber. Die Nasdaq arbeitet sich wieder Richtung Alltime High vor und hat einen Großteil ihrer Korrektur bereits neutralisiert. Für Bitcoin ist das ein wichtiger Rückenwind. Gleichzeitig fällt der Dollar-Index DXY weiter ab, was Kapital in alternative Anlagen drängt.

Michel glaubt an einen fallenden DXY Index

DXY sollte fallen, Quelle: https://www.youtube.com/

Im Stundenchart zeigte sich zuletzt ein bekanntes Muster. Ein Anstieg vor dem US-Feiertagswochenende, anschließend der nächste harte Rücksetzer bei dünner Liquidität. Der Markt verlor innerhalb weniger Stunden rund 9 Prozent, ohne fundamentale Nachrichten. Michel erörtert, dass solche Bewegungen im aktuellen Umfeld leicht ausgelöst werden können, solange die Leverage-Quoten hoch bleiben. In der Wochendarstellung wirkt die Lage weniger dramatisch. Solange die Zone um 80.500 US-Dollar hält, bleibt das höhere Tief weiterhin möglich. Erst unter 73.500 würde der Trend brechen.

Das bärische Lager verweist auf den 50-Wochen-Durchschnitt, der drei Wochen in Folge unterschritten wurde. In früheren Zyklen war das oft ein Signal für längere Schwächephasen. Michel ordnet auch diese Faktoren ein, gewichtet sie aber niedriger als das Zusammenspiel aus Liquidität, schwächerem Dollar und der Bewegung der großen US-Indizes.

Spannend bleibt das mögliche Short-Squeeze-Fenster. Nach mehreren Washouts ist die Oberseite voll mit Shorts. Große Cluster liegen direkt oberhalb des aktuellen Kursbereichs. Sollte Bitcoin den ersten Impuls nach oben erhalten, könnte die Kette an Liquidierungen schnell hintereinander ausgelöst werden. Für Michel wäre das ein realistisches Szenario, gerade weil der Markt zuletzt so stark bereinigt wurde. Bis Jahresende dürfte sich entscheiden, ob Bitcoin eine weitere Abwärtsphase einleitet oder ob die Kombination aus Liquidität, ETF-Flüssen und Short-Squeeze-Potenzial den Kurs erneut nach oben trägt.

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Die Mechanik hinter den Coins fasziniert ihn seit neun Jahren mehr als jeder kurzfristige Hype. Als Ingenieur blickt er seit 2016 tief in die technische Basis von Krypto Projekten und nutzt seine Erfahrung als ehemaliger Miner um Marktentwicklungen für unsere Leser präzise einzuordnen.