Laos prüft Bitcoin Mining als Antwort auf Schulden- und Energiekrise
Laos hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Ruf als „Batterie Südostasiens“ erarbeitet. Dutzende Dämme entlang des Mekong und seiner Nebenflüsse sollten Exporterlöse sichern und das Land zum regionalen Energieversorger machen. Das Modell hat jedoch Schwächen offengelegt: Einerseits produziert Laos Stromüberschüsse, die es nicht immer verkaufen kann, andererseits türmen sich Auslandsschulden aus dem Bau dieser Wasserkraftwerke. Laut der South China Morning Post vom 17. September 2025 sucht die Regierung nun nach einer neuen Verwertungsstrategie: Bitcoin Mining.
Der Gedanke ist einfach – Stromüberschüsse werden in Bitcoin umgewandelt, eine weltweit handelbare, liquide Ressource. Anders als klassische Exportverträge lässt sich Mining direkt an Kraftwerksstandorten betreiben, ohne dass Stromtrassen oder Abnahmeverträge nötig sind.
Ökonomische Notwendigkeit
Die fiskalische Ausgangslage ist angespannt. Der Weltbank zufolge muss Laos zwischen 2025 und 2028 im Schnitt jährlich rund 1,3 Milliarden US-Dollar an Auslandsschulden bedienen – knapp 9 % des BIP. Hinzu kommen Streitigkeiten über unbezahlte Energierechnungen, darunter ein 555-Millionen-Dollar-Schiedsverfahren eines chinesischen Dammbetreibers gegen die staatliche Stromgesellschaft EDL.
Einnahmen aus Stromexporten decken diese Lasten nicht zuverlässig ab. Zwar machten Elektrizitätsexporte im Vorjahr rund ein Viertel der Ausfuhren aus, doch schwanken Zuflüsse stark, weil Netzverbindungen, Abnehmermärkte und hydrologische Bedingungen nicht immer zusammenpassen. Bitcoin Mining wird daher als eine Möglichkeit gesehen, fluktuierende Überschüsse direkt zu monetarisieren.
Rückblick: Erste Mining-Experimente und Rückschläge
Laos hat bereits 2021 ein Pilotprogramm gestartet, in dem sechs Firmen Bitcoin und andere Kryptowährungen unter staatlicher Aufsicht schürfen durften. Ziel war es, von der Abwanderung chinesischer Miner nach dem dortigen Verbot zu profitieren.
Doch die Realität war komplexer.
- 2023 kappte EDL die Stromversorgung für Miner, weil Dürreperioden die Wasserkraftproduktion einschränkten.
- 2024 meldete Reuters, dass Mining-Farmen „über ein Drittel“ des landesweiten Stromverbrauchs beanspruchten und so mitverantwortlich für Versorgungsengpässe waren. Die Regierung verhängte einen Zulassungsstopp für neue Projekte, auch wenn bestehende Betreiber weiterliefen.
Diese Erfahrungen verdeutlichen das Spannungsfeld: Bitcoin Mining kann Überschüsse monetarisieren, verschärft aber das Problem, wenn Wasser knapp ist.
Chancen und Risiken im Vergleich
Das Modell, überschüssige erneuerbare Energie in Bitcoin zu verwandeln, ist nicht neu.
- Bhutan bezeichnet Mining inzwischen als „strategische Batterie“, um saisonale Überschüsse zu kapitalisieren.
- Äthiopien meldete Einnahmen von rund 55 Millionen US-Dollar in zehn Monaten, indem es Überschussstrom an Miner verkaufte.
Laos könnte in diese Reihe treten – allerdings mit zwei Nachteilen:
- Hydrologische Unsicherheit: Niederschläge schwanken stark, Klimawandel verschärft die Volatilität.
- Verschuldung: Anders als Bhutan (mit kontrollierter Staatsfinanzierung) ist Laos massiv gegenüber ausländischen Kreditgebern exponiert, was fiskalischen Druck verstärkt.
Stimmen der Kritiker
Umweltaktivisten wie Witoon Permpongsacharoen (Mekong Energy and Ecology Network) sehen den Schritt als Symptom einer gescheiterten Energiepolitik: „Laos erlaubt die Nutzung von Strom für Krypto-Mining nicht aus interner Logik, sondern weil es hochverschuldet ist und seine Schulden nicht begleichen kann.“
Auch die technische Balance ist fragil: Überschüsse gibt es in der Regenzeit, während in der Trockenzeit teils Strom aus Thailand oder China importiert werden muss. Mining könnte in einem Szenario Einnahmen generieren, in einem anderen aber die Versorgungslage verschärfen.
Laos’ Überlegung, Hydrostrom in Bitcoin umzuwandeln, passt in einen globalen Trend, bei dem überschüssige erneuerbare Energie durch Mining monetarisiert wird. Im Unterschied zu Bhutan oder Äthiopien ist die laotische Ausgangslage jedoch instabiler – sowohl hydrologisch als auch finanziell.
Ob Bitcoin Mining am Mekong zum Rettungsanker oder zum zusätzlichen Risiko wird, hängt davon ab, ob die Regierung eine flexible, saisonal abgestimmte Strategie etabliert – und ob internationale Partner Mining als legitimen Teil der Energiemärkte akzeptieren.