Bitcoin: Bullenfalle oder Rückkehr in den bullischen Super Cycle?

Michael Sprick
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Michael Sprick
Kryptojournalist

Seit 7 Jahren berichtet er aus Barcelona über die Kryptowelt und bringt Erfahrung von Stationen wie BTC ECHO mit. Er spezialisiert sich auf Web3 sowie die EU MiCA Regulierung. Seine kritischen Analysen verbinden technisches Wissen mit Marktgeschehen und bieten Lesern klare Orientierung.

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Bitcoin: Bullenfalle oder Rückkehr in den bullischen Super Cycle?

In der heutigen technischen Analyse untersuchen wir Indikatoren, um herauszulesen, ob der jüngste Anstieg auf über 94.000 USD bei Bitcoin auf eine bullische Rückkehr im Super Cycle hindeutet oder ob wir in eine Bullenfalle wie im Frühjahr 2022 stecken.

Preisgeschehen der letzten Wochen

Bitcoin hat die wichtige Widerstandszone von 94.000 USD zurückerobert und markiert damit einen kurzfristigen Erfolg im laufenden Kursgeschehen. Der aktuelle Bitcoin-Preis liegt derzeit bei 95.400 USD-Marke, konnte jedoch bisher keine signifikant höheren Widerstandsbereiche nachhaltig überwinden.

Der jüngste Anstieg hat dabei eine spürbare Euphorie im Markt ausgelöst. Dies zeigt sich deutlich im Crypto Fear & Greed Index, der aktuell bei 49 Punkten steht und damit wieder im neutralen Bereich liegt. Kurzfristig hatte der Index sogar auf Gier gedeutet mit einem lokalen Höchstwert bei 61, der höchste Stand des Indikators seit Oktober. Wochenlang hatte der Indikator jedoch auf extreme Angst gedeutet.

Gleitende Durchschnitte noch immer bärisch angeordnet

Der 50-Tage-SMA von Bitcoin liegt derzeit bei etwa 90.100 USD und zeigt erstmals seit Oktober wieder eine aufwärtsgerichtete Tendenz. Er hat sich bereits vom lokalen Tiefpunkt um rund 89.200 USD erholt und ist seither um ungefähr 900 USD gestiegen. Im Gegensatz dazu notiert der 100-Tage-SMA aktuell bei etwa 96.800 USD und tendiert weiterhin abwärts. Ähnlich verhält es sich mit dem 200-Tage-SMA, der bei rund 105.600 USD liegt und ebenfalls eine anhaltende Abwärtsbewegung aufweist.

Zusammengefasst signalisiert der kurzfristige 50-Tage-Durchschnitt eine erste Erholung und leichte Stärke, während die mittel- bis langfristigen gleitenden Durchschnitte (100 und 200 Tage) noch klar bärisch ausgerichtet sind und als Widerstände darüber liegen. Solange diese bärische Struktur sich erhält, sollte die Gegenthese, dass wir uns trotzdem noch immer im Bärenmarkt befinden werden, gut bedacht bleiben.

Momentumsindikatoren: Bullisches Signal und relative Kursstärke

Bitcoin notiert bereits klar über dem 50-Tage-Durchschnitt, was ein erstes positives kurzfristiges Signal darstellt.Der RSI (Relative Strength Index) unterstreicht das aktuelle bullische Momentum. Der einfache RSI liegt dabei bei 64,3, was ein starker und gesunder Wert für die Rally ist. Inzwischen deckt sich dieser Indikator auch für den mittelfristigen Trend, da der gleitende Durchschnitt des RSI der letzten 14 Tage bei 59,2 liegt. 

Dies deutet auf eine länger anhaltende relative Stärke hin, die bei einem Durchbruch höherer Widerstände in einen nachhaltigeren Aufwärtstrend übergehen könnte. Dieser Befund deckt sich auch mit dem MACD (Moving Average Convergence Divergence). Hier hat sich die Signallinie nach Annäherung deutlich von der MACD-Linie entfernt.Das bullische MACD-Signal besteht bereits seit dem 20. Dezember. Dennoch ist Momentum gerade bei den volatilen Kryptomärkten sehr flüchtig und kann schnell wieder in das Gegenteil verfallen. Eine erste Andeutung dessen haben wir bereits beim Fear and Greed Index bei Bitcoin beobachten können. Hier ist der Index binnen kurzer Zeit von 48 (neutral) auf 61 (Gier) und zurück auf 49 gefallen.

Bitcoin im ähnlichen Setup wie im Bärenmarkt 2022? 

Viele Analysten wie z.B. Ali Charts deuten derzeit auf die Ähnlichkeit des Charts von 2022. Der Bärenmarkt hielt dort insgesamt mehr als 2 Jahre an.  Der Bitcoin-Bärenmarkt von Ende 2021 bis Mitte 2023 begann mit dem Allzeithoch bei rund 69.000 USD im November 2021 und endete mit einem Tief von etwa 15.500 USD im November 2022.

https://twitter.com/alicharts/status/2008628933340664103

Im Januar bis April 2022 befand sich Bitcoin in einer Bullenfalle. Nach dem Jahresend-Tief 2021 stieg BTC von ca. 33.000–35.000 USD (Januar-Tief) auf ein lokales Hoch um 47.000–48.000 USD (März/April), was viele Trader zu der Annahme verleitete, der Boden sei erreicht und ein neuer Bullenzyklus starte. Stattdessen scheiterte der Preis mehrmals an wichtigen Widerständen (und brach dann im Mai/Juni brutal nach unten ein – bis unter 30.000 USD. 

Als wichtigen Indikator für langfristige Trendwechsel gelten allgemein bärische Crossings. Wobei das nächste Crossing derzeit das des 50er SMAs (90.100 USD) gegen das 100er SMA (96.800 USD) ist. Für einen langfristig glaubhaften Flip vom Bärenmarkt zum Bullenmarkt erwarten wir, dass sich dieses bärische Crossing abzeichnet. Im Falle des 2022er Bärenmarktes trat dieses Crossing drei Mal an, bevor der Kurs tatsächlich in einen neuen Bull Cycle gelang.

Entscheidend ist das Preisgeschehen bei den nächsten Widerständen

Mit Hinblick auf das aktuelle Preisgeschehen lässt sich sagen, dass derzeit bullische Impulse überwiegen(RSI, MACD, Rückeroberung der 94k, steigender 50-SMA), während die übergeordnete Struktur auf noch immer bärisch bleibt. Der nächste entscheidende Test liegt beim 100-Tage-SMA um 96.800 USD. Gelingt Bitcoin ein nachhaltiger Sprung darüber, steigen die Chancen deutlich, dass sich dies auf die gleitenden Durchschnitte auswirkt und damit aus dem kurzfristigen Trend auch eine mittelfristig bullische Prognose wird. Hier könnte dann auch das bullische Crossing in den nächsten Wochen entstehen, wodurch eine Möglichkeit in den bullischen Super Cycle wieder möglich wird.

Bleibt der Kurs jedoch in den kommenden Wochen unter dieser Marke, wächst das Risiko einer Bullenfalle (Bull Trap), die die bärische Struktur bestätigt und dann sogar die Erhaltung des langfristigen Bullen Cycles gefährden könnte. Weitere markante Widerstandszonen warten bei der psychologisch wichtigen 100.000-USD-Marke sowie dem 200-Tage-SMA bei 105.600 USD.

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