Bis zu 60 Jobs: Bitcoin Suisse verlagert Backoffice ins Ausland
Der Zuger Kryptodienstleister Bitcoin Suisse streicht laut einem Bericht von Blick bis zu 60 der insgesamt 120 Stellen am Hauptsitz. Hintergrund ist eine Neuorganisation, mit der sich das Unternehmen internationaler aufstellen will – gleichzeitig verlegt es einen grossen Teil seiner bisherigen Tätigkeiten ins Ausland.
Zug verliert Backoffice-Jobs an Bratislava und Vietnam
Betroffen sind laut Blick vor allem Stellen im Backoffice und in der Administration. Diese Jobs sollen an den bestehenden Standort in der slowakischen Hauptstadt Bratislava sowie an einen neuen Standort in Vietnam verlegt werden.
Der IT-Entwicklungsstandort in Kopenhagen wird laut dem Bericht komplett geschlossen. Bitcoin Suisse betont gegenüber Blick, das Unternehmen trete in die nächste Phase des internationalen Wachstums ein und wolle vor allem im Vermögens- und Asset-Management zulegen; die Schweiz bleibe für das Unternehmen zentral.
Wie viele Stellen am Ende tatsächlich wegfallen, ist laut einem Bericht von Watson noch offen: Ein Unternehmenssprecher konnte gegenüber der Nachrichtenagentur AWP zum Zeitpunkt der Mitteilung keine konkrete Zahl nennen. Die 60-von-120-Grössenordnung ist damit als kommuniziertes Maximalszenario zu verstehen, nicht als final fixierter Wert.
Konsultationsprozess bis 20. September, erste Kündigungen noch 2026
Die Belegschaft wurde laut Blick am Freitag über die Massnahmen informiert. Der Konsultationsprozess läuft bis zum 20. September, noch in diesem Jahr sollen erste Kündigungen ausgesprochen werden.
Für ein Unternehmen, das seit 2013 als Pionier des Zuger „Crypto Valley" gilt, ist ein Abbau dieser Grössenordnung am eigenen Hauptsitz ein deutliches Signal. Wer im DACH-Raum bereits den Stellenabbau in der Bitcoin-Mining-Branche verfolgt hat, sieht hier ein ähnliches Muster: Kostenstrukturen werden neu verteilt, sobald das Margenumfeld enger wird.
Kostendruck im Schweizer Finanzsektor nimmt zu
Der Abbau bei Bitcoin Suisse reiht sich laut Blick in eine breitere Entwicklung am Finanzplatz Schweiz ein. Treiber ist vor allem die UBS: Nach der Übernahme der Credit Suisse hatte die Grossbank rund 3000 Stellen in der Schweiz zum Abbau angekündigt, gut die Hälfte davon ist bereits umgesetzt.
UBS-Chef Sergio Ermotti kündigte im Frühjahr eine weitere Abbaurunde für die zweite Jahreshälfte 2026 und Anfang 2027 an. Im zweiten Quartal 2026 fiel die Bank laut Blick weltweit auf Vollzeitstellen umgerechnet erstmals unter die 100'000er-Marke – ein Rückgang von rund 2500 Vollzeitäquivalenten auf knapp über 99'000, seit der CS-Übernahme im März 2023.
Was als Nächstes zählt
Bis zum 20. September entscheidet der laufende Konsultationsprozess über die genaue Zahl der wegfallenden Stellen in Zug. Erst danach dürfte klar werden, wie stark sich Backoffice-Funktionen tatsächlich in Richtung Bratislava und Vietnam verschieben – und wie schnell der neue Standort in Vietnam operativ wird.
Für Beobachter der Branche ist der Fall auch deshalb relevant, weil sich Konsolidierung und Standortverlagerung derzeit branchenübergreifend zeigen, etwa bei der jüngsten Konsolidierung institutioneller Krypto-Dienstleister. Wie stark regulatorische Rahmenbedingungen solche Standortentscheidungen beeinflussen, lässt sich zudem am Beispiel des MiCA-Streits um Islands EU-Anbindung nachvollziehen.
Weitere Details zur Personalie und den Hintergründen liefert der Bericht von Reuters sowie eine Einordnung von CoinDesk.